Prokratinationspost

Im Hause Anders ist es derzeit ganz still, aber nur virtuell. Im echten Leben da draußen wirbelt und tobt es vor sich hin, daß es eine wahre Pracht ist und ein Ereignis jagt das Nächste in unerbittlichem Tempo. Und da ich eine riesige Menge an wirklich lebensnotwendig dringendsten Dingen zu prokrastinieren habe, schreib ich natürlich ausgerechnet jetzt mal wieder was statt wichtigeres zu tun.

Aber das ist eine Sache die ich in letzter Zeit bei mir geändert habe. Ich arbeite einfach nicht mehr, wenn der Flow fehlt und mache das was irgendwie flowiger erscheint und mir in den Situationen quasi zufällt. Ganz oft ist das aufräumen (ja, ich, als alte Chaosqueen!!!) oder eben schreiben, Internet surfen, lesen… Ich quäle mich jetzt nicht mehr damit damit Dinge zu tun, wenn ich es grade nicht „kann“ nur weil grade die passende Zeit dafür ist und es morgen nicht mehr gehen würde. Also zumindest soweit es möglich ist, im Job und als Mutter geht das manchmal halt nicht, aber es gibt noch genug Dinge bei denen das gut möglich ist und ich gestatte mir notfalls auch bis zum allerletzten Moment zu warten an dem eigentlich alles zusammenbricht um dann wie ein Phönix aus der Asche emporzusteigen und meine Superkräfte auf den Tisch zu packen um dann doch noch alles zu schaffen. Wahrscheinlich brauche ich den Flow der Prokrastination als Antrieb um dann die wirklich wahren Superkräfte entwickeln zu können. Zumindest passiert es immer und immer wieder genau so. Langsam schaffe ich es auch, mir selber in dem Thema zu vertrauen daß genau das auch wieder eintreten wird. Selbst wenn vorher keinerlei Anzeichen zu sehen sind daß ich mich überhaupt jemals nochmal aufraffen könnte. Das ist echt schwer, in sich selber zu vertrauen obwohl man sich ja eigentlich schon ganz gut kennt. Aber ich in dem Thema bin noch nie von mir selber enttäuscht worden und ich glaube fest daran daß ich sowieso ein Glückskind bin daß aus jeder noch so großen üblen Situation wieder rauskommt um was Gutes draus zu ziehen. Einfach nur weil ich es kann und wohl auch irgendwie voll drauf habe, wie meine Oma immer sagte, aus Schiet Böngers zu machen. Ich habe es wirklich immer irgendwie geschafft aus unschaffbaren Dingen in den krassesten Variationen halbwegs unbeschadet herauszukommen. Da kann ich doch die 2 Tage Steuerabgabefrist bei komplett nachzuholender Buchhaltung und Fahrtenbuchnachgeschreibe (danke liebe Zettelsammlung) für 1 Jahr, bei der parallelen Betreuung eines Welpen und eines Kleinkindes mal schnell durch Bloggeschreibe in der einzig freien Stunde in denen alle schlafen prokrastinieren.

Fühlt sich trotzdem sehr gewagt an. Egal, ich KANN es ja grade eh nicht tun, also was solls…

Eigentlich wollte ich euch auch berichten was ist in der Zwischenzeit passiert ist. Also wir haben jetzt einen Wuffi mit dem wir 2 Wochen gleich nach Abholung im Urlaub auf Hiddensee waren. Ein kleiner schwarzer Labrador mit großen braunen Augen. Es ist superanstrengend aber mindestens nochmal doppelt so schön endlich wieder einen Hund in unserem Hause zu haben. Das hat mir die letzten Jahre soooo sehr gefehlt und man kann gar nicht beschreiben was ein Hund mit einem durch seine reine Anwesenheit machen kann. Ich leide zB. unter akutem Schlafmangel weil ich echt oft noch Nachts raus muß mit ihm, aber es macht mir rein gar nichts aus. Ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich habe superviel Spaß mit ihm und er hoffentlich auch mit mir. Es war eine großartige Idee mit dem Kleinen sofort in den Urlaub zu fahren. Etwas wo jeder Hundefreund die Hände über den Kopf zusammenschlagen würde. Wir haben es der übervorsichtigen Züchterin auch nicht erzählt. Zum Glück, denn wann immer ich ein halbwegs neutrales Foto in unsere Whatsappgruppe schickte bekam ich wegen allenmöglichen Sachen gleich Mecker. Das Spielzeug wäre zu fusselig, das Schweineohr ein neues Nahrungsmittel, der Raum zu wenig abgezäunt etc.

Wenn die wüßte was der kleine Wuff derzeit alles tolles erlebt hat mit uns im Gegensatz zu seinen Geschwistern die im „geschützten Garten“ nach Zeitplan X alleinesein üben müssen und geschont werden bis zum geht nicht mehr. Wir haben derzeit am Ostseestrand getobt, waren baden, Kutsche- und Autofahren, wandern mit Wuff im Tragetuch (der darf ja noch nicht so viel laufen), haben Menschen, Kinder, Tiere, Pflanzen getroffen, sind im Fahrradanhänger gefahren, waren mehrfach im Restaurant, er hat alles gefressen und angeknabbert was er finden konnte etc. etc. Das alles natürlich in absoluter Entspannung der ganzen Familie und wohldosiert mit kräftigen Schläfchen hinterher. Es gab kein Gejaule wegen der Geschwistertrennung, er ist inzwischen fast komplett stubenrein, er geht prima an der Leine, hört auf erste Grundkommandos, hat vor nichts Angst und bleibt bei allem Neuen tierisch gelassen und vor allem er liebt uns abgöttisch. Wir haben auch einen Fehler im Freßplan der Züchterin entdeckt der die doppelte Menge Fressen vorsieht als überhaupt gut wäre für ihn. Haben uns anfangs immer gewundert, warum wir so viel wegwerfen müssen und die Züchterin machte uns schon richtig Angst daß er bloß auffressen sollte weil er ja eh schon immer eher ein zarter Esser wäre und das wäre ja gaaaaaanz schlimm weil er nicht genügend zunehmen würde. Zum Glück ist er ein sanfter Esser, denn er hat ungefähr das gefressen was auch gut ist für ihn. Im Gegensatz zu seinen verfressenen Geschwistern die nun alle Schelte von den Tierärzten bekommen weil sie alle extrem zu fett sind. Aber wehe ich hätte erzählt daß er bis heute nur die Hälfte der von ihr festgelegten Menge bekommt aus den und den Gründen… Naja, nun entscheiden zum Glück wir wie der Wuffi aufwächst und bisher hat es sich als richtig erwiesen auf unser Gefühl und unsere Erfahrung mit Hunden zu vertrauen. Nun sind wir zu Hause und auch hier war die Eingewöhnung überhaupt kein Problem. Wir sind glaub ich manchmal echt total anders, aber das ist auch gut so.

Nun holt mich langsam der Alltag wieder ein und der innerliche Abgleich meines jetzigen Lebens hier mit dem Urlaub in der gut bekannten wunderschönen Einöde muß auch erstmal verdaut werden. Ja, ich liebe es so menschenleer wie möglich zu leben und wenn Menschen dann welche um mich zu haben die ebenso „anders“ sind. Ich mag Wasser, Wald, Tiere und vor allem Stille. Stille heißt nicht daß man nichts hört, aber Ruhe vor Menschengeräuschen ist das Größte. Ich lebe gerne ohne Zeit und Raum, einzig getrieben von dem Moment. Ich wäre gerne jobmäßig irgendwie anders tätig und ich hab zB. die Dame sehr beneidet die am Strand bei Sonnenuntergang kleinen Kindern Märchen vorliest, ich könnte mir wirklich vorstellen Kutscher zu sein (wenn all die Silberlocken auf der Kutsche nicht wären), Pferdeapfelaufsammler, Bernsteinschleifer, Maler, Bildhauer, Friedhofsgärtner…egal was, nur dort oder an einem ähnlichen Ort.

Ich möchte gerne meine Zukunftsvision haben, JETZT!!! Mit euch als Mitstreitern wäre es perfekt.

(https://andersfamilie.wordpress.com/2015/06/26/so-will-ich-mal-leben/)

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Overload, Meltdown, Shutdown

Ich habe vor kurzem erst erfahren daß es neben Overload auch sowas wie Meltdowns, Shutdowns und so gibt.
Ich habe erstmalig darüber bei gelesen. Seitdem muß ich immerzu darüber nachdenken. Hätte ich Anfangs noch behauptet das nicht zu kennen, sehe ich das nach einiger Nachdenkzeit genau anders.
Natürlich kenne ich das und das leider viel zu gut.
Deshalb möchte ich einfach mal darüber schreiben, wie sich das bei mir im unterschied zu anderen gestaltet, bzw. wie ich es verstehe.

Der Overload

Ich habe manchmal das Gefühl daß eigentlich fast jeder Tag einen kleinen Overload für mich bereit hält. Ich bin ja generell extrem reizoffen. Das betrifft nicht nur die Dinge die man hören, sehen, schmecken, riechen und fühlen kann, ich hab auch sowas wie ein Sinnenssystem was irgendwie in die Köpfe und Psychen von Menschen gucken kann. Ich habe für alles was auf mich einströmt einfach keinerlei Filter. Alles ist immer gleich bedeutsam und muß aufwändig verarbeitet werden. Ich habe Freunde oft gefragt was sie wahrnehmen während sie im Wohnzimmer still sitzen und an die Wand gucken. Da kam dann oft sowas wie, die Vögel zwitschern und die Wand ist weiß, mehr drängte sich nicht in den Vordergrund. Müßte ich auf diese Frage antworten, würde es sicher ewig lange dauern all das aufzuzählen was ich alles als bedeutsam wahrnehme. Also alles ist ungefähr gleich präsent und das zur gleichen Zeit. Das verbraucht echt viel Energie im Hirn und dabei hab ich noch nichts bedonderes getan außer nur dazusitzen.  Ein kleiner Auzug meiner Antwort wäre: Hören: Ich höre mich atmen, das Blut rauschen, das Herz klopfen, die Haare rascheln wenn ich mich umdrehe und das Geräusch was mein Schal an meinem Hals dabei macht, das knacken im Rücken, es schmatzt in meinem Mund obwohl ich den eigentlich stillehalte, die Autos rauschen, ich höre ein Kind, ganz viele Vögel, die schnarchende Katze, das Radio des Nachbarn….

Sehen: ich sehe Tapete mit interessanten Nuppsies drauf, Farben die sich gegenseitig beeinflussen, zueinander passen oder eben nicht, Muster, ich sehe jedes Detail in den Regalen, den wackelnden Fliegenfänger, die flimmernde Luft über der Heizung, ich sehe die einzelnen Holzstreifen des Laminats, jeden Fussel auf der Decke, Unebenheiten im Holz des Tisches… (btw. ich kann all dies binnen Bruchteilen von Sekunden sehen. Mein Mann staunte mal, als wir mit dem Rad an der offenen Tür eines Ferienhauses das wir auch gerne mal buchen wollten relativ zügig vorbeifuhren. Ein kurzer Millisekunden-Blick und ich hatte wirklich alles abgescannt und konnte jedes noch so kleine Detail wiedergeben. Mein Mann sah nur eine offene Tür. Manchmal ist es echt praktisch, um Veränderungen schnell wahrnehmen zu können um drauf zu reagieren)

Fühlen: Ich fühle meine unterschiedlichen Klamotten am Leib, den Untergrund auf dem ich sitze und wo er mich berührt, ich spüre daß meine Arme am Körper anliegen, die Uhr, den Ehering, die Finger die aneinander reiben, daß mein Rücken zwackt, meine Augen klimpern, wie sich mein Brustkorb wölbt beim atmen…

Und dann gibt es noch diesen Sinn, den ich nicht benennen kann.(Nein, ich bin kein Esoteriker, aber bei dem was ich da manchmal schräges wahrnehme könnte ich manchmal glatt einer werden. Das ist echt soooo krass)

Ich spüre wie die Nachbarn (die ich gar nicht sehe) drauf sind, vor allem negatives spüre ich durch viele Wände hindurch und kann es auch konkret benennen. Ich spüre Müdigkeit, Neid, Verzweiflung, Fassaden…Dazu schreib ich vielleicht später mal was.

All diese Dinge verarbeitet mein Hirn gleichzeitig und gleich intensiv. Es hat aber nur eine begrenzte Kapazität, auch wenn diese wahrscheinlich schon im Vergleich zu anderen enorm groß zu sein scheint. Eigentlich kein Wunder daß irgendwann mal die Luft raus ist. Und dieses Luft raussein nenne ich Overload. Ich will nicht mehr wahrnehmen, spüren, hören oder sehen. Der Punkt an dem es zuviel war wurde dann erstmalig erreicht. Nun muss ich in eine möglichst reizarme Umgebung und dann tankt mein Hirn wieder etwas Kraft auf. Das kann manchmal sogar richtig schnell gehen. Vor allem wenn es mir seelisch und körperlich eigentlich ganz gut geht, ist der Akku auch schneller wieder voll als wenn es mir schlecht geht. Geht es mir gut, reicht manchmal sogar schon ein Klogang. Ich sitze dann meist auf dem Klo, halte mir die Ohren zu und starre an die meist weiße Wand und mache einfach nix. Also relativ overloadfrei komme ich durchs Leben wenn ich einigermaßen drauf achte genug zu essen, trinken, Schlaf, Licht und Luft zu haben, mir genug winzige Verschnaufpausen in reizarmer Umgebung hole und meine Seele eher fröhlich drauf ist. Eine Sache die auch immer hilft ist der Alkohol. Trinke ich etwas, scheinen all meine Wahrnehmungssysteme gedämpft zu sein und ich nehme alles nicht mehr so massiv wahr und das macht es einfacher zu ertragen. Allerdings habe ich grade für mich entdeckt, daß das die falsche Methode ist, wenn auch eine funktionierende. Denn durch das Abdämpfen der Sinne, spürt man auch nicht wann es eigentlich genug an Reizen ist und nimmt diesen Overload manchmal gar nicht wahr und sorgt nicht für Regeneration. Aus diesem Grund oder wenn ich nicht wegkann/wegwill komme ich dann in eine Art negative Spirale rein.

zB. in den Meltdown

Den habe ich tatsächlich oft unter Alkoholeinfluß (nicht stockbesoffen wohlgemerkt, maximal leicht angetüddelt) kombiniert mit nichtregeneriertem Overload und einem entsprechenden Triggerreiz. Ganz oft ist dieser Triggerreiz meine Mutter. Also wenn jemand meine Mutter in Schutz nimmt. Dann sind Sätze wie sie hat es ja auch echt schwer gehabt, sei nicht so böse zu ihr, eigentlich ist sie ja ne ganz nette, oder der Todessatz: du wirst ihr immer ähnlicher die absolute Todesfalle. Ich keife dann wild um mich, heule, schreie, sage böse Sachen, lüge, betrüge, verletze Menschen verbal und was sonst noch die komplette Emobox in mir sonst immer brav verschlossen hält. Und wehe mich hält dabei jemand auf. Dann sind alle nur noch Feinde und wenn es nötig ist, wehre ich mich auch unter kreischen körperlich mit Händen und Füßen. Meist setzt da am Anfang schon oft das Hirn aus und ich kann mich hinterher schwerlich erinnern was da eigentlich passiert ist und warum. Oft sind es nur Sitzationsfetzen die ich später erinnern kann und es ist mir daher voll peinlich und ich weiß nicht wie ich hinterher reagieren soll, weil ich ja nicht weiß was eigentlich passiert ist. Muss man sich entschuldigen oder vielleicht nicht? Sind die jetzt sauer, haben sie es selber kaum mitbekommen? Fragen mag ich  nie. Ich versuche dann immer mir aus Reaktionen der anderen und Wortfetzen herauszufinden was eigentlich passiert ist. Seltenst komme ich aus einem Meltdown wieder runter, aber es geht. Das braucht allerdings jemanden der mich aus der Situation radikal rausnimmt (das lasse ich selten zu wenn ich mich erstmal festgebissen habe) und mir Bewegung (spazieren) und reizarme Bewegung verschafft. Aber wie gesagt, das klappt selten.

Immer endet mein Meltdown mit einen Shutdown. Bei mir ist es einfach ein abschalten aller Systeme. Zapp und aus. Ich fall dann um und schlaf wahrscheinlich ein. Der totale Blackout. Was ich da wirklich mache, keine Ahnung. Irgendwie lag ich meistens abends schon eher im Bett als auf dem Fußboden. Aber wie ich dahingekommen bin bleibt mir jedesmal ein Rätsel. Ich tippe mal auf Hilfe von meinem Mann, der meist dabei ist. Wobei, wenn ich drüber nachdenke was er erzählt falle ich gar nicht um, sondern funktioniere weiter. Ich rede, kann gehen und sogar noch Dinge regeln (Handy ins ladekabel stecken vorm schlafengehen). Ich bin aber nicht mehr anwesend. Ich traue mich nicht, ihn zu fragen. Ich schäme mich so schrecklich. Ich bin ein Kontrollmensch und soooo die Kontrolle zu verlieren und dann nichtmal zu wissen was passiert ist kann ich ganz schwer ertragen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Situationen fallen mir ein. Als Jugendliche bin ich zb. immer aus unerklärlichen Gründen umgefallen. Füße hochlegen hat nie geholfen. Abseits in der Ecke sitzen schon. Vorher gab es immer einen Tunnelblick und es passierte fast immer auf Konzerten oder in Diskotheken in Menschenmengen. Ich hab es damals auf Kreislauf oder Alkohol geschoben, aber so langsam sehe ich es aus einer anderen Perspektive.

So, ich les das jetzt nicht nochmal auf Korrektur durch. Bin grade zu aufgewühlt, denn es ist ein absolutes Tabuthema was ich hier öffentlich mache. Fehler zu haben und nicht korrekt zu funktionieren ist heute immer noch ein großes Thema bei mir mit heftigen Reaktionen. Trotzdem, schreiben hilft beim denken. immer und immer wieder

Eigenblindheit?

Durch einen Kommentar hier im Blog komme ich mal wieder zum denken. Warum bin ich eigentlich bei allem was mich selber betrifft so schrecklich blind? Warum nur? Wie kann denn sowas gehen???
Ich habe seit vielen Jahren so einige Spezialinteressen die sich auch viel um Menschen, Asperger/Autismus, soziales, Interaktionen, Kommunikation, Gesundheit, neurologische Einschränkungen und so drehen. Ich bin absoluter Profi darin, die kleinsten scheinbar unbedeutendsten Dinge in diesen Gebieten richtig zu deuten, zu erkennen und Zusammenhänge zu erstellen. Aber wehe es geht mal um mich.
Der Blick nach innen oder zu mir hin scheint mal so gar nicht zu funktionieren im Gegensatz zum Blick nach außen oder auf andere. Der geht dafür doppelt so gut.
Dinge an mir, sehe ich einfach nicht.
Das kann das Kind sein, das nach der Geburt total schief ist (Ohr klebte an Schulter direkt fest, so schief war der Kopf) und ich als Therapeut der genau soetwas täglich behandelt sehe das nichtmal, geschweige denn wundere ich mich wenigstens mal drüber.
Ich bin quasi Fachfrau und halte Vorträge über schräge Wahrnehmungen jeglicher Art, und merke nichtmal daß ich massivst selber betroffen bin von einigen Dingen die ich da so berichte.
Ich kläre täglich Patienten auf, daß manche Menschen zB. eine Filterschwäche haben, mangelnde Figur Grund Wahrnehmung die es auch beim hören gäbe und alles was man nur irgendwie hören kann gleich laut und intensiv klingt und schnalle mal wieder nichts. Ich dachte sogar, ich seie wohl schwerhörig weil ich in Gesellschaft niemandem folgen kann und ständig häh sage. Ich habe einige Zeit tätsächlich Angst gehabt von einer Art Demenz befallen zu sein, weil ich so „komisch“ geworden bin im Bereich Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit.
Ich merke 13 Jahre lang nicht, daß mein Mann Asperger ist, wo ich täglich mit welchen arbeite und mich seit Jahren mit dem Thema hoch und runterbeschäftige. Ich habe mich nichtmal gewundert über all die schrägen Dinge die uns das Miteinanderleben in dem Zusammenhang schwer gemacht haben. Ich dachte immer, ich seie die einzig normale in unserer Familie und dabei ist es eher andersherum. Tja und nun bin ich, wohl schon seit bald 35 Jahren auch noch selber ein Asperger.

Hallo Frau Anders, mach doch endlich mal die Augen auf!!!!

Naja, zumindest hab ich seit ein paar Jahren endlich mal angefangen zu mir hinzusehen und es fühlt sich richtig gut an. Ich fühle mich manchmal wie in einer neuen Stufe des Erwachsenwerdens, quasi eine neue Pubertät die früher einfach noch nicht dran war oder mal ganz esoterisch ausgedrückt, wie eine Zeit des Erwachsens zu mir selber.
Ich frage mich dennoch ständig, warum…und was habe ich noch alles übersehen was vor meiner Nase stand? Naja, wir werden sehen

Die Sache mit dem Alkohol

Ich rede da nicht gerne drüber, weil ich mich irgendwie schäme. Aber irgendwohin müssen meine Gedanken ja mal gepackt werden.

Ich dachte früher immer, daß grade Hochsensible und Asperger keinen Alkohol oder wenn dann nur total kontrolliert trinken. Mein Mann hört zB. immer rechtzeitig auf, bevor er lustig wird oder die Kontrolle verliert.

Ich hingegen trinke eigentlich ganz gerne mal einen über den Durst. Ich bin da nicht wirklich  stolz drauf. Dennoch „brauche“ ich das manchmal einfach und ich habe mir schon länger Gedanken darüber gemacht, warum es nicht einfach auch ohne geht bzw. warum es ohne irgendwie doof ist. Nicht daß ich ständig nur am trinken wäre, dem ist nicht so. Aber ich wundere mich doch manchmal, warum es mir so guttut und finde genau das irgendwie gefährlich. Nach fast nem Jahr der Beobachtung kann ich sagen, ich trinke um meine Wahrnehmung zu dämpfen.

Wenn ich etwas trinke, kann ich soziale Situationen plötzlich viel besser ertragen. Ich höre zwar immer noch alle Geräusche gleichzeitig und gleich laut nebeneinander, aber ich kann es einfach besser und länger ertragen, ohne gleich in eine Art Overload zu geraten. Ich kann all das was die Menschen an Emotionen, Gefühlen und inneren Konflikten ungefragt an mich aussenden einfach besser übergehen. Mich also irgendwie besser abgrenzen und es macht mir mein Leben deutlich einfacher. Ich kann ein paar Stunden einfach nur normal sein. Mit Menschen reden, ihnen nahe kommen, volle Diskotheken ertragen, lachen, reden und einfach nur Spaß haben. Soweit so gut. Das Problem an der Sache ist allerdings, daß ich dann aber auch nicht merke daß ich eigentlich schon viel zu voll mit all dem Wahrnehmungszeug bin und dann von alles ist gut und schön, direkt in den Overload falle. So komplett ohne Übergangsphase. Einfach zapp und aus. Als würde jemand den ON/OFF Schalter umlegen. Das kanns ja auch nicht sein. Zumal ich dann ja wieder ewig brauche, um auf Normalmaß zu kommen.

Aber es tut mir manchmal auch einfach nur gut, nicht so schrecklich übersensibel zu sein. Solange ich jemanden an meiner Seite habe wie meinen Mann, klappt das auch ganz gut ohne abschließenden Overload.  Der hat quasi Antennen für Dinge die mir nicht guttun und zieht mich schon ganz automatisch da weg, wo ich noch gar nicht merke daß da was doof ist.

Aber wie geht sowas eigentlich ohne Alkohol? Wie kann man all das dämpfen ohne diese fiesen Nebenwirkungen?

Mir fallen nur 2 Lösungen ein. So weitermachen und das Gute genießen während man das schlechte in Kauf nimmt oder mich all meinen Sensibilitäten hingeben und zu Hause bleiben.

Ich genieße es sooooo sehr, mit meinen Freunden ausgelassen sein zu können und das Leben einfach mal zu genießen und auf sich zukommen zu lassen. Ich bin supergerne unter Menschen. Ich habs auch schon oft ohne Alkohol probiert, aber es ist dann immer superschwer und der Abend endet meistens damit daß ich fluchtartig unter irgendwelchen Vorwänden abhaue oder mich im Minutentakt auf Klos verkrümele und dort mit zugehaltenen Ohren schaukelnd sitze. Das kanns ja auch nicht sein.

Vielleicht sollte ich einfach mehr mit meinesgleichen feiern gehen. Das hat mir ein paar mal auf Forentreffen und so schon echt gutgetan. Da gabs Spaß ohne Overload und ich wollte gar nicht mehr nach Hause gehen. Aber woher nehmen?

Die Sache mit den automatischen Klospülungen

Mein Kind ist irgendwie auch anders. Wir können auf kein öffentliches Klo mehr gehen. Nicht, weil sie generell nicht außerhalb von zu Hause könnte oder so. Aber es gibt auf jedem Klo, seie es noch so nett und angenehm, immer etwas das so laut oder verwirrend ist, daß es regelrechte Panikatacken auslöst. Mal ist es das Händetrockenpusteding, das zu laut ist, mal die sich automatisch desinfizierend drehende Klobrille, mal die automatische Spülung und manchmal ist einfach nur das Licht zu „laut“.

Ich kann all das ja wirklich nachvollziehen, daß das doof ist, aber wenn einem die Pipi schon förmlich aus den Augen rausquillt weil man so dringend muß, sind solche Schreiatacken und Durchdrehereien echt nicht toll. Sie schreit jedesmal als würde sie jemand abschlachten und es hilft kein auf den Arm nehmen, kein vormachen und erklären, kein konsequentes Wort. Danach geht auch kein Klo mehr außer das eigene. Selbst welche ohne all diese Dinge oder draußen sich erleichtern werden konsequent verweigert. Lieber hält sie noch 4h unter schlimmsten Schmerzen an, als sich das nochmal anzutun. Von all dem Geld was wir in öffentlichen Klos für jeweils immer 2 Personen bei 8h Reisezeit lassen, weil ich es doch immer mal wieder mit ihr versuche mal ganz zu schweigen.

Arme Maus!