Triggerthema Essenkontrolle

Ich lese immer wieder in diversen AntiABA Artikeln wie Kinder mittels Essenkontrolle gefügig gemacht werden sollen unter dem Deckmantel der Sorge. Das triggert ganz schön, sowohl als Mutter, als Autistin und als Opfer.

Ich kenne die Probleme die man mit Kindern hat, die nicht alles essen wollen und am allerwenigsten das was ich als besorgter Erziehungsberechtigter für angemessen halte. Auch wir haben die Regel daß alles was man noch nie probiert hat einmal in Mikromengen probiert werden soll, allerdings darf man es auch ausspucken wenns doof ist. Vieles schmeckt dann plötzlich doch. Diese Regel gilt übrigens für alle in der Familie und nicht nur für Kinder. Auch ich muss regelmäßig für mich total widerliche Sachen probieren zur Belustigung meines Kindes. Damit kommen wir gut klar. Dennoch ißt mein Kind weiterhin das was es meint zu essen und das ist idealerweise jeden Tag das selbe möglichst „geschmacksfreie“ Essen weil fast jedes Lebensmittel als zu scharf wahrgenommen wird. Und ob ihr es glaubt oder nicht, wer jetzt denken würde das Kind esse also den ganzen Tag Schokolade, Pudding, Nudeln oder Pfannkuchen irrt. Denn sowas gibt es in unserem Hause nicht mal und müßte sogar extra gekauft werden. Nicht weil wir so streng sind, sondern weil es wirklich keiner mag. Unser Kind ist in eine Familie hineingeboren in der jeden Tag Gemüse aller Art und andere gesunde Sachen für alle zum freien rummatschen und ausprobieren auf dem Tisch standen und Essen und naschen getrennt wurden und es hat sich in der Entwicklung jeder sein Spezialessen daraus gesucht. Also hätte es ja niemals etwas ungesundes werden können zum essen, oder?  Heute wählt das Kind rohes Gemüse ohne alles wenn ich Gemüse und Schoki auf den Tisch stelle. Nicht aus Angst, daß ich mecker, sondern weil es Gemüse einfach lieber mag.

Vielleicht haben wir auch nur Glück gehabt, vielleicht haben wir es schlau angestellt. Egal!  Vor allem aber läuft es hier essenstechnisch immer mit viel Spaß und absolut gewaltfrei.

Anders in meiner Entwicklung. Ich erinnere mich nicht mehr an vieles weil ich wirklich sehr sehr viel verdrängen mußte, aber ich erinnere mich deutlich an Essenskontrolle, an selbstgebaute Maulsperren aus Kochlöffeln und Menschen die mich als kleines Kind gewaltsam festhielten und Röhren mit Trichtern oben dran in denen mir Essen vor lauter angeblicher elterlicher Sorge mit Gewalt einverleibt wurde. Wenn ich mich richtig erinnere wurde das sogar noch mit 13 Jahren mit mir gemacht.

Heute kommt es mir vor wie ein übler Traum, weil ich gar nicht verstehen kann und will daß Eltern soetwas tun können. Das kann doch nicht real sein. Ich bin doch auch Elter und ich kapier das einfach nicht. Aber es ist passiert. Und jetzt kommts, es passierte nicht weil ernsthafte Mangelerscheinungen drohten, sondern weil ich fast nur Obst und Gemüse aß und man sorgenvoll meinte da müssen auch noch Fleisch, Nudeln und Nachspeisen ins Kind weil das ja sonst nicht gesund wäre.

Man gebe dummen Menschen Macht und Werkzeuge…

 

Ich möchte nicht, daß soetwas in irgendeiner Weise jemals einem anderen Kind angetan wird. Auch nicht in abgeschwächter Form und schon gar nicht unter dem Deckmantel von Therapie und Sorge!

 

 

umkipp…Familie

Ich kann nicht mehr. Just wo ich grade massivst meine verkackte Kindheit aufarbeite ploppt sowas in mein Leben. Ich hab noch nicht viel darüber geschrieben wo ich eigentlich herkomme. Ich bin noch nicht so weit das öffentlich zu machen. Ich lebe schon relativ frei von ihnen aber ich werde aktuell schon wieder in ihre üblen Spielchen mit reingezogen und stecke wieder in einer Situation in der alles was ich tue falsch sein wird.

Heute bekam ich ein Fax von meinem Vater. Ich muß dazu sagen daß mein Vater in den Fängen meiner böshaften Mutter geblieben ist, früher noch wenigstens geistig an meiner Seite stand und heute die Seiten gewechselt hat und vor lauter Verzweiflung sein Hirn wegsäuft. Vielleicht hat er sich aufgeopfert für mich, um mir die Flucht zu ermöglichen, vielleicht ist er auch einfach nur kaputt und feige. So oder so, ich bin wen aber mein Vater steht mir immer noch sehr nahe. Wir sind uns extremst ähnlich und ich kann es nicht ertragen ihn zu sehen. Zu sehen daß er nichts tut und was er alles mit sich machen läßt. Alles hat sie ihm genommen, selbst die Zigaretten und sein Essen werden ihm zugeteilt je nachdem ob er brav war oder nicht. Er hat nichts mehr und wenn er etwas bekommt wird es ihm sowieso wieder weggenommen. Er steht so massiv unter Kontrolle und ist geistig so sehr kaputt daß er es eh nie schaffen wird, etwas das ihm gut tut vor ihr zu verheimlichen.

Ich dachte heute früh noch darüber nach wie ich das mit den Weihnachtsgeschenken mache. Meine Mutter wünschte sich einen ikea Gutschein, denn auch mein Vater wolle den angeblich totaaaaal gerne haben (jaja, klar!) um weiter irgendwas in ihrer Küche installieren zu können. er hätte ja immer Langeweile wenn er nichts zu tun hätte. Ich habe eben noch überlegt was eigentlich mein Vater bekommt und justkam eine Art Hilferuf von ihm der mich zu Boden schmettert. Ich erblicke seine Verzweiflung, ich sehe aber auch was passiert wenn ich es tue oder eben nicht und egal was ich nun mache, es wird falsch sein. Ich möchte es liebend gerne tun, nichts läge mir näher als ausgerechnet ihm so eine große Freunde zu machen. Ich würde ihm 1000 Rechner schenken, wenn es ihn glücklich macht. Aber ich weiß, daß ich damit eigentlich meiner blöden Mutter einen Rechner in die Finger spiele, den sie ihm theatralisch vor lauter Zuschauern wegnehmen wird und der dann ihr gehört. Oder sie wird ihn zerstören, wegwerfen, einschließen. Mein Vater ist leider echt zu hirnbefreit inzwischen um irgendwas schlaues zu tun. Ich vergrößere damit den Schmerz meines Vaters. Schenke ich ihm das Ding nicht, schmerzt es ihm und mir auch.  Ich würd sagen, vom Schicksal gefickt!

Aber lest selbst. Es kam eben ein Fax, mit einem Ausdruck von ebay für einen 300€ Laptop mit dem Text

„Hallo…!

Ich habe einen Deal von dem deine Mutter nichts wissen muß (darf). Du kaufst mir diesen Rechner und schenkst ihn mir (nur mir!) und schenkst ihn mir zu Weihnachten. Ich bringe 300€ mit wenn wir zu Weihnachten bei dir sind. Ich möchte auch mal etwas haben was nur meins ist. Gruß Papa“

Was mache ich bloß?

Ich möchte ihn eigentlich kaufen…

Sie hat es schon wieder getan- übergriffige Mutter

Ich dachte, ich hätte darüber schon mal geschrieben, aber ich finde gar nichts zum verlinken. Wahrscheinlich alles privat.

Meine Mutter…mir fehlen die Worte um sie zu beschreiben. Sie ist einfach krank und böse. Alles was sie wirklich gut beschreibt, alles böse was sie mir tagein tagaus bewußt antut hab ich hier noch gar nicht öffentlich niedergeschrieben. Einzig diese beiden eher seichten Beiträge schrieb ich hier mal über sie. Viel zu viel Luschikram um sie wirklich gut zu beschreiben, aber lest selber.

https://andersfamilie.wordpress.com/2015/01/27/ubergriffige-mutter/

https://andersfamilie.wordpress.com/2014/10/09/50/

Diese meine Mutter hat vor ca. nem Jahr meinem Kind ohne mich zu fragen die Haare abgeschnitten. Sie ist schließlich der Frisör und hat ja voll Ahnung usw. Sowas hat sie solange ich denken kann schon mit allen Kindern veranstaltet die bei uns ein oder ausgingen. Wenn die Eltern gesagt haben nur Spitzen schneiden und nicht dabei waren, hat sie immer Heimlichkeiten mit dem Kind gemacht und ihm ne neue Frisur verpaßt die sie ihm vorher fleißig eingeredet hat. Die wurde dann hinterher mit Spangen vertuscht. Hinterher war sie es dann nie gewesen, alle irrten immer nur wenn sie dachten da wäre zuviel ab. Das wäre sicher nur der Wirbel der jetzt anders fällt und was sie da immer alles noch rumgelogen hat. Damals vor 1 Jahr war mein Kind dran als es mal bei OmaOpa schlief. Das gab ein riesen Drama. Einerseits mein heulendes Kind aufzufangen, daß sich selber massivst vorwarf vor lauter Hilflosigkeit ja gesagt zu haben zu etwas das sie gar nicht wollte und andererseits meine unbändige Wut auf diese Frau, die Stein und Bein hinterher behauptete sie hätte nichts abgeschnitten und mir dann sogar noch die Worte im Mund umdrehte. Hinterher stand ich als die Böse da. Haare einfach so abschneiden wäre ja Körperverletzung und wie könne ich ihr sowas bloß vorwerfen. Das eigene Kind wirft ihr sowas vor. Das war so schlimm daß der Gatte und ich nach langem Gegrübel über Kontaktabbruch beschlossen daß unser nie wieder alleine dort hinfahren wird. Denn das ist für mich Körperverletzung. Tja, hätten wir uns mal dran gehalten mit dem nie alleine dahin. Irgendwie schaffen sie es immer wieder dann doch alleine an das Kind zu kommen und unsere internen Absprachen auszuhebeln. Wir haben nämlich keinerlei Babysitter und brauchen diese Pausen so dringend, wir hassen es dort zu sein und andererseits hat unser Kind oft große Sehnsucht nach den Großeltern und wünscht sich sehr, mal dort zu übernachten.

So auch diesmal. Da war sie wieder diese Situation. Das Tochterkind wollte uuuuuunbedingt mit den Großeltern auf den Weihnachtsmarkt, nachdem es von Oma mit unzähligen Weihnachtsmarktfotos richtiggehend gelockt wurde. Wir hatten am Wochenende Besuch, erwarteten viele kinderlose Gäste und es war eigentlich total praktisch wenn sie nicht doof danebensteht. Außerdem hat sie direkt danach Geburtstag und das wäre wirklich toll zum vorbereiten. Außerdem lief es doch in letzter Zeit immer so gut und friedlich…Tja, wieder in die Falle getappt. Kind zu OmaOpa gebracht. Ein schönes Wochenende gehabt.

Kind mit „abbe Haare“ wieder abgeholt. SCHOCK!!!

Die tollen langen Haare die nach der Aktion vor einem Jahr nun endlich wieder lang waren und halbwegs passten. Die Haare mit denen wir eine tolle Eisköniginfrisur zum Kindergeburtstag vorhatten. Haare die endlich wieder so lang waren daß der vom Kind verhaßte superdünne Flechtzopf endlich wieder dicker wurde, Haare die endlich nicht mehr im Gesicht hingen und mit 1000 gehaßten Spangen gehalten werden müssen. Diese Haare sind nun massiv kürzer und mit fetten Stufen und Pony drin. Das hab ich leider erst später gemerkt, weil der Vater sie abholte und natürlich wieder alles schön mit Spangen kaschiert wurde. Sonst hätt ich vor Ort direkt was gesagt. Das Kind sagt, Oma hätte gesagt die Haare wären ganz doll kaputt und die würden alle anderen Haare anstecken wenn sie die nicht sofort abschneidet. Schließlich kenne sie sich ja aus als Frisör und was weiß ich nicht mit welchen Horrorszenarien sie noch gedroht haben mag. Kind behauptet es hätte gesagt, Oma solle erst die Mama fragen aber irgendwie hat sie sich dann breitschlagen lassen. Hier zu Hause heult sie nun die ganze Zeit und ich weiß ganz genau warum sie heult. Es sind nicht nur die Haare. Das war wie eine Vergewaltigung bei der das Opfer nicht weiß daß es eines ist und hinterher selber schuld ist, weil es schließlich ja gesagt hat. Ich kenne das Gefühl als Tochter dieser Person zu gut. Ich habe täglich solche Dinge über mich ergehen lassen müssen. Ich bin nun wo es mein Kind betrifft schwerst getriggert und so wütend daß ich im gegensatz zum Gatten bei dem Thema komplett durchdrehe und nun total ausgelaugt und hilflos bin. Selbst mein Körper streikt seit dem auf einmal und hat beschlossen krank zu werden.

Gestern habe ich es gesehen, heute hat meine Tochter Geburtstag, den schönsten Tag ihres Lebens  und gleich kommt meine Mutter als Gast. Sie wird das Kind vor allen anderen theatralisch mit Geschenken überhäufen die natürlich mehr sein werden als von allen anderen Familienmitgliedern und ich habe das Gefühl nur noch zusehen zu können und nur noch schwarz oder weiß reagieren zu können. Wie gespiegelt, denn eigentlich ist es meine Mutter die nur die beiden Variianten kann, nicht ich.  Mittelwege kann ich aber in ihrer Anwesenheit nicht, obwohl ich sonst ein Profi der Reaktionsvariationen bin. Ich kann es schon gar nicht heute, wo ich eh vom Socialisingwochenende ohne Ruhe danach, Vorbereitungsstreß und beginnendem Kranksein sehr angeschlagen bin. Ich kann heute nun alles herunterschlucken, mir schaden und so tun als wäre nichts um nen Tag später ein Faß aufzumachen was dann ja viel zu spät ist und nicht zieht oder ich kann total durchdrehen und meinem Kind schaden und ihm den Tag versauen und doch nichts damit erreichen außer dem schwarzen Peter vor versammelter Mannschaft. Halb durchdrehen, oder ernsthafte Gespräche kann ich nicht. Nicht mit DER! Nicht heute!

Es gibt heute einfach kein richtig und kein falsch und ich tendiere zum Klappe halten, Konsequenzen ziehen, sich endlich mal dran halten.

Wahrscheinlich werde ich mir genau das dann vorwerfen. Ich wäre gerne die Mutter die wie ein Tier kämpft für Recht und Gerechtigkeit. Das mache ich auch ganz oft, aber dieser eine Mensch der mich geboren hat, bei dem geht das nicht. Da bin ich durch pure Gegenwart Kleinkind und wehrlos und auch wenn ich es klar sehen kann was da passiert, bin ich doch hilflos. Mach doch einfach mal geht da halt nicht und Kontaktabbruch kann ich (noch) nicht.

Es ist in meinen Augen definitiv falsch auf ihren Kriegsschauplatz zu ziehen, denn genau das will sie ja. Da ist sie der Held der alles niedermetzelt und ich habe nie gegen sie kämpfen gelernt. Duckmäuser spielen ist aber genauso falsch. Neutral, ruhig, abgeklärt wäre wahrscheinlich toll aber das kann ich nicht. Nicht bei meinen kleinen privaten Triggerthemen.

Ich hasse mich dafür! Ich habe schon soooo viel geschafft und ich will endlich dieses letzte kleine Stückchen Ablösung vom Elternhaus bewältigen können.

Drübergebautes

Mein Leben lang habe ich Dinge um mein Ich gebaut um irgendwie in dieser für mich unpassenden Welt zu bestehen. Je länger ich darüber nachdenke was das alles so ist, desto weniger fällt mir noch irgendetwas ein was wirklich MEINES sein könnte. Ich welchselte ja die Spezialinteressen so wie andere die Unterhosen. Hier hab ich schon mal darüber geschrieben was das alles so war. Ich war immer mit großer Leidenschaft dabei. Dennoch wurden sie oft von anderen iniziiert.
Was kann ich denn was ich immer dachte was ICH gut kann oder bin?

Pferde…genau, Tiere und Pferde sind garantiert MEINES. Pferde, meine allerallergrößte Leidenschaft als kleines Mädchen. Meines? Nein, denn wenn ich ehrlich bin hab ich damals damit angefangen weil ein anderes Mädchen Pferde hatte und ich dazugehören wollte.

Sprachen…kann ich ganz viele und einige auch richtig gut. Sprachen lernen macht mir viel Spaß, aber ist das etwas wozu ich MEINES sagen kann? Nein. Ich habe zB. Spanisch gelernt weil ein Junge den ich bewunderte Spanisch lernte und weil die Spanischlehrerin so herrlich „anders“ war, weil so Typ Heavy Metal Fan in Bandshirts.
Englisch kann ich nur so gut, weil ich ein Anhängsel einer Clique war, die es schick fand den ganzen Tag englisch zu sprechen. Da tut man natürlich alles um dazuzugehören und so war es eigentlich mit allen anderen Sprachen auch.

Medizin…Das muß es sein! Ich liebe das Thema seit ich denken kann, aber meins? Wieder nein. Das war das was von mir als Eliteprofessorennachwuchs quasi von klein auf an erwartet wurde.

Musik...Musik ist mein treuer Wegbegleiter. Ich höre alles was der Normdurchschnitt nicht hört. Dafür alles kreuz und quer. Dennoch habe ich mich früher nur an musikalischen Randgruppen orientiert weil ich sonst nirgendwo Platz fand. Von Punk, Blackmetal über Gothic, Ska, Folk etc war eigentlich alles dabei. Hörst du die richtige Musik, reden auch die coolen Menschen mit dir. Da gabs genug schräge Vögel wie mich, da fühlte ich mich wohl. Aber ich war eigentlich nur da unterwegs, weil alles andere einfach noch schlimmer war. Ist das etwas was wirklich von mir kommt oder ist es nur Gewohnheit und Zugehörigkeit daß ich gewisse Musik mag? Ich hab da große Zweifel.

Kunst…Ich bin total künstlerisch begabt und kreativ. Zeichnen, Architektur, Dinge erschaffen liebe ich. Aber wieder nicht meines und wirklich begabt bin ich ehrlich gesagt auch nicht! Weil alle um mich herum so unwahrscheinlich unbegabt waren, fanden es natürlich alle immer mega wenn ich nur ne dusselige Blume aufs Papier malen konnte oder aus 3 Kugeln einen Schneemann formen konnte. Sie ließen mich von klein auf an fühlen als wäre ich DER Künstler der Familie. Die Rolle gefiel mir, weil ich mal wer war. Also nahm ich sie ein. Ich malte, zeichnete wie ne blöde, Kunst Leistungskurs…ich wollte sogar Kunst studieren. Heute weiß ich daß ich nicht wirklich so gut bin wie ich dachte. Ich bin durchschnittlich begabt und hab vielleicht viel Übung. Mehr nicht. Gäbe es andere Menschen nicht, würde ich all das nie tun

Lesen Ja, lesen muß doch meines sein. Traf man mich als Kind doch nie ohne Buch an. Aber wenn ich so recht drüber nachdenke lese ich heute gar nicht mehr. Lesen war meine Flucht, nie meine Leidenschaft.

mein Beruf. Nein, auch den habe ich mir nicht selber ausgesucht. Der wurde mir eingeredet weil der ja irgendwie Medizin und Kunst so herrlich verbindet und man damit ja quasi 2 Klappen schlagen könnte. Seltsam, wo weder Medizin noch Kunst anscheinend MEINES ist 😉 Zum Glück gefällt er mir halbwegs.

usw. usw. usw.
Vieles meiner zig tausend Dinge und Spezialinteressen habe ich natürlich immer gerne getan, also steckte auch immer etwas von mir drin. Leidenschaften kann man schließlich auch entwickeln durch Anstöße von anderen. Dennoch wurde ich oft „gemacht“ zu dem was angeblich meines ist, es waren immer Notnägel, ich will dazugehören nachmachereien usw. Es ist alles was drübergebaut wurde über mein ich. Das heißt nicht daß es schlecht oder unpassend ist. Schließlich hatte ich immer die Entscheidungshoheit was ich anbaue und was nicht. Trotzdem frage ich mich oft: Ja aber was ist denn nun meines was ganz von mir heraus kommt wenn all die Menschen und Einflüsse nicht gewesen wären?
Ich hab keine Ahnung, aber ich freue mich drauf es irgendwann vielleicht entdecken und leben zu können.

Ausflug in die Vergangenheit

Oh man, ich krieg mich kaum sortiert. Mein Akku ist auf 0%, weil ich alles freiwillig hergegeben habe. Ich war ja gestern alleine bei meinen Eltern. Dort alleine zu sein ist etwas, das ich versuche dringend zu vermeiden. Denn alleine sein heißt auch Feuer frei zum zerstören der Frau Anders. Liebe ist halt kaputtmachen bei denen. Naja gut daß ich das irgendwie anders sehe und lebe. Aber das soll gar nicht mein Thema sein. Ich bin freiwillig dort hin gefahren weil ich so extrem viele Fragen habe. Fragen zu mir. Fragen wie ich denn wirklich so war als Kind. Eine Suche nach versteckten Potentialen und grundlegenden Wesenszügen die mir genommen oder überdeckelt wurden. Ich habe so schrecklich wenig Erinnerungen mehr an das „früher“. Wie war ich denn so, was hat mir Spaß gemacht, was fand ich blöd, womit habe ich Energie getankt und was waren meine Stärken. Ich habe sehr vieles einfach vergessen und verdrängt und ich hoffe aus den Antworten irgendwas für mein heutiges Leben schöpfen zu können. Mein Leben das mich wieder mehr zu mir selber führen soll. Ein Leben ohne Masken und Schauspiel. Das wäre toll.

Ich habe nur ein Problem. Ich bin nicht geoutet und ich habe Eltern die psychisch sehr krank sind. Dazu sind sie Narzißten deluxe deren Kind natürlich immer nur absolut perfekt oder so richtig scheiße war. Da ehrliche Antworten auf Fragen meinerseits zu bekommen ist schwierig. Also entschloss ich mich es geschickter anzugehen als nur zu fragen. Ich habe mich alleine auf in die Höhle des Löwen gemacht, so richtig als Traumtochter war ich da. Ich habe einen wirklich netten Abend mit ihnen verbracht und mir viel Zeit genommen sie zu lobpreisen. Dann habe ich die Gespräche geschickt über meine Tochter auf meine Kindheit gelenkt und ich bekam tatsächlich ein paar Aussagen. Zudem habe ich noch alte Tagebücher von mir in gut gewählten alten Verstecken gefunden und ich bin geschockt wie schlecht es mir damals als kleines Kind schon ging. Worüber ich so nachdachte. Wie groß mein Wille war normal zu sein, was ich alles getan habe um zu gefallen, der ewige Wunsch endlich auch mal Freunde zu haben und es dennoch immer wieder zu verkacken.

Mein persönlicher Knüller des Abends war die Aussage daß ich von Geburt an schon immer opportunistisch gewesen wäre. Ich war immer mit Absicht gegen alles was andere so taten und ich kannte nur schwarz und weiß. Bemüht habe ich mich auch nie wirklich. Alles klar!

Mir tut das arme Kind was ich mal war sehr leid. Ein Kind dessen eigene Eltern es total falsch einschätzten. Das Kind, was selber leere Freundschaftsbücher für sich selber füllte und das allen einfach nur alles recht machen wollte und es nie geschafft hat.  Irgendwann zeig ich euch mal Tagebucheinträge wenn ich mich traue. Die sind echt krass.

Ich bin froh, daß dieses Kind was ich einmal war so langsam in die düstre Vergangenheit entschwindet. Da gehört es auch hin. Mit einer fetten Abschiedsumarmung von mir.

Ich habe heute selber so ein Kind wie ich es mal war. Ich habe es jeden Tag vor Augen wie hart das Leben als kleiner Mensch ist, wenn man anders ist und doch gleich sein will. Es ist verdammt schwer, es auszuhalten hilflos zuschauen zu müssen. Meine Tochter ist mir extremst ähnlich und triggert mich daher sehr. Aber ich bin auch jeden Tag sehr froh daß ausgerechnet ich ihr Lehrmeister sein darf. Denn ich hab es ja auch ganz gut da durch geschafft und weiß wie es geht.

Ich bin heute verdammt stolz auf mich, daß ich trotz allem ein guter Mensch geworden bin, daß ich trotz aller Widrigkeiten immer weiter gemacht habe und nicht einfach von dieser Welt entschwunden bin.

Es fühlt sich verdammt gut an immer mehr „ich“ zu werden. Manchmal muß man um sich wiederzufinden nochmal in die Höhle des Löwen zurück, wo man sich verloren hat.

Sorry, bin etwas wirr heute und wer mich kennt weiß daß ich eigene Texte niemals 2x lese oder gar hinterher korrigiere. Zumindest nicht hier. Das ist einfach nur ein „raus mit dem Kram“ und das ist auch gut so!

Brief an einen Autisten

http://briefeaneinenautisten.tumblr.com

Es wurde aufgerufen einem 10 jährigen autistischen Jungen mal einen Brief zu schreiben wie das eigentlich so war als 10 jähriger Autist. Er schämt sich wohl sehr autistisch zu sein. Das ist doch voll blöd sich für so etwas großartiges zu schämen und daher bin ich natürlich dabei:

Hallo du unbekannter Junge!

Du hast ganz schön viel Post hier durchzulesen, aber es ist bestimmt total toll soviele nette Briefe zu bekommen. Auch ich mag dir gerne ein paar Zeilen schreiben. Ich bin eine 35 Jahre alte Frau und weiß erst seit 2 Jahren daß ich Autistin bin. Jetzt hat das was mich schon seit ich denken kann von anderen unterscheidet einen Namen. Ist schon ganz schön krass wenn man das erfährt und gar nicht weiß was das eigentlich ist und warum ausgerechnet man selber denn sowas haben soll. Mit 10 Jahren wäre mir das bestimmt auch oberpeinlich gewesen, aber schlimm ist das eigentlich gar nicht wenn das was man ja sowieso ist einen ganz bestimmten Namen bekommt. Das ändert ja nichts an dir als Menschen, gibt einem aber ein Wort und somit auch die Möglichkeit sich darüber genauer zu informieren.

Ja, ich will dir unbedingt schreiben. Nur was eigentlich? Ich kenne dich doch gar nicht. Ich habe mir nun also den ganzen Tag meinen Kopf förmlich darüber zerbrochen was ich da bloß schreiben kann und wie das eigentlich so mit 10 Jahren war. Was soll ich sagen, mir fällt eigentlich nichts ein oder nur irgendwie doofes weil das eine echt beschissene Zeit für mich damals war die ich krampfhaft versucht habe zu vergessen. Ich habe ständig versucht dazuzugehören, Dinge wie andere zu tun, Freunde zu haben oder zu bekommen und wünschte mir nichts sehnlicher als so behandelt zu werden wie die anderen und all das schlug ständig fehl. Ich sah immer die Mädchen die Hand in Hand wie die besten Freundinnen von der Schule zu einem von den beiden nach Hause zum spielen gingen. Mit mir wollte niemand spielen und dabei habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht. Höchstens wenn sonst keiner da war war ich anscheinend gut genug. Ansonsten wurde ich entweder geärgert oder übersehen. Ich war in der Schule von den Noten her anfangs richtig gut, wurde dann von anderen als Streber gehänselt. Dann hab ich versucht bewußt schlecht zu sein wie alle anderen und wurde dumm genannt. Was ich tat war nicht richtig. Ich habe wirklich alles versucht möglichst nett zu allen zu sein, die selben Interessen wie sie zu haben, habe so getan als höre ich die selbe Musik und so. Aber niemand hat mich „gesehen“. Für andere war ich im besten Fall unsichtbar. Und da ich unsichtbar sein zumindest besser fand als ständig gemobbt und geärgert zu werden hab ich mich irgendwann sehr zurückgezogen und blieb für andere unsichtbar. Ich habe kaum noch etwas gesagt, bin nicht mehr auf andere Kinder zugegangen, habe nichts preis gegeben von dem was ich alles weiß und was mich so beschäftigt. Ich wurde ein richtig trauriges und stilles Mädchen. Dabei bin ich eigentlich ein superfröhliches Kind gewesen das gerne mit anderen etwas unternimmt, offen auf andere zugeht, lacht und Spaß hat.

Ab und zu hatte aber auch ich einige Spielkameraden die mich mochten und mit denen ich durchaus Spaß hatte. Keine Ahnung warum es mit denen besser ging als mit den meisten Kindern. Heute würde ich vermuten daß sie ähnlich tickten wie ich, auf jeden fall waren sie auch alle irgendwie anders. Leider hab ich das Pech gehabt daß ausgerechnet diese später auf andere Schulen kamen oder wegzogen.

Ich habe mich bis ins Erwachsenenleben mit dieser tiefen inneren Traurigkeit weil ich keine Freunde habe und sich niemand so recht mit mir abgeben wollte durchgeschlagen. Ich war einfach anders, habe Dinge anders gelöst und interessierte mich für andere Dinge als alle anderen. Als ich von meinen Eltern wegzog habe ich das erste Mal gemerkt daß ich mir die Menschen um mich herum vorher nie alleine aussuchen konnte. Immer wurde ich in Gruppen „gesteckt“ wie Kindergarten oder die Schulklasse oder es wurde von mir irgendwie erwartet mit Kindern klarzukommen weil es Kinder von den Freunden der Eltern waren, Nachbarskinder oder so. Nie vorher hatte ich ohne daß jemand dabei war mir meinen Freunde selber aussuchen können. Das änderte sich als Erwachsener schnell. Ich hatte meinen eigenen Computer in meiner eigenen Wohnung und habe viele Nächte damit verbracht mich endlich in Ruhe mit den Themen zu beschäftigen die mich so sehr interessierten. In Foren zu meinen Spezialinteressen fand ich dann erstmalig auch Menschen die irgendwie toll waren. Menschen die mich sogar mochten ohne daß ich mich verstellt habe um zu sein wie sie. So habe ich Stück für Stück ganz tolle Freunde gefunden. Alle sind sie irgendwie anders. Mein allerbester Freund ist inzwischen mein Ehemann und wir haben zusammen eine Tochter und ich habe inzwischen meine eigene kleine Ergotherapiepraxis in denen ich Menschen im Alltag helfe die nicht so ganz klar kommen mit ihrer Andersartigkeit.

Vor ein paar Jahren entdeckten wir, daß unsere Andersartigkeit einen Namen hat. Autismus. Das klingt total blöd und doof und so wie ich mir Autisten vorstellte war ich doch gar nicht. Im Fernsehen sind Autisten immer total doof und bekloppt. Heute weiß ich daß das gar nicht stimmt und Autisten gar nicht so sind wie die die man immer im Fernsehen sieht. Es sind meist die Menschen mit denen ich mich von ganz alleine wie automatisch gut verstehe. Es sind die tollsten und spannendsten Menschen die ich jemals kennengelernt habe.

Es sind oft die Menschen die verrückte Dinge tun, die die Dinge anders machen als andere und oft sogar viel erfolgreicher, die die immer ehrlich sind und sagen was sie meinen. Alle die ich persönlich kenne kommen ganz gut klar im Leben, seitdem sie wissen wie sie so ticken und etwas auf sich Acht geben. Ich kenne Punks, Klassikliebhaber, Wanderer, Comiczeichner, Computerspielerfinder, Maschinenreparierer, Menschenreparierer, Chemiker, DJs, Kindergärtner, Lehrer, Architekten, Künstler, Journalisten, Schauspieler, Musiker, Fotografen, Firmenbosse und sie sind alle Autisten!

Ich hatte übrigens neulich Klassentreffen. Meine ehemaligen doofen Klassenkameraden wissen heute nichtmal mehr wer ich damals war, erkennen mich nichtmal auf alten Klassenfotos. Sie finden es aber toll was ich alles im Leben geschafft habe und sind ein kleines bißchen neidisch, denn so ein richtig gutes Leben führen sie selber nicht. Ich bin froh, daß ich inzwischen mit tolleren Menschen zu tun habe die mich garantiert nie vergessen werden.

Also hey, was soll daran nochmal peinlich sein etwas anders zu ticken?

Wenn ich mir selber als 10 jährige nochmal einen Rat geben sollte wäre es folgender:

Höre auf so sein zu wollen wie die anderen und schau genauer hin wie du eigentlich bist. Dinge anders zu machen und anders zu sein muß nichts schlechtes sein sondern es kann dir auch helfen mit allem klarzukommen und später vielleicht total coole Dinge machen zu können. Nimm dir Pausen und kleine Auszeiten im Alltag wann immer du mal Pausen brauchst. Ja und schau genau hin wer dich wirklich mag und an deiner Seite steht. Stecke deine Energie nicht in die Freunde die angeblich am tollsten und beliebtesten sind, sondern in die die dich so mögen wie du bist und die zu dir passen. Oft sind diese Menschen schon längst da, aber oft machen auch sie sich unsichtbar und man muß genau hinschauen um sie zu entdecken. Es sind Kinder mit denen „man“ nicht spielt, Sonderlinge, stille Kinder die vielleicht in der Ecke stehen und heimlich nur die anderen beobachten. Vielleicht sind das ja auch so richtig coole Kinder, vielleicht welche wie du!

Hui, das war ja doch ganz schön viel.

Fühl dich mal unbekannterweise ganz lieb gegrüßt von mir,

Frau Anders