Aufreger des Tages

Ich hasse Menschen die sich nicht um Regelverstöße scheren. Dabei bin ich gar nicht so ein Regelverstoßahndungsfreak wie manch andere Autisten, aber manchmal könnte ich Wände hochgehen.

Wir schreiben den 7.4.2016, ich möchte gerne meine Arbeitleistung meiner vollen abgearbeiteten Rezepte die über den 1.4.16 gehen vergütet sehen und mache also meine Abrechnung mit den Kassen. Es gibt zur Abrechnung meiner Krankenkassenrezepte feste Preislisten, die eine bestimmte Gültigkeitsdauer haben (wußtet ihr daß fast jede Kasse andere Preise für uns Therapeuten hat? Da gibts gute und schlechte auch bei den gesetzlichen Kassen)
Die Preisliste um die es geht ist nur gültig bis zum 31.03.2016 mit dem Zusatz daß ab 1.4. eine neue Preisliste gelten würde. Für jede Behandlung ab dem 1.4.2016 gelten diese alten Preise also nicht mehr, sondern die vermeintlich neuen etwas höheren Preise die noch festgelegt werden sollen. Also wenn es denn überhaupt neue Preise gäbe. Es gibt nämlich gar keine neuen Preise und schon gar keine Veröffentlichung dieser. Die Krankenkasse weiß davon nichts und auch sonst niemand.
Da steh ich nun ich armer Tor mit meinen Rezepten auf denen einige Behandlungen offiziell gar keiner Vergütungsliste entsprechen, weil ja nicht mehr gültig.
Ich habe also gestern erfolglos wild rumtelefoniert und eine Mail an meinen Verband geschickt, was das soll und ob sie was wüßten oder sich zumindest kümmern könnten. Denn genau dafür sind die eigentlich da.
Antwort: das wäre alles gar nicht so schlimm, die Preislisten würden schon irgendwann kommen. Ich solle doch meine Abrechnung einfach verschieben.
Die Praxis mit der ich zusammenarbeite findet das auch nicht weiter schlimm.
Aaaaaaaargh!!!
Nicht daß ich für meine Behandlungen monatelang nicht vergütet werde, obwohl ich meine Leistung schon lange in vollem Umfang erbracht habe, nun soll ich also noch weiter warten weil „das nicht so schlimm seie“ und andere trödeln?
Jeder Patient der keinen Tag rechtzeitig seine Zuzahlung zahlt bekommt Mahngebüren, aber bei den Kassen ist das ja was anderes. Da kann man ja warten, alles nicht so schlimm.
Für mich ist es sehr schlimm auf mein sauer verdientes Geld zu verzichten und ich finde es besonders schlimm daß es niemand schlimm zu finden scheint außer mir.

Das sind Verträge nicht von irgendeiner Privatperson, sondern von den gesetzlichen Krankenkassen und wenn neue Preise ab 1.4. im alten Vertrag vereinbart wurden, bestehe ich darauf auch allerspätestens am 1.4. davon zu erfahren, eher noch vorher.
Das geht nicht daß man da einfach nur ein bißchen noch warten solle auf irgendwann wird das schon.

Einen Besen fress!

Aber vielleicht stell ich mich ja auch nur besonders schlimm an

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Vom Baum der Erkenntnüsse

Ich beobachte mich ja nun schon länger mit anderen Augen und ich sehe von Tag zu Tag klarer wer ich bin und wie ich eigentlich so wirklich bin. Viel zuviele Jahre war ich jemand Falsches und ich habe es nichtmal selber gemerkt, weil man sich einfach irgendwann dran gewöhnt und nichts hinterfragt. Ich habe meine Stärken und Schwächen ganz anders eingeschätzt als ich es jetzt tue. Ich war ja auch wirklich jemand komplett anderes. Ich mochte andere Sachen, konnte andere Sachen, redete anders, handelte anders. Nun sehe ich plötzlich ganz viel neues und muß das erstmal neu einordnen. Das ist hochgradig spannend, aber auch nicht wirklich immer angenehm. Vor allem wenn man selber und alle um einen herum einen ganz anderen Funktionsstatus gewohnt sind.

Erkenntnis des Tages:

Ich schaffe wirklich nicht mehr als 4h klassische Arbeit am Tag, ohne meine letzten Energiereserven anzapfen zu müssen die mich in ein krasses Energieminus katapultieren. Mit 4h Arbeit meine ich Arbeit in der ich funktionieren muß, Menschenkontakt habe, Termine einhalten muß, professionell wirken muß, socialising, smalltalken, reden etc. Also alles was irgendwie Menschenkontakt dabei hat. In meinem Job als Therapeut ist das leider fast alles an Arbeitszeit, was diese Bedingungen erfüllt.

Natürlich arbeite ich als Selbständige deutlich mehr als 4h, aber die Arbeit ohne Menschen wird mir fast nie zuviel und saugt irgendwie keine Akkuleistung. Früher dachte ich immer daß ich Bürokram scheiße finde und die Arbeit mit menschen eher meines wären. Dabei ist es glaub ich irgendwie andersherum. Ich genieße den Papierkram und hasse oft die Arbeit mit Menschen drumrum. Patienten in 1:1 Situation gehen irgendwie ganz gut, aber Angehörige, Ärzte, Einrichtungspersonal etc. drumrum kann ich nicht gut. und ich freue mich über jeden meiner Patienten der alleine lebt oder kommt.

Ich hasse das sehr, daß ich so bin! Ich möchte nicht, daß ich nur so wenig schaffe. Ich will mehr können! Ich bin doch gut in meinem Job! Ich liebe meinen Job! Ich habe doch früher mehr geschafft…

Aber halt…STOP Frau Anders! Du warst früher auch deutlich kaputter, stockdepressiv, zum Teil suizidal…willst du das wiederhaben? Nö!

Es bleibt mir wohl nichts übrig das so anzunehmen, zu erkennen um dann damit zu arbeiten und mich irgendwie durchs Leben zu wurschteln. Also mirzuliebe den größtmöglichen Ideallevel am Tag zu fahren und die Ausflüge in ein „mehr als 4h“ möglichst einzudämmen oder gut zu planen.

Hmm…

Mein Beruf

Ich oute mich mal beruflich, denn ich habe bisher so viel geschafft und noch so viel vor. Allerdings frage ich mich, wohin mein beruflicher Weg denn nun wirklich gehen soll wenn ich mich innerlich grade so massiv zu verändern scheine.

Ich bin selbständige Ergotherapeutin, die sich auf den neurologischen Bereich spezialisiert hat (das ist mein Aspieartiges Spezialinteresse schlechthin, die Neurologie und das Gehirn und deren Manipulationsmöglichkeiten) und ausschließlich Hausbesuche tätigt. Arbeiten tue ich in meinem Beruf seit 13 Jahren. Am Freitag habe ich Jahrestag und bin dann schon 3 Jahre so richtig selbständig und „frei“ in meinem Beruf. Frei deshalb, weil mir nichts besseres hätte passieren können als die Selbständigkeit. Frei, weil ich mich niemandem mehr anpassen muß. Keiner der Termine für mich macht, über meine Struktur und Inhalt der Arbeit, meine Pausen oder was auch immer bestimmen will, ich kann Patienten annehmen oder ablehnen, ich kann einfach mal ein paar Tage frei planen, ich liebe die Übergangsphasen im Auto von einem Patienten zum nächsten, generell liebe ich Autofahren und je mehr ich nach meinen Facetten arbeite, plane und therapiere, desto besser fühle ich mich und desto besser geht es dann auch meinen Patienten. Geht es mir gut, bin ich auch gut in meinem Job. Ich mache inhaltlich einfach nur noch das, was ich am allerbesten kann und bin daher auch echt gut in meinen Spezialgebieten. Das ist langsam echt schon so krass, daß ich mich rein wegen der Wirtschaftlichkeit enorm einschränken muß, daß die Patienten nicht nach ner handvoll Behandlungen geheilt sind. Dennoch bin und bleibe ich ein Eigenbrötler, meine eigene Marke, ich gehe nicht immer konform mit dem was andere Therapeuten für richtig halten, nicht jeder kommt mir mir und meiner Art klar und oft kämpfe ich auch gegen eine medizinische Mafia und Reglementierungen daß es bald schon keinen Spaß mehr macht. Deshalb möchte ich irgendwann auch weg von der „Front“ und nur noch ab und zu mal ein paar Patienten behandeln. Ich habe unterdessen meinen Faible für die Dinge entdeckt, von denen ich immer dachte daß ich sie nicht gut kann und ungerne tue. Den Bürokram. Wie konnte ich das nur jemals doof finden? Wenn ich die freie Wahl hätte, würde ich nur noch Bürokram machen, Listen erstellen, Umsätze ausrechnen, Bilanzieren usw. Andere arbeiten, ich mache den Papierkram und bekomme dann genug Geld zum leben dafür.

Nun ist es so, daß ich in absehbarer Zeit meine eigene Praxis auf unserem Grundstück fertiggestellt haben werde. Ich werde quasi sesshaft. Und so sehr ich mir das immer gewünscht habe, umso mehr habe ich Angst davor. Angst vor der eigenen Courage. Angst, keine Hausbesuche mehr machen zu können oder mich mit Mitarbeiterkram zu stressen. Denn wenn ich weiter meine Hausbesuche pflege, müßte ich Menschen einstellen die die Arbeit in der Praxis erledigen. Ich will kein Chef sein, ich will mich nicht um andere scheren müssen. Ich möchte am liebsten die Füße hochlegen, den Laptop auf dem Schoß Bürokram machen und nebenher Geld mit meinem Beruf verdienen. Und ab und zu mal einen Patienten in meinem Spezialgebiet behandeln, wenn ich ihn mag.

Das wäre toll…

Klingt arrogant und egoistisch, oder? Egal, mir täte es gefallen.