Gefangen in Gedankenspiralen

Es ist so schrecklich viel passiert in letzter Zeit und ich komme nichtmal zum schreiben, obwohl es mir so verdammt gut tut all meinen inneren Kram irgendwohin loszuwerden. Aber es ist einfach zuuu viel auf einmal im Moment. Mein Hirn kreist derzeit auf Hochtouren.  Jede Minute hab ich tausende neuer Gedanken, verknüpfe Zusammenhänge und fange an nicht mehr nur auf die anderen, sondern mehr auf mich zu „sehen“. Es tut mir irgendwie gut, aber es ist auch sehr schwer damit umzugehen. Ich habe ständig das Gefühl daß ich am liebsten jemanden hätte, der so halbwegs tickt wie ich um mit ihm darüber zu reden und Fragen zu stellen. Am liebsten möchte ich den ganzen Tag nur noch reden, reden, reden. Aber anstelle dessen schweige ich und fresse alles in mich hinein.

Wem soll ich denn erzählen was in mir vorgeht? Meinem Mann, der mit sich und seinem eigenen Asperger schon genug zu tun hat und der jedesmal vor Erschöpfung fast einschläft und kaum Konzentration zum folgen hat wenn ich mal von Gedanken, inneren Welten und Emotionen die in mir passieren rede?

Meinem ebenfalls hochsensiblen aspergerartigen Freund, der sich zwar sehrwohl gerne redend austauscht, aber den ganzen Tag auf seine eigene Reflektion aus ist und nicht einen Deut an andere bzw. mich denken kann?

Meiner eigentlich echt lieben Borderlinefreundin die es sich unfreiwillig zum Hobby gemacht hat, ein Mal im Monat all ihren Welt- und Selbsthass auf mich zu projezieren und mich in jedem Punkt angreift, in dem ich mich angreifbar mache?

Fachleuten in deren Schemen ich mit keiner Ausprägung meines Andersseins zu passen scheine?

Mehr vertraute Menschen habe ich nicht um mich herum. Also rede ich einfach weiter innerlich mit mir selber. Ich lese viel, ich beobachte und ich versuche zu verstehen was mit mir los ist. Bin ich etwa auch selber Asperger, bin ichs nicht und wenn nicht, was bin ich denn dann? Das sind die ewigen Fragen.

Ich würde ja zur Diagnostik gehen, wenn ich nicht beruflich eh damit zu tun hätte und sowieso schon weiß was da wie und zu welchen Zweck gefragt wird. Ich passe nicht in die Lehrbücher und Testergebnisse und ich bin irgendwie befangen, weil ich ja weiß was sie hören wollen. Aber je mehr ich von Aspergerfrauen in ihren Blogs lese, desto mehr habe ich das Gefühl genauso zu sein. Genauso, mit einer Prise Andersartigkeit halt. Einiges was vielen so sehr schwer fällt und wovon alle reden daß es ja so sehr typisch seie, gelingt mir offensichtlich ohne Probleme. Alles andere haut mich jeden Tag allerdings genauso aus der Bahn wie sie und die Schnittmengen sind schon sehr erheblich daß es eigentlich ein Wunder wäre, wenn man mich mit dem Wissen darum nichtbetroffen nennen würde. Das ist schon echt krass, wenn man sich mal aus diesem Winkel betrachtet. Ich hätte das immer weit von mir geschoben und nun sehe ich plötzlich daß mein Bild von mir anscheinend immer ein falsches war. Ich würde zu gerne mal Frauen mit Asperger kennenlernen. Männer mit Asperger kenne ich ja genug, und sie scheinen wirklich nochmal ganz anders zu sein als Aspergerfrauen.

Da ich so schrecklich gerne Listen führe, werde ich wohl mal für mich auflisten was dafür und dagegen spricht.

Irgendetwas muß man ja tun…