Kita des Grauens

Unsere Kita hat wohl den Arsch offen. Die sind sowas von leistungsorientiert ohne aber selber auch nur die einfachsten Sachen zu leisten die ich wiederum für selbstverständlich erachte. Also mal ganz vorne zB. ein empathischer Umgang mit den Kindern. Unsere Tochter geht seit 4 Jahren in diese Kita. Wir hatten in der Zeit weder ein Elterngespräch, noch kann uns die Erzieherin überhaupt sagen wer eigentlich die Freunde unserer Tochter sind oder mit was sie gerne spielt. Auch verlassen die Kinder das Grundstück nie um zb. mal spazieren zu gehen oder so. Aber wichtig ist daß sie jeden Tag Hausaufgaben üben, Kontrollbögen ausfüllen was sie schon können und sportlich getrimmt werden auf Urkundenerreichung. Sowas ist nämlich wichtig!

Die Kleinen haben hier mindestens 3x in der Woche Sport. Also so richtig Sport mit vorgegebene Tänze tanzen, Geräteturnen, Mannschaftssportarten und so.

Natürlich immer mit 100 Kindern gleichzeitig in der Turnhalle die alle brüllen, wuseln und schreien, immer zu doofen Zeiten zB. nach dem Mittag oder statt Mittagsschlaf. Oft fallen dafür Mahlzeiten aus und alle Routinen werden ständig über den Haufen geworfen. Meine Kleine ist jedesmal total durch wenn Sport war und das sind die Tage die sie am meisten haßt. Ich verstehe gar nicht, wie andere Kinder dann noch 5 Kurse extra am Nachmittag wuppen. Jeden Tag werde ich aufs ärgste belatschert ob ich sie nicht vor dem Sport abholen könne weil das so fürchterlich seie. Schon Abends hat mein Kind vor dem kommenden Tag, weil wieder Sport ist. Manchmal machen die auch einfach 2x Sport an einem Tag hintereinander. Das ist nämlich total wichtig, weil Kinder sich ja bewegen müssen! Tja, wenn sie sonst keine Bewegung bekommen in der Kita, kein Wunder.

Nun bekam ich einen Zettel einer hochengagierten Erzieherin mit, es wird noch ein weitere Sporteinheit geben mit einem von ihr ins Leben gerufenen leistungsorientierten Trainingslager zum späteren Erwerb des Sportabzeichens zusätzlich. Wir sollen doch bitte alle Kinder in einen Schwimmkurs stecken weil die noch bis Ende April (!) spontan einen Schwimmnachweis für 100m schwimmen für das Abzeichen benötigen. Wer das nicht hat, bekommt generell schon mal keines, muß aber dennoch mittrainieren und die Prüfungen ablegen. Die sind ja lustig, powern mein Kind täglich so aus daß Abends nichts mehr geht außer schreien und kreischen, Schwimmkurse sind hier für 2 Jahre ausgebucht und selbst wenn nicht würde ich ihr das nie antun. Außerdem kann mein Kind kann auch ohne Kurs und Nachweise und Abzeichen schwimmen.

Hat eigentlich irgendjemand mal die Kinder oder Eltern gefragt ob wir das wollen?

Das ist eine Kita und kein Trainingslager!

Ich sag euch, ich bin sooooo froh daß das bald vorbei ist.

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Triggerthema Essenkontrolle

Ich lese immer wieder in diversen AntiABA Artikeln wie Kinder mittels Essenkontrolle gefügig gemacht werden sollen unter dem Deckmantel der Sorge. Das triggert ganz schön, sowohl als Mutter, als Autistin und als Opfer.

Ich kenne die Probleme die man mit Kindern hat, die nicht alles essen wollen und am allerwenigsten das was ich als besorgter Erziehungsberechtigter für angemessen halte. Auch wir haben die Regel daß alles was man noch nie probiert hat einmal in Mikromengen probiert werden soll, allerdings darf man es auch ausspucken wenns doof ist. Vieles schmeckt dann plötzlich doch. Diese Regel gilt übrigens für alle in der Familie und nicht nur für Kinder. Auch ich muss regelmäßig für mich total widerliche Sachen probieren zur Belustigung meines Kindes. Damit kommen wir gut klar. Dennoch ißt mein Kind weiterhin das was es meint zu essen und das ist idealerweise jeden Tag das selbe möglichst „geschmacksfreie“ Essen weil fast jedes Lebensmittel als zu scharf wahrgenommen wird. Und ob ihr es glaubt oder nicht, wer jetzt denken würde das Kind esse also den ganzen Tag Schokolade, Pudding, Nudeln oder Pfannkuchen irrt. Denn sowas gibt es in unserem Hause nicht mal und müßte sogar extra gekauft werden. Nicht weil wir so streng sind, sondern weil es wirklich keiner mag. Unser Kind ist in eine Familie hineingeboren in der jeden Tag Gemüse aller Art und andere gesunde Sachen für alle zum freien rummatschen und ausprobieren auf dem Tisch standen und Essen und naschen getrennt wurden und es hat sich in der Entwicklung jeder sein Spezialessen daraus gesucht. Also hätte es ja niemals etwas ungesundes werden können zum essen, oder?  Heute wählt das Kind rohes Gemüse ohne alles wenn ich Gemüse und Schoki auf den Tisch stelle. Nicht aus Angst, daß ich mecker, sondern weil es Gemüse einfach lieber mag.

Vielleicht haben wir auch nur Glück gehabt, vielleicht haben wir es schlau angestellt. Egal!  Vor allem aber läuft es hier essenstechnisch immer mit viel Spaß und absolut gewaltfrei.

Anders in meiner Entwicklung. Ich erinnere mich nicht mehr an vieles weil ich wirklich sehr sehr viel verdrängen mußte, aber ich erinnere mich deutlich an Essenskontrolle, an selbstgebaute Maulsperren aus Kochlöffeln und Menschen die mich als kleines Kind gewaltsam festhielten und Röhren mit Trichtern oben dran in denen mir Essen vor lauter angeblicher elterlicher Sorge mit Gewalt einverleibt wurde. Wenn ich mich richtig erinnere wurde das sogar noch mit 13 Jahren mit mir gemacht.

Heute kommt es mir vor wie ein übler Traum, weil ich gar nicht verstehen kann und will daß Eltern soetwas tun können. Das kann doch nicht real sein. Ich bin doch auch Elter und ich kapier das einfach nicht. Aber es ist passiert. Und jetzt kommts, es passierte nicht weil ernsthafte Mangelerscheinungen drohten, sondern weil ich fast nur Obst und Gemüse aß und man sorgenvoll meinte da müssen auch noch Fleisch, Nudeln und Nachspeisen ins Kind weil das ja sonst nicht gesund wäre.

Man gebe dummen Menschen Macht und Werkzeuge…

 

Ich möchte nicht, daß soetwas in irgendeiner Weise jemals einem anderen Kind angetan wird. Auch nicht in abgeschwächter Form und schon gar nicht unter dem Deckmantel von Therapie und Sorge!

 

 

Frau Anders übt das Leben leben

Das echte Leben fordert mich zur Zeit sehr und irgendwie ist das auch gut so. Ich versuche mich derzeit in einem etwas autistischerem und somit artgerechterem Lebensstil und ich bin seit dem schon erstaunlich lange frei von größeren Vorfällen und Shutdowns. Klar ist es nicht immer möglich autistisch gerecht zu leben. Vor allem nicht wenn man eine Firma, eine Familie, ein Haus, Tiere und einen Ehemann hat die einen alle auf ihre Art und Weise fordern. Ich will nicht auf den Luxus meines jetzigen Lebens verzichten und so ist ein gewisser Grad an Normalitätsschauspiel wohl weiter nötig. Da ich aber nie etwas anderes als das erzwungene Normalsein kannte, ist das schon okay für mich ein kleines bißchen im Außen normal zu spielen, wenn es mir irgendwie nutzt. Zu irgendwas muß das ja gut sein 35 Jahre lang mit Gewalt auf normal gedrillt worden zu sein. Ich weiß was von mir erwartet wird, ich weiß wie das geht dieses NT Ding, ich kann Dinge tun die ich eigentlich gar nicht kann, smalltalken, sozial passend sein, ich weiß wie ich ohne größere Probleme durchkomme…so what. Wenn ich dadurch einen Gewinn habe und meine Familie ernähren kann, mir mein autistisch angepaßtes Privatleben im kleinen Kreise leisten kann, warum denn nicht? Wäre ja schön blöd wenn ich dieses Potential nicht nutzen würde. Aber es gibt einen ganz wichtigen Unterschied zu früher:
Heute weiß ich ziemlich genau was es mich kostet!
Normalität und seie sie auch nur geschauspielert kostet mich unwahrscheinlich viel. Also total unbedeutsame Dinge die jeder einfach mal so macht wie zB. ein Gang über den Flur im Job, auf dem ich 3 Kollegen guten Morgen sagen muß, ein Telefonat um einen Termin auszumachen etc. kosten mich schon so extrem viel Energie und viel Lebenskraft daß man es kaum glauben mag. Sehr oft fehlt sie dann an anderer Stelle, an der ich dann kläglich versage und zusammenbreche. Früher hab ich das einfach unwissend in der Gegend verpulvert und habe mich gewundert warum ich im Alltag nicht klarkomme und warum es mir so verdammt schlecht geht. Heute überlege ich wirklich viel gewissenhafter ob ich es mir jetzt grade überhaupt leisten möchte oder nicht. Ich wäge sehr genau ab, wo ich normal sein muß und wo nicht. Wo Spleens und Seltsamkeiten durchaus okay sind und wo ich lieber normal wirken sollte um nicht anzuecken oder den Verlust mir wichtiger Dinge zu riskieren. Ich haushalte heute deutlich besser mit meinen Energien. Ich achte mehr darauf, wo ich meine Energien reinstecke, ich dosiere und plane Energiefresser sorgsamer. Ich halte gezielt Abstand von unnötigen sozialen Situationen in denen ich normal spielen müßte, von energieräubernden Menschen, ich mache nur eine größere Aktion am Tag und all so Kram. Ebenso verstärke ich alles was mir auch nur ein Fitzelchen mehr an Energie schenkt. Ich baue mir mehr Pausen ein, ich erlaube mir mehr im Internet zu surfen, öfter mal an Wände zu starren, mich Spezialinteressen hinzugeben, komisch zu sein, ich kommuniziere mehr schriftlich wo es nur geht, socialise wenn dann bevorzugt mit energiespendenen Menschen sorge ganz gezielt für ein mehr an Licht, Luft, Nahrung und Bewegung. Ich gestatte mir mit noch mehr Listen als bisher zu leben und Dinge wie essen/trinken/Licht/Luft/Bewegung durchaus mit Abhaklisten stupide über den Tag abzuarbeiten. Das wirkt erstmal etwas seltsam, aber winzige Energiefitzelchen sammeln macht Spaß. Es geht mir ganz gut damit. Ich schaffe es derzeit sogar eine kleinere Haushaltsliste zu erfüllen. Sowas hab ich noch nie vorher geschafft und ich bin ein kleines bißchen stolz darauf.
So schaffe ich es, immer soviel Energie parat zu habe in Overloads umdrehen zu können oder besser um mich sorgen zu können bevor es dramatisch schlimmer wird.
Tja und all diese Gratwanderungen erlauben es mir nun auch das erste Mal in meinem Leben ohne Reue und Angst vor Verlust von Job und Familie auch einfach mal autistisch zu sein. Nicht den ganzen Tag, aber für jemanden der es nie sein durfte sind schon ein paar Stunden ganz wundervoll und es gefällt mir sehr es endlich rauslassen zu können, zu dürfen!

Ich will nicht allzu dick auftragen. Es ist jetzt nicht einfach alles gut. All das reicht noch nicht, daß es mir wirklich rundum toll geht. Ich bin immer noch oft sehr verzweifelt, überfordert, ausgebrannt und tief traurig. Ich hasse meinen Körper, meine Einsamkeit, meine fehlenden Worte, ich fühle mich häßlich, doof und allseits störend und ungeliebt.
Baustellen gäbe es da sicher noch genügend. Aber ich komm wenigstens wieder mit mir und dem Leben klar und das ist schon sehr viel mehr als vorher. Ich glaube fest daran daß sich auch da noch was machen läßt, wenn ich nur geschickter und besser werde in dem was ich jetzt ja grade erst angefangen habe zu ändern.

Wir werden sehen…

Outing ist scheiße

Seit ich ein paar Menschen die mir sehr nahestehen von meiner Diagnose erzählt habe, sind exakt diese Menschen fast komplett aus meinem Leben verschwunden. Regelrecht geflohen sind sie. Sie verstecken sich und wollen alle nichts mehr mit mir zu tun haben. Keiner weiß anscheinend mehr mit mir umzugehen. Im besten Fall wird noch etwas rumgedruckst. Alle anderen antworten mir nichtmal mehr. Bin ja schließlich plötzlich total anders. Vorher galt ich als verrückt, bekloppt, unkonventionell, kreativ, chaotisch, spannend anders, alle liebten meine etwas „andere“ Art und tankten sich förmlich daran auf. Hach was war das toll mit so einem schrägen Vogel wie mir Zeit zu verbringen. Tja und heute? Heute wird das selbe Verhalten an mir als behindert gewertet.

Ich bin vom Menschen und Freund zum Behinderten geworden und ich hätte nie gedacht was das für einen gewaltigen Unterschied machen kann.

Ich rede hier nicht von irgendwelchen Menschen sondern den paar wenigen die ich wirklich als beste Freunde ansehe. Menschen die ich als total gute Menschen ansehe, neugierige und offene mit Interesse an Tiefgang, an mir, von nichts zu schocken, Menschen die sich förmlich danach verzehrt haben möglichst täglich Umgang mit mir zu haben. Die mich ständig um Rat baten, meine Meinung hören wollten. Gute Menschen! Auf einmal ist all das weg. Die Augenhöhe ist weg und es ist ein Gefälle entstanden in dem ich plötzlich ein Behinderter bin der ganz unten steht. Man würde mich jetzt sicher nichts mehr fragen.

Ich könnte mir in den Hintern beißen daß ich es ausgerechnet den wichtigsten Menschen in meinem Leben im Vertrauen erzählt habe und nicht den doofen. Nun sind die wichtigsten weg und die doofen bleiben.

Danke liebes Leben für diese Lektion!

Hätteste mir aber auch vorher mal stecken können daß das ne saublöde Idee ist. Aber ich hätte das wahrscheinlich gar nicht geglaubt…

 

 

 

 

Frau Anders kann auch mal was entscheiden

Jawollja, und ich habe es getan. Ich hab es nun richtig klar für mich und es fühlt sich richtig rundherum toll an. Ich tue mich ja immer sehr schwer damit, Dinge zu entscheiden wenn beide Optionen irgendwie attraktiv oder gleich doof sind. Das hat jetzt sehr sehr viel Denkzeit und eine Riesenportion Kraft gekostet. Ich habe mich lange Zeit sehr schwer damit getan, mich richtig zu entscheiden, aber ich freue mich über eine Entscheidung die nun klar und fest steht:

Ich werde mein Kind nicht nach Außen hin outen und mich selber auch nicht mehr, solange es nicht irgendwie relevant wäre oder jemand fragt.

Wir gehen lieber weiter als seltsame Freaks durchs Leben ohne Label um den Hals. Das ist nämlich gar nicht so doof wie immer alle sagen und wir praktizieren das schon viele, viele Jahre sehr erfolgreich. Es reicht ja, selber zu wissen wie man innen so tickt und worauf man besonders acht geben sollte. Man muß es nicht in die Welt hinaus brüllen wo jeder eine andere Idee zu dem Wort X ähm Autismus hat und mir dann vielleicht gar nicht mehr gerecht wird. Das geht auch ehrlich gesagt niemanden was an. Da erzähl ich bei Bedarf lieber von meinen Spezialmacken und lehre mein Kind die Welt da draußen trotz aller Hindernisse zu bewältigen. Ich traue zudem meinem Kind sehrwohl zu, daß es sein Leben auch ohne das große A auf der Stirn packen wird.

Ich sehe schon, wie einige nun aufspringen wie die Rumpelstilzchen und mit ja abers kommen, mit Anprangerungen, schlechten Müttern, fehlenden Hilfen, Chanvenverbauern, schlechten eigenen Erfahrungen, mit Inklusionshemmerthemen und was weiß ich nicht allem. Mir egal. Geht mir alle weg damit! Niemand kennt uns und unsere Familie, niemand weiß was wir zu leisten in der Lage sind. Das ist nämlich so unendlich viel mehr als jeder es auch nur aus meinen Zeilen ahnen kann.

Nehmt es einfach hin daß es uns allen mit dieser Entscheidung verdammt gut geht. Und das ist doch eigentlich das Wichtigste im Leben, oder?

So viel zum grübeln

Ich habe heute das erste Mal im Leben das Wort Autismus (der Eltern) öffentlich geschrieben im Bogen für die Schuleingangsuntersuchung. Das fühlt sich echt seltsam an. Ein bißchen wie eine 100%ige Garantie um zukünftig in blöde Schubladen gesteckt zu werden in denen mich nie vorher jemand sah. Auch jetzt glaubt es mir ja keiner, obwohl ich inzwischen deutlich autistischer wirke als noch vor einem Jahr. Ich bin mir auch noch nicht sicher ob des Datenschutzes über die Infos über meine Person und werde das alles nochmal genauer erfragen. Schließlich hängen davon ein paar Versicherungen wie zB. die Berufsunfähigkeit von ab. Ich denke allerdings, daß ausgerechnet die Schule davon wissen sollte und möchte gerne davon berichten daß wir bisher super klarkommen mit den Anforderungen des Alltags, ich mein Kind als Ergotherapeut quasi selber zu Hause „therapiere“ und auf die Welt vorbereite, es bisher niemand gemerkt hat und wir ihm nicht den Weg mit einem so krass fehlbewertetem Wort wie Autismus für seine Art zu denken verbauen wollen. Zudem hat unser Kind panische Angst vor Ärzten und wir haben daher noch keine Diagnostik angestrebt. Wozu auch? Ich finde dennoch daß sie es zumindest wissen sollten daß unser Kind autistisch ist, auch wenn es noch kein Arzt bemerkt hat und auch das U Heft absolut unaufällig ist. Oder ist das etwa nicht gut das so zu machen?! Ich bin total unschlüssig und nun fang ich schon wieder an zu grübeln ob das nicht richtig ist weil ich meinem Kind damit blöde Steine in den Weg lege oder ob es richtig ist weil ich ihm Chancen auf Unterstützung damit eröffne oder ob ich das vielleicht an der falschen Stelle kundtue und es woanders machen sollte.

rödelrödelrödel…

Dieses blöde Schulding mit all seinen Terminen und Verpflichtungen bringt mich grübeltechnisch noch um. Nun haben wir zB. gesagt bekommen daß ein Hortplatz nicht sicher ist (wir arbeiten beide Vollzeit und die Schule ist um 11 Uhr zuende), es keine Alternativen wie Tagesmütter gibt die frei sind und es steht nun doch noch ein eventueller spontaner Schulwechsel im Raum wo wir uns doch nun auch nach ewigem Gerödel eeeendlich für eine fest entschieden haben. Waaaah!

Seit andere Leute mitreden wollen/müssen über die Gestaltung des Leben des Kindes wird es nur noch komplizierter und komplizierter. Man ey!

Sozialerror

Da ist sie wieder diese soziale Unbeholfenheit, gepaart mit dem Wunsch alles richtig zu machen und nicht zu wissen was eigentlich richtig ist. Hier mal ein aktuelles, eher kleines und unwichtiges Beispiel aus meinem Alltag was aber gut verdeutlichen kann was mir immer und immer wieder passiert:

Ich nutze Facebook relativ selten, und so kam es daß ich bis heute eine Anfrage einer Nutzerin via PN erst heute sah. Die war irgendwie versteckt, weil wir nicht befreundet sind. Da suchte ein Mädel, die meinen Namen von der diagnostizierenden Psychologin hatte (hab das damals freigegeben für Interessierte)  aus meiner Umgebung Kontakt zu anderen Autisten. Zeitgleich hatte ich ein Mädel dort angeschrieben die mir supersympathisch vorkam. Ihren Namen bekam ich von jemanden der hier Kurse in der Gegend gab und meinte, hey ihr beide sucht beide Kontakt in eurer Gegend und ihr paßt echt prima. So kam es daß ich beide Mädels voller Freude ganz nett anschrieb und nun wie wild hibbelte ob ihrer Antwort und sauneugierig darauf war sie kennenzulernen und das einzige was passierte war, sie lasen es und nahmen beide fast zeitgleich kommentarlos meine Freundschaftsanfrage an. Mehr passierte nicht. Ich hab mir gedacht, hey…man hat ja nicht immer Zeit zum zurückschreiben. Wartest du einfach noch ein bißchen. Tja, ich warte immer noch und nun geht die Gedankenmühle an. Durch das akzeptieren der Freundschaftsanfrage können die ja schon mal was von mir lesen. Hat sie da vielleicht was schockiert daß sie lieber nicht antworten? Wissen sie nicht was sie schreiben sollen? Haben sie vielleicht nicht verstanden was ich will? Warten sie nun auf Reaktionen von mir? Werd ich zu nervig und aufdränglich wenn ich nochmal schreibe? Was sollte ich auch schreiben? Warum sagen die nix?… Ich hab keiiiiiiiine Ahnung. In meiner Denkweise wären sie jetzt dran mit schreiben, wo ich sie doch beide vorher voll nett anschrieb, bzw. der anderen antwortete daß ich zwar wegen nichtsehens zu spät antworte aber immer noch ganz doll Kontakt suche und ob sie noch Interesse hätte. Sie haben es beide gelesen und beide haben daraufhin stillschweigend meine Freundschaftsanfrage angenommen. Also wars ja nicht so doof was ich schrieb. Mich verwirrt es extremst daß sie nicht antworten. Fänden die mich nun doof, wäre das okay und logisch für mich nicht zu antworten. Finden sie mich erstmal sympathisch, was ja den Anschein macht dann antwortet man doch. Man kann doch keinen nett finden und dann so rein gar nicht antworten. Das geht doch nicht, das kapiere ich nicht und dann brennts in meinem Hirn vor lauter Grübeleien durch. Ich versteh das nicht und hab keine Ahnung was ich nun machen soll.

Jeder Außenstehende würde jetzt sagen, stell dich nicht so an. Wenns dich interessiert, schreib doch fix nochmal was.

Aber das geht nunmal nicht so einfach für mich. Würde das gehen, wäre ich wohl kein Autist. Ich versuchs mal zu erklären. Wenn mein System durchgebrannt ist und im LogikERROR steckt geht das nicht. Dann kann ich nicht logisch und planvoll handeln. Ich kann eigentlich gar nicht mehr handeln und auch nicht mehr denken, weil alle Denkvorgänge belegt sind. Wenn etwas das für mich ganz klar ist und nach meinem gedachten Schema F das ich anlege nicht funktioniert und auch sonst nach keinem mir bekannten anderen Schema, dann ist da irgendwo ein Fehler. Also springt die Fehlersuche in mir an. Es setzt eine Endlosschleife von immer und immerwieder rotierendem Denken mit dem Ziel ein Schema, eine Logik für eine zu entwickelnde Lösung zu finden ein. Meist bleibt es ohne Ergebnis und rotiert somit wieder von vorne los und somit weiter und weiter…das könnte eigentlich endlos gehen. Ich stell mir vor daß das vielleicht der Moment ist, in dem andere nur noch in der Ecke sitzen und vielleicht noch vor und zurückschaukeln. Ich mache sowas nicht, aber auch ich hocke starr und lasse rotieren. Dann stecke ich sozusagen im HirnERROR und bin erstmal komplett handlungsunfähig. Zumindest für sinnvolle Handlungen oder Gedanken bin ich nicht mehr verfügbar. Ich kann dann nicht mal schnell drüber nachdenken was es noch für klare Grunde gäbe, ich kann nicht kurz mal schreibend nachfragen. Ich kann nur noch im Kreis dieses eine Thema denken. Zum Glück hat mein Hirn einen Notmechanismus. Leider einen recht selbstzerstörerischen, aber alles ist besser als für immer und ewig so dazuhängen. Nach einer Weile hat der Kopf keine Lust mehr und es brennt in meinem Hirn durch das ewige erfolglose rotierende Denken was durch. Das stoppt die Schleife, aber es schädigt mich auch und klaut mir enorm viel Energie. Inwiefern es mir schadet, das kann ich nicht in Worte fassen. Es ist auf jeden Fall nicht gesund und macht viel kaputt. Das dauert dann eine ganze Zeit in der ich mich erstmal wieder regenerieren und davon erholen muß. Das sind dann je nach Tagesform und vorhandener Löffeldichte Stunden, Tage oder Wochen die vergehen müssen.

Und dann, aber nur dann kann ich wieder klar gradeaus denken und Wege sehen die es vorher anscheinend nicht gab und dann werde sie wohl mal anschreiben oder besser noch ihnen diesen Text hier zeigen.