Frau Anders übt das Leben leben

Das echte Leben fordert mich zur Zeit sehr und irgendwie ist das auch gut so. Ich versuche mich derzeit in einem etwas autistischerem und somit artgerechterem Lebensstil und ich bin seit dem schon erstaunlich lange frei von größeren Vorfällen und Shutdowns. Klar ist es nicht immer möglich autistisch gerecht zu leben. Vor allem nicht wenn man eine Firma, eine Familie, ein Haus, Tiere und einen Ehemann hat die einen alle auf ihre Art und Weise fordern. Ich will nicht auf den Luxus meines jetzigen Lebens verzichten und so ist ein gewisser Grad an Normalitätsschauspiel wohl weiter nötig. Da ich aber nie etwas anderes als das erzwungene Normalsein kannte, ist das schon okay für mich ein kleines bißchen im Außen normal zu spielen, wenn es mir irgendwie nutzt. Zu irgendwas muß das ja gut sein 35 Jahre lang mit Gewalt auf normal gedrillt worden zu sein. Ich weiß was von mir erwartet wird, ich weiß wie das geht dieses NT Ding, ich kann Dinge tun die ich eigentlich gar nicht kann, smalltalken, sozial passend sein, ich weiß wie ich ohne größere Probleme durchkomme…so what. Wenn ich dadurch einen Gewinn habe und meine Familie ernähren kann, mir mein autistisch angepaßtes Privatleben im kleinen Kreise leisten kann, warum denn nicht? Wäre ja schön blöd wenn ich dieses Potential nicht nutzen würde. Aber es gibt einen ganz wichtigen Unterschied zu früher:
Heute weiß ich ziemlich genau was es mich kostet!
Normalität und seie sie auch nur geschauspielert kostet mich unwahrscheinlich viel. Also total unbedeutsame Dinge die jeder einfach mal so macht wie zB. ein Gang über den Flur im Job, auf dem ich 3 Kollegen guten Morgen sagen muß, ein Telefonat um einen Termin auszumachen etc. kosten mich schon so extrem viel Energie und viel Lebenskraft daß man es kaum glauben mag. Sehr oft fehlt sie dann an anderer Stelle, an der ich dann kläglich versage und zusammenbreche. Früher hab ich das einfach unwissend in der Gegend verpulvert und habe mich gewundert warum ich im Alltag nicht klarkomme und warum es mir so verdammt schlecht geht. Heute überlege ich wirklich viel gewissenhafter ob ich es mir jetzt grade überhaupt leisten möchte oder nicht. Ich wäge sehr genau ab, wo ich normal sein muß und wo nicht. Wo Spleens und Seltsamkeiten durchaus okay sind und wo ich lieber normal wirken sollte um nicht anzuecken oder den Verlust mir wichtiger Dinge zu riskieren. Ich haushalte heute deutlich besser mit meinen Energien. Ich achte mehr darauf, wo ich meine Energien reinstecke, ich dosiere und plane Energiefresser sorgsamer. Ich halte gezielt Abstand von unnötigen sozialen Situationen in denen ich normal spielen müßte, von energieräubernden Menschen, ich mache nur eine größere Aktion am Tag und all so Kram. Ebenso verstärke ich alles was mir auch nur ein Fitzelchen mehr an Energie schenkt. Ich baue mir mehr Pausen ein, ich erlaube mir mehr im Internet zu surfen, öfter mal an Wände zu starren, mich Spezialinteressen hinzugeben, komisch zu sein, ich kommuniziere mehr schriftlich wo es nur geht, socialise wenn dann bevorzugt mit energiespendenen Menschen sorge ganz gezielt für ein mehr an Licht, Luft, Nahrung und Bewegung. Ich gestatte mir mit noch mehr Listen als bisher zu leben und Dinge wie essen/trinken/Licht/Luft/Bewegung durchaus mit Abhaklisten stupide über den Tag abzuarbeiten. Das wirkt erstmal etwas seltsam, aber winzige Energiefitzelchen sammeln macht Spaß. Es geht mir ganz gut damit. Ich schaffe es derzeit sogar eine kleinere Haushaltsliste zu erfüllen. Sowas hab ich noch nie vorher geschafft und ich bin ein kleines bißchen stolz darauf.
So schaffe ich es, immer soviel Energie parat zu habe in Overloads umdrehen zu können oder besser um mich sorgen zu können bevor es dramatisch schlimmer wird.
Tja und all diese Gratwanderungen erlauben es mir nun auch das erste Mal in meinem Leben ohne Reue und Angst vor Verlust von Job und Familie auch einfach mal autistisch zu sein. Nicht den ganzen Tag, aber für jemanden der es nie sein durfte sind schon ein paar Stunden ganz wundervoll und es gefällt mir sehr es endlich rauslassen zu können, zu dürfen!

Ich will nicht allzu dick auftragen. Es ist jetzt nicht einfach alles gut. All das reicht noch nicht, daß es mir wirklich rundum toll geht. Ich bin immer noch oft sehr verzweifelt, überfordert, ausgebrannt und tief traurig. Ich hasse meinen Körper, meine Einsamkeit, meine fehlenden Worte, ich fühle mich häßlich, doof und allseits störend und ungeliebt.
Baustellen gäbe es da sicher noch genügend. Aber ich komm wenigstens wieder mit mir und dem Leben klar und das ist schon sehr viel mehr als vorher. Ich glaube fest daran daß sich auch da noch was machen läßt, wenn ich nur geschickter und besser werde in dem was ich jetzt ja grade erst angefangen habe zu ändern.

Wir werden sehen…

Superkraft: unsichtbar sein

Ich glaube meine geheime Superkraft ist es, unsichtbar zu sein. Das ist doof und schön zugleich. Manchmal liebe ich es, weil mein Leben dadurch einfacher wird und mir vieles erspart wird. Oft ärgert es mich, weil es so viel Kraft kostet gegenan zu gehen aber so langsam gewöhne ich mich dran. Ein paar kleines Beispiele?

Ich bin in einer Facebookgruppe in der sich eine Tierhilfe hier im Dorf  grade neu formiert. Jeder einzelne Pups der von Mitgliedern dieser Gruppe gespendet wird, wird sofort großartig mit Bild und Text gefeiert und gelobhudelt. Ich habe vor ein paar Tagen sehr viele gute und wertvolle Sachen an die einfach verschenkt, hatte sogar noch ein tolles längeres intensives Gespräch mit den Initiatoren. Ratet mal, wer beim öffentlichen Lobhudeln schlicht vergessen wurde?

Ich war schon ewig nicht mehr in der Hundeschule. Vermißt hat uns noch keiner.

Im Kindergarten stehen wie jedes Jahr Elterngespräche an. Auch dieses Jahr sind alle Eltern, grade die der zukünftigen Schulkinder dran. Wir nicht! Wir sind seit 4 Jahren in dieser Kita. Ratet mal, zu wievielen Elterngespräche wir eingeladen wurden? Kein einziges! Eines haben wir uns mal ganz am Anfang erstritten, weil wir vergessen wurden. Danach hatten wir keine Lust mehr.

Hortplatzanmeldung: Wir haben uns wie alle anderen Eltern angemeldet. Sogar intensiver als alle anderen Eltern mit persönlich, schriftlich, telefonischer Erinnerung. Ratet mal, wer irgendwie von der Anmeldeliste verschwunden ist weil er sich angeblich nicht angemeldet hatte?

Ich habe in der Schule 2 Jahre Informatikunterricht geschwänzt, weil mir das zu doof war. Ich war also nach 1-2h nie wieder da und es hat keiner gemerkt, trotz Klassenbücher und Anwesenheitslisten. Sogar vom Zeugnis ist dieses Fach dann irgendwie verschwunden. Ich hab zum Glück nie Ärger bekommen.

Ich habe Geburtstag, ich kenn das Thema ja schon, daß ich immer vergessen werde, also erinnere ich jedes Jahr immer brav alle wöchentlich daran, damit das auch was wird. Dieses Jahr hab ich mal einen Versuch gestartet und nur 1x fest eingeladen und erinnert. Es kommt nun natürlich niemand. Nicht weil man nicht könne oder wolle, nein…man wird es schlicht und einfach vergessen haben.

Ich gehe einkaufen und werde an der Kasse einfach übersehen, obwohl ich direkt vor der Kassiererin stehe.

Bäcker bedienen immer zuerst die Leute hinter mir, als wäre ich schon dran gewesen

Wenn ich irgendwo neu hinkomme, redet oft keiner mit mir. Nicht weil die mich doof und unnahbar finden (was ja manchmal auch der Fall ist, aber dann sehen sie mich ja), sondern manchmal sieht mich einfach keiner. Ja, ich kann den Unterschied spüren ob die mich halt doof oder seltsam finden oder ob die mich einfach nicht wahrnehmen.

Kennt ihr so diese Blitzlichtdinger bei Selbsthilfegruppen wo jeder reihum kurz was sagen darf?  Meist beginnt man so neben mir daß ich als letzter dran wäre, um dann beim vorletzten Menschen, also dem vor mir theatralisch Schluß zu machen, bevor ich losquatschen kann. (Nein, ich bin nicht zu langsam, ich wurde einfach übersehen)

Natürlich werden dann auch alle verabschiedet außer ich.

Ich könnte stundenlang weiterschreiben, aber mir fällt tatsächlich grade kaum etwas ein, weil es durch die Masse des Auftretens schon so fürchterlich normal und unbedeutsam ist daß mir kaum etwas spezielles einfällt. Vielleicht mach ich hier mal nen neuen tag auf und berichte. Schon alleine um es auch mal für mich sichtbar zu machen. Es gibt wirklich schlimmeres als unsichtbar zu sein. Das erspart manchmal mir ne Menge doofer Sachen. Mir passiert sowas schließlich immer und ständig. Jeden Tag und egal in welcher Situation. Ich kann nicht sagen daß ich völlig unscheinbar wirke und vielleicht hochgradig verschüchtert und geduckt durchs Leben gehe. Klar bin ich vom Typ her eher ruhiger, manchmal etwas seltsam wirkend aber das sind andere auch und die werden doch auch alle gesehen. Manchmal stehe ich auch absolut aufrecht, fröhlich, voller Energie in knallroter Jacke vor Menschen und strahle sie an und bleibe dennoch unsichtbar. Mache ich mich aufwändig bemerkbar, dann ist es den anderen oft sehr peinlich.

All sowas ist seit ich lebe mein täglich Brot. Ich komm damit klar, kenn es ja auch nicht anders und nehm es nicht sonderlich persönlich. Schließlich ist es selten Absicht, aber manchmal wundere ich mich ja schon warum das so ist. Versetze ich die alle in eine Art seltsamen Trancezustand? Mache ich einfach zu wenig auf mich aufmerksam? (andere Menschen machen das doch auch nicht?!) Wirke ich vielleicht doch anders und unscheinbarer als ich denke? Bin ich durch meine Vergangenheit einfach zu gut darin? Sollte ich mit dieser Fähigkeit Zauberer werden? Kann ich das irgendwie anderweitig nutzen? Sollte ich bei wichtigen Dingen irgendwas irgendwie anders machen um Stress zu vermeiden? Fragen über Fragen. Ich kenne die Antworten nicht.

Ich genieße einfach jeden Menschen der mich dann doch mal „sehen“ kann. Es gibt sie diese Menschen in meinem Leben und solange sie existieren ist das alles nicht doof für mich. Es gibt für mich nichts schöneres auf dieser Welt sich sichtbar zu fühlen. Von diesen wenigen Menschen nur 1x kurz wirklich gesehen zu werden füllt 100x ärgern über all die doofen Unsichtbarkeiten definitiv auf.

Danke für die, die das hier sehen und lesen 😉

 

 

Wie kann ein Mensch das ertragen?

Ich bin seit 6 Tagen am Stück richtig doll krank, anders krank als ich es von mir so kenne und ich vermute daß es eine Art von Overloadreaktion ist. Ich habe seit all diesen Tagen durchgängig schmerzhaften Husten des Todes, mit übler Atemnot, akutem Schlafmangel denn ich schlafe keine Stunde ohne von Hustenanfällen wach zu werden und fast zu kotzen, ich habe am ganzen Körper an jeder Stelle die er so hat sehr starke Schmerzen, Fieber und dazu eine unwahrscheinliche Reizoffenheit. Ich bin sonst immer irgendwie anders krank und nie so lange so doll an so vielen Tagen hintereinander. Diesmal ist anscheinend mein Körper so richtig auf Schmollkurs mit mir, weil ich mir einfach unwahrscheinlich viel zumute seit Tagen. Shutdownfrei, Meltdownfrei und freiwillig wie gesagt.

Seit 11 Tagen mache ich ganz freiwillig jeden einzelnen Tag zu einem potentiellen Overload-Shutdown Tag mit größeren Aktionen. Normalerweise würde mich jeder einzelne Tag schon ins off schießen am Abend. aber ich halte irgendwie durch und manchmal frage ich mich warum und wie.  Ich würde sagen jede einzelne Tag, jede Begegnung war es absolut wert, aber nun kommt halt anscheinend die Endabrechnung. Ich schreib euch mal, was so die Tage passierte:

Tag 1:

Mein für ein paar Tage Twitterbesuch den ich noch nie persönlich traf an vom Flughafen abgeholt, sich gegenseitig beschnuppert, sich für supernett befunden, mit dem Auto ans Meer gefahren, viel gequatscht, viel gesehen, gekocht, gegessen, getrunken

Tag 2:

Sightseeing in Hamburg mit dem Besuch und dem teuersten Fischbrötchen von der Welt (also psychisch gesehen, absolut overloadschreiende Butze in der wir beide lange auf unser Brötchen warten mußten) Vorbereitungen für das morgige Twittertreffen bei uns. Immer noch nicht 1 Sekunde alleine gewesen. Das war supernett, aber für jemanden der ständig mal ne Pause von Menschen braucht echt anstrengend. Danach noch Kraftwerkkonzert obendrauf.

Tag 3:

Sightseeing mit Besuch in Stade und am Elbstrand, diverse Twitterer kamen Abends zu Besuch zum „Tweuer“. Ich habe den ganzen Tag nebenher noch Soljanka mit und ohne vegan gekocht, alles vorbereitet viel geplant und dann kam alles anders als vorgestellt. Wer mich kennt weiß wie sehr mich Planungsvorgänge unter Anwesenheit von Menschen auslaugen. Abends war komische Stimmung, keine Ahnung warum aber mein „Menschenrauschsinn“ hatte viel zu tun und mitzufühlen warum es jedem einzelnen grade nicht gefällt und so. Habe versucht theatralisch alle doofs von allen Seiten aufzufangen und abzumildern und mich glaub ich viel zu sehr verausgabt dabei und zum Kasper gemacht. Hab ich mir natüüüüüüürlich hinterher gleich wieder vorgeworfen.

Tag 4: Kopfwehtag, nochmal gemeinsames Sightseeing in Hamburg mit Hafencity und Speicherstadt, Essen gegangen, Besuch zum Flughafen gebracht, Chaos zu Hause beseitigt, ins Bett gefallen trotzdem vor lauter Krank kaum geschlafen.

Tag 5: durch die vielen geplanten freien Tage habe ich extrem viele Patienten vor- und nacharbeiten müssen. Unausgeschlafen und krank. Das war superanstrengend. Gleichzeitig Planung und Vorbereitung des morgigen Kindergeburtstages auf absolutem Overloadrandstatus (jaaaa, wieder Planungsirrsinn!!!) Kind abgeholt, Entdeckung der gehässig abgeschnittenen Haare der Tochter, krank mit Fieber und Sorgen vor den kommenden Tagen.

Tag 6:

Früh aufgestanden zur Vorbereitung, Kindergeburtstag mit vielen sehr lauten bockigen, streitenden, genervten unerzogenen Kindern, zuvielen Erwachsenen die ebenso belustigt werden wollten, zu allem ihren Senf dazu gaben, einer nur noch robotermäßig funktionierenden Frau Anders und natürlich „meiner Mutter“. Trotz krank hab ich mich wacker geschlagen, war aber Abends total im Arsch. Krank ja wie schon erwähnt sowieso. Quasi so nebenbei.

Tag 7:

Nochmal Kindergeburtstag mit den kleineren Kindern von Nachbarn und Freunden, weil mein Kind gebettelt hat nur mit den großen zu feiern am eigentlichen Geburtstag. Mir geht es richtig arg dreckig, aber okay. Feiern wir halt nochmal mit Kindern und Menschen. Ich mache gute Miene zu bösem Spiel. Dem Kind zuliebe.

Tag 8:

Ich muß noch ganz viele Patienten abarbeiten um morgen am Geburtstag des Gatten frei haben zu können. Ich bin immer noch sehr krank, aber wenn ich heute noch durchhalte hab ich 3 Tage am Stück zur Belohnung frei. Das motiviert mich sehr. Also ordentlich mit Grippemitteln gedopt und durch. Danach Einkaufen, Geburtstagsvorbereitungen für den Gatten und viele Sorgen, weil ich ja so krank bin und alle Planungen für den morgigen Tag dahin sind. (Wir wollten das Kind in die Kita stecken und schön zusammen in die Sauna zum entspannen). Ich möchte meinem Mann soooo gerne einen schönen Tag machen, scheitere aber heute schon am Kuchenbacken so schlecht geht es mir. Mach ich halt morgen sage ich mir. Abends irgendwie bis 12 Uhr wach geblieben um in Ruhe wenigstens kurz anzustoßen.

Tag 9:

Gattengeburtstagstag. Ich könnte nur noch heulen, weil ich einfach nix mehr hinbekomme und doch so gerne möchte. Ich hab den doch so unwahrscheinlich lieb und möchte ihm so gerne einen ebenso wundervollen Geburtstag machen wie der Tochter, aber ich KANN einfach nicht. Der Körper versagt, ist 0 belastbar, fiebert und keucht. Ich versaue den Kuchen, wir machen nichts statt schöner Sachen und ich mache mir unwahrscheinlich arge Vorwürfe daß ich im Bett liege und er an seinem Geburtstag sogar noch einkaufen und den eigenen Geburtstagskuchen fertig machen muß. Abends raffe ich mich mit letzter Kraft auf, mit ihm und seinen Eltern wenigstens essen zu gehen. Zum Glück saßen wir in einer ruhigen Ecke. Trotzdem keimt die Angst vor den kommenden Tagen auf, weil ich weiß was da noch sein wird und der Akku leer ist. Ich will nur noch im Bett liegen und schlafen. Mich verziehen, keine Menschen mehr sehen.

Tag 10:

Unsere lieben Freunde aus Berlin, extrem laut, polterig, absolut überfordertgenervt mit 2 unwahrscheinlich lauten dauerheulenden unerzogenen Kindern fallen ein um sich ein paar Tage bei uns einzuquartieren und die Bude zu zerstören. Super Ding in meinem jetzigen Zustand. Schade wenn man die Freunde nie wieder ohne Kinder zu sehen bekommt. Ich ertrage die wirklich nur noch ohne ihre Kinder. Wir erfahren daß sie nicht morgen wieder fahren, sondern bis Montag hier bleiben wollten. Abends kommen noch diverse Gäste (auch wieder zT. mit Kindern, aaaaaaargh!!!!) dazu um gemeinsam den Gattengeburtstag zu feiern. Während die ruhigen, netten, älteren Kinder irgendwann friedlich ins Bett gingen und auch sonst lieb und unkompliziert waren, wurden die Schreikinder künstlich wach gehalten und nervten die ganze Nacht weiter. Natürlich wurden auch Sachen komplett verschokoladet und vollgekotzt.  Ich weiß nicht wie ich das weiter ertragen soll. Dann noch wuselige überforderte randgenervte Erwachseneneltern die über nichts anderes reden als Kinderthemen wie Kacke und Windeln. Die Kinderlosen haben zum größten Teil leider abgesagt oder sind ohne Absage einfach nicht erschienen 😦  Dazu das „Dauerrauschen“ der einzigen anwesenden ebenso hochsensiblen Kinderhasser über deren Anwesenheit ich mich eigentlich sehr gefreut habe. Die konnten das Wirrwarr und das Dauergekreische wie ich nicht ertragen, dann wurden zugekackte Kinder genau neben ihren übersensiblen Nasen auf dem Sofa gewickelt. Ich will keinen Ton mehr hören, befürchte komplett durchzudrehen und greife zum Alkohol, weil der meine Sinne etwas zu betäuben vermag und will nur noch weg. Herr Wuff schlief leider demonstrativ und ließ sich zu keinem Spaziergang mehr verleiten. Und statt daß ich mal kurz abhauen kann, hauten spontan alle Nichteltern fluchtartig ab und verließen mich quasi. Also weiter mit den Muttis und Vatis. Ätz. Ich versuche nebenher tunnelblickartig zumindest die Stiefel mit Nikolaussachen für morgen zu füllen um ein Minimum der wirklich wichtigen Sachen des Tages noch zu leisten. Alles natürlich immer noch mit quälendem Husten, teilweise Fieber und so. Irgendwann war ich sogar im Bett und alle waren ruhig. Ein Wunder!

Tja, heute ist Tag 11. Ich habe schon einen lauten Vormittag voller lautem polterigen Menschengewusel hinter mir. Den Gatten habe ich grade mit dem Besuch weggeschickt zu einem Ausflug. Morgen…morgen reisen alle ab, ich muß arbeiten und sonst geht alles seinen Gang. Ich freu mich ja schon soooo sehr darauf. Und statt daß ich mich jetzt ins Bett haue zum Genesen (ich muß ja schließlich morgen wieder arbeiten und bei unserer derzeitigen Geldnot wäre das wirklich wichtig) muß ich einfach mal zur Selbstreflexion schreiben was eigentlich alles so war die Tage. Irgendwie ist das glaub ich auch heilsam dieses runterschreiben. Wie ich das so schreibe merke ich erst daß es wirklich so ist daß ich hier grade unmenschliches wuppe für einen arg angeschlagenen Autisten. Ich muß  denken über so Sachen wie warum diesmal der Körper statt des Inneren durchdreht, warum hat der Geist keine Notbremsen vorher gezogen, wie hab ich das abdrehen eigentlich genau abgestellt und aufgeschoben, was mag die kommenden Tage passieren mit mir, wie geht es eigentlich dem Gatten (wobei der deutlich mehr Pausen hatte) usw.

Keine Ahnung warum ich diesmal krank bin. Irgendwas mit selbst schuld scheint es zu sein. Naja, ich werde mich jetzt ganz doll um mich sorgen und dann wird das auch schon wieder.

Schaffe, schaffe, Häusle ähm Praxis baue…natürlich im Halbschlaf

Heute habe ich meinen freien Tag. Ich habe kaum geschlafen, weil das Tochterkind bereits ab 0:00 Uhr neben mir im Bett ob irgendwelcher Alpträume lag und ab da an enormst rumnervte. Einmal mußte sie aufs Klo und traute sich nicht alleine, dann wurde heute Nacht noch gesungen, gelacht, geklatscht, sich hin und hergeworfen, geschnattert, geschnarcht, ich wurde alle 5 Minuten gefragt ob sie fernsehen könne oder mir wurde erzählt wie sehr sie sich jetzt langweile, mir wurde festumklammert ins Ohr geschnufft, meine Bettdecke wurde geklaut, ich wurde zwischen Herrn Anders und dem Kind förmlich eingequetscht und ich hab die ganze Zeit nur gedacht: zum Glück hab ich wenig Probleme mit Berührungen. Aber ein bißchen Schlaf wäre schon ganz geil. Ich entwickel dann auch immer so leichte Agressionen weil Herr Anders bei all dem Theater völlig seelig und fest schlummert und nichts mitbekommt, während ich die ganze Nacht kein Auge zubekomme. Das ist doch echt unfair!

Naja, statt nun auszuschlafen hab ich mich entschieden mein Vormittagshoch zu nutzen um mit dem Mann mal wieder etwas in der Praxis zu tun und später nochmal etwas zu schlafen wenn der Akku richtig leer ist. Heute üben wir verputzen. Das wird sicher ein Spaß, denn ich habe ja superkonkrete Vorstellungen und wehe an einer Ecke paßt es dann nicht so wie ich es gerne hätte. Deshalb üben wir erstmal an Resteplatten und fangen erstmal im unwichtigsten Zimmer an.

Irgendwie tut mir das ja immer richtig gut dieses handwerkliche arbeiten, aber leider bleibt neben Job, Familie, Familienmanagement, denken, putzen, Systempflege und so nicht mehr viel Zeit übrig. Also auf gehts, statt hier am PC zu hocken. Aber man muß ja schließlich die berühmten, ach wir fahren nochmal schnell in den Baumarkt weil wieder etwas fehlt Phasen zum schreiben nutzen

immer in Action

Manchmal kann sogar ich noch über mich staunen was ich alles so lustiges kann und mache und irgendwie ist es immer schräg. Vieles merk ich ja oft nicht und ich gucke mir nur manchmal von oben herab zu. So kann man sich aber irgendwie auch immer wieder selber überraschen wie ich finde. Ich bin heute absolut auf Autopilot nach Hause gefahren. Witzigerweise kannte der sich wohl sogar in Hannover aus, denn das Navi hatte ich vergessen anzumachen und eigentlich hatte ich keinerlei Schimmer wo ich bin und wie ich wieder zurückkomme. Dann hab ich auf ner anderen Ebene gleichzeitig mir empfohlene neue Musik gehört die mich so mega bewegt hat daß ich nur am heulen war weil es so verdammt tief ging. Eine andere Ebene hat sich parallel mit anderen lustig und locker via Twitter und Whatsapp unterhalten, etwas anderes hat gegrübelt und Dinge sortiert und wieder etwas anderes hat Wolken geguckt und lustig bunt bemalt.

Irgendwann flieg ich damit auf beim Autofahren, aber irgendwie geht das auch alles ohne Schwierigkeiten. Schon irgendwie schräg…

Chaos im Außen, Struktur im Kopf

Wie habt ihrs eigentlich mit Regeln und Struktur? Für mich ist es wohl wichtiger als ich manchmal glaube, dennoch gelingt es mir einfach nicht mein Leben in eine gewisse Struktur zu drücken. Dabei denke ich in Strukturen und wünsche mir nichts mehr als etwas mehr klarere Abläufe, weil das für mich Kontrolle und Planbarkeit bedeutet. Ich dachte immer Autisten wären alle immer so voll strukturiert, mit sauberen Wohnungen, gut sortieren Bücherregalen und festen Tagesabläufen. Ich hingegen schaffe es aber nichtmal, meinen Alltag und unsere Wohnung vernünftig zu strukturieren. Was ihr sehr ist die Oberqueen des Chaos, jemand der alles stehen und liegenläßt, der ständig vergißt wo er etwas hingelegt hat, der zerstreut und faul wirkt. Dabei bin ich eigentlich der ordentlichste und strukturierteste Mensch den ich kenne. Im Inneren halt. Ich schaff es einfach nicht, das Außen passend zu gestalten und wenn es doch mal klappt, kippt der Zustand in kürzester Zeit wieder um. Der Berg der im Außen noch fehlt ist einfach zu groß, die Ablenkbarkeit und Konzentrationsprobleme tun ihr Übriges dazu und so sehne ich mich also nach Ordnung und Struktur und das Chaos um mich herum wächst und wächst. Ich fühle mich dem total hilflos ausgeliefert. Ich glaube manchmal daß genau das meine größte Behinderung ist. Es bei allem Bemühen einfach nicht zu schaffen, was in meinem Kopf so klar und einfach ist. Mich an meine eigenen Regeln zu halten, Abläufe immer gleich zu gestalten, Dingen einen festen Ort zu geben usw. So sortiere, ordne und plane ich immer und immer wieder. Also im Kopf. Keine Sekunde in meinem Leben geht ohne das Denken an Ablaufpläne, Listen, Strategien. Das klaut mir eine Menge Zeit, Energie und Gedanken für andere Sachen, die vielleicht wichtig wären. Ich hab keine Ahnung wie man es schaffen kann.

Schon verrückt, denn mein Aspergermann beherrscht genau das bis zum Endgrad der Perfektion und wenn es ihn nicht gäbe, würde hier rein gar nichts mehr laufen in Familie und Haushalt und ich würde wahrscheinlich überfordert schaukelnd und stockdepressiv in der Ecke hocken während meine Wohnung aussieht wie die eines Messies. Aber so gut wie das auch ist, jemanden zu haben der mich etwas leitet und führt, desto schlimmer ist es auch für mich zu sehen wie einfach es alles für ihn ist. Das kann MAN doch „einfach“ mal machen. warum kann ich das denn nicht? Er ist genau das Gegenteil von mir und für ihn ist das Thema Ordnung und Struktur das leichteste der Welt. Ich bekomme somit auch ständig indirekte Kritik, daß ich dieses oder jenes ja ruhig mal hätte tun können. Niemand sieht daß ich es einfach nicht KANN. Es ist nicht das mangelnde Mühegeben oder Faulheit. Ich KANN es einfach nicht! Und meine NT Sozialisierung tut ihr übriges daß bei jedem Fünkchen Kritik sofort der blöde Denkapparat angeht und ich ewig überlege was alles schlecht ist an mir, daß ich nicht geliebt bin und was weiß ich nicht noch alles.

Wie komm ich da nur wieder raus?

Zeitlos…

Derzeit tut sich wieder richtig was bei mir. Ich gebe mir Mühe mehr auf mich zu achten, weil ich gemerkt habe daß ich dann einfach besser funktioniere und mit dingen umgehen kann.

Ich hab meine Gesundheit einigermaßen im Griff und hab keine Blutzuckerspitzen mehr, ich habe mein Arbeitspensum auf ein angenehmes Maß heruntergeschraubt, ich stehe 1h vor dem Kind auf um noch etwas Zeit für mich zu haben, generell ist meine Zeitplanung etwas großzügiger und beinhaltet seit neuestem auch so richtig geplante Pausen, der gemeinsame Haushalt mit all seinen unterschiedlichen Regeln nimmt immer mehr Strukturen an, und ich mache viele Dinge jetzt mehr auf meine Art und Weise statt sie zu tun wie „man“ es so macht.

Was mir aber am allerbesten hilft, meine Superkräfte um in der Welt da draußen klarzukommen zu wahren ist Zeit für mich zu haben. Also so ganz alleine und ohne die Anwesenheit anderer. Genau dieser Fakt ist dabei ganz doll wichtig. Selbst wenn mein Mann in einem anderen Zimmer im Haus anwesend ist, klappt das nicht mit dem Kraft tanken. Aber bin ich alleine, genieße ich die Zeit. Zeit um stundenlang Listen zu machen, um Dinge zu recherchieren, Wissen anzuhäufen, im Internet zu surfen, zu twittern, um zu denken und zu schreiben und zu tun was mir grade gefällt und wie es mir grade gefällt.

Tja, da haben wir schon mein Problem. Ich habe keine Zeit und alles was irgendwie geht, nehme ich mir ja schon.

Ich hab einfach zuviele Jobs im Leben. Ich bin Ehefrau, Mutter, Erzieherin, Putzfrau, Selbständige, Steuerberater, Bauherr, Familien- und Finanzmanager, Soziallebenorganisator der Familie, Krankenschwester, Therapeutin, gute Freundin, Seelentröster und was weiß ich nicht noch alles. Ja, und das alles in 24h, 7 Tage die Woche. Ich weiß nicht, wieviele Jobs Sie in 24h schaffen aber Pausen sind da so nicht vorgesehen.

Einzig diese eine Stunde früher aufstehen als alle anderen ist meine ganz alleine (auch wenn ich da meist organisatorisches für die Familie erledige und Einkäufe/den Tag für alle plane) und abends wenn das Kind schläft und der Mann mal Nachtschicht hat. Das ist recht selten, aber dann mache ich die Nacht zum Tag und tue all die tollen Dinge die mir so verdammt gut tun. Leider ist der Preis der Schlafmangel, der all das Gute was diese Auszeiten bewirken gleich wieder zunichte macht.

Normalerweise brauche ich viel mehr Schlaf als ich eh schon bekomme, aber wenn die Freizeit erst um 21 Uhr anfängt und man morgens um 5 schon wieder aufstehen muß wirds kniffelig. Erholung versus Erholung. Was ist eigentlich wichtiger? Schlaf oder Alleinesein? Meist siegt das, was ich seltener habe, das Alleinesein. Leider ist der Erholungsfaktor mit dem Schlafmangel hintendran wieder gleich null.

Mir fehlt diese Zeit für mich soooo sehr. Genügend Zeit mit genügend Schlaf hintendran wäre perfekt. Was ist schon alle 2 Wochen mal 1h-2h alleine sein und anschließendem Schlafmangel?

Aber das kann doch nicht sein, daß ich so wenig Zeit für mich habe??? Und wie soll das erst werden wenn der Mann von der Schicht runter ist. (Wird bald geschehen) Dann bin ich ja nie mehr so richtig alleine.

Wie machen denn das andere?

zusammenbrechen, durchdrehen, depressiv werden, aufgeben man selber zu sein ist keine Option.

Ich überlege, ob ich dies Jahr mal einen Urlaub für mich ganz alleine einplane. also so ganz alleine 24/7 auf einem Hotelzimmer einschließen oder sowas in der Art. Bin ja nicht anspruchsvoll. Ein Laptop, WLAN, essen, trinken reicht…

Wenn ich so überlege, früher hab ich Urlaub genommen um 1 Woche lang bei geschlossenen Gardinen, mit Pizza und Bier Tag und Nacht durchzuzocken.