Gedanken zur Nacht…

Mir wird grade bewußt, wie schnell eigentlich Menschen bei mir wegen irgendwelcher offensichtlich als normal angesehenen unbedeutsamen Kleinigkeiten untendurch sind. Ebenso einfach ist es allerdings auch wiederrum, in meine Gunst zu fallen.

Mal ist es die Mutter, die mir (mit meinem plastikfreien Haushalt und passioniertem Selberschnippler) beim geliebten Kräuterhacken erzählen will wie toll doch dieses oder jene Gerät von Tupper seie zum Kräuterschneiden und nicht locker läßt es mir anzupreisen um mich auf ihre nächste Tupperparty einzuladen.

Mal ist es die Frau die auf der Straße elendigst nach dem neuesten superteuren Parfüm stinkt, manchmal ist es sogar nur die reine Weichspülerbenutzerin. Ich mag Menschen mit bestimmten Schuhen und Klamotten nicht, ich mag es nicht wenn sie komische Worte sagen, eine fiese Stimme haben oder, oder, oder

Aber genausoschnell schließe ich Menschen in mein Herz die zwar total anders sind als alle anderen, aber irgendwie die ein oder andere spezielle Eigenart haben. Generell liebe ich Menschen, die irgendwie anders sind als die breite Masse. Da ist es fast schon egal ob sie Autisten, Rockabillys, Punks, kreative Chaoten, Gothics, Ökos, Andersdenker, Musiker, Künstler oder Selbstversorger sind. Mir reicht meist ein einziges offensichtlich unbedeutsames Indiz einer Andersartigkeit oder eines Andersdenkens. Das fällt mir meist sofort auf und ich spüre sowas wie einen Sympathievorschuss für diese Menschen. Die meisten dieser „anderen“ mag ich irgendwie automatisch schon nur alleine wegen der Andersartigkeit…selbst wenn sie Weichspüler benutzen sollten

Insofern, be different!

Denkstuff des Tages

Mal völlig unsortiert. Ich denke einfach extrem viel in letzter Zeit wer ich bin, was ich bin und wie das alles zusammenpassen kann. Ich hätte so gerne einen Namen für das was mit mir los ist. Daß etwas anderes als bei den meisten Menschen os ist, darüber bin ich mir eigentlich schon seit frühester Kindheit klar. Aber ich mag doch meine Schubladen, in die ich die Menschen einsortiere und ausgerechnet mich selber bekomme ich nicht klar. Ist das eigentlich normal daß man in meinem Alter (34) nochmal so arg an sich selber arbeitet und sich hinterfragt? Ich fühle mich, als wäre ich in meiner 2. Pubertät auf dem Weg zu Menschwerdung. Auf dem Weg zu mir selber. Das ist schon irgendwie toll und erschreckend zugleich. Denn alles was ich bisher glaube zu sein, zu können oder so wurde komplett über den Haufen geworfen und ich baue nun Stück für Stück ein neues Bild von mir selber auf. Und schreiben hilft mir immer, also schreib ich mal einfach so vor mich hin.

Ich bin hochsensibel:

Das weiß ich nun seit längerem und es war eine totale Befreiung endlich zu kapieren, warum ich oft so komisch reagiere. Ich dachte immer ich könne schlecht hören, aber nun weiß ich, ich höre jeden Floh husten, bin von jedem minimalen Störgeräusch abgelenkt und kann Töne einfach nicht filtern. Alles ist gleichlaut und gleichpräsent. Da kann schon mal die eine oder andere Information flöten gehen. Ich kann genausogut alles „sehen“. Ich bin visuell extrem schnell und massiv aufnahmefähig ohne jeglichen Filter. Und dann, ja dann hab ich irgendwie noch ganz massive (ich nenn sie mal) Antennen für andere Menschen. Ich höre Dinge, die sie versuchen zu verstecken, spüre jede Lüge, merke Glück und Leid und sehe was sie beschäftigt. Das ist total seltsam und oft bin ich davon überfordert. Meine derzeitige Aufgabe sehe ich darin, mich genau in dem Punkt abgrenzen zu lernen.

Ich bin vielbegabt/ein buntes Zebra/Scanner oder wie man es auch immer nennen mag.

Ich interessiere mich für massiv viele Dinge, ich kann ganz viel, ich eigne mir permanent neues tiefgreifendes Fachwissen an. Seie es wie man ein Reetdach deckt, ein Studium der Neurologie, Pferderassen, Sprachen, Kunst, Kräuterkunde, Musik, Jonglage, Töpfern, Autismus usw. usw.

Ich bin neurotypisch:

Dachte ich zumindest immer 😉 Ich kann Doppeldeutigkeiten in Redewendungen, ich spreche in den buntesten Bildern, Redewendungen und Sinnsprüchen. (Sorry liebe mitlesenden Asperger, ich kann auch wenn ich will total klar und rational reden. Ich nenne es immer die „aspianische Sprache“. Die hab ich ganz toll gelernt inzwischen, aber ich wurde sprachlich irgendwie anders sozialisiert und hey, es ist mein Blog und ich rede nunmal gerne in bunten Bildern. Wo wenn nicht hier. Wenn was unklar sein sollte, ich erkläre es gerne) ich kann ganz schrecklich unlogisch, emotional und gefühlvoll sein, ich bin in der Lage mich in andere Menschen hineinversetzen zu können und deren Dinge nachzufühlen. Das kann ich sogar richtig gut und es hilft mir in meinem therapeutischen Beruf sehr. Ich leide auch oft unter meinem Aspergerpartner, der mich einfach nicht verstehen kann. Der einfach so extrem anders ist, der nicht mit mir in meiner Sprache zu reden vermag und mir wenig verbalen und emotionalen Austausch bietet. Ich bin sogar sehr aktiv in einer Selbsthilfegruppe für liebende Partnerinnen von Aspergern und ich bin supergerne unter Menschen und fühle mich in sozialen Situationen wohl. Naja, nicht immer denn…

…Ich bin wohl auch irgendwie Asperger:

Bisher dachte ich immer, das wären nur die anderen und es wäre ganz weit weg von mir, aber langsam wird es für mich immer deutlicher daß ich mir da was vormache. Vielleicht kenne ich auch nur zuviele Männer. Die Frauen scheinen ja doch irgendwie etwas anders sozialisiert zu sein.  Ich habe ganz massive Spezialinteressen zu denen auch seit längerem das Thema Asperger zählt. Daher sehe ich so viele Dinge. Ich kann keine Emotionen in Gesichern treffend erkennen (erinnert ihr euch? ich sehe in Menschen hinein wie in ein Buch, aber im Gesicht erkenne ich oft gar nicht. Total seltsam), ich brauche Regeln, Strukturen, denke über jede noch so kleine Handlung nach wie ich es am besten tun kann damit es irgendwie ein einer sinnvollen Reihenfolge stattfindet. Ich kann nicht mit anderen telefonieren. Ich sehe überall Muster, Strukturen und Systeme…Ich stoße Menschen oft vor den Kopf mit gnadenloser Direktheit, ich hasse sinnfreien Smalltalk, ich tue mich schwer mit sozialen Situationen auch wenn ich sie noch so gerne habe, ich verstehe keine Witze (oder nur meine eigenen *lach*), ich habe ganz massive Ordnungssysteme in meinem Chaos, ich könnte durchdrehen wenn jemand die Tasse mit dem henkel in die falsche Richtung in den Schrank stellt oder sonstwie meine Routinen stört und, und, und…

Naja und ich bin liebende Ehefrau eines Aspergers und Mutter eines was auch immer Kindes das mein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen scheint. Aber ich glaub es ist ein gutes Training.

Kann das alles eigentlich sein und zusammengehen? So langsam glaube ich ja, nur halt „irgendwie anders“