Weiterärger

Der Tag ist noch nicht zuende.
Ich habe nun ewig gebraucht um mich aufzuraffen Fitnesstudios in der Gegend herauszufinden, habe mich nicht mehr als nötig darüber aufgeregt daß ich Augenschmerzen von deren Webseiten bekomme, kaum einer von denen Preise und konkretere Beschreibungen ihrer Leistungen bzw. Geräte online für mich zum vergleichen hat…manch einer hat nichtmal Duschen!
Ich habe dennoch alle für mich gut erreichbaren brav per Email angefragt nach den Preisen.
Nun kommen die einen mit tatsächlich mit Horrorpreisen jenseits der 80€ für nix an Leistung bei 100 Jahren Festverträgen und das dollste sind nun auch noch diverse die mit wir nennen Ihnen unsere Preise nicht, rufen sie doch mal an dann können wir verhandeln.

Oh man, da will man sich eiiiiiin mal überwinden und schon ist mir die Lust vergangen überhaupt noch weiter zu machen, geschweige denn will ich die auch noch näher kennenlernen.

Tja, Sport frei!

Ich bin diesmal nicht dabei!

 

 

Beispieltext:

Sehr geehrte(r) Interessent(in),
wir haben Ihre Email bezüglich Ihres Interesses für unser Angebot erhalten.

Da sich unsere Beiträge auf Grund von Laufzeiten/Angebot der Nutzungsvielfalt/Partner-, Schüler- und Studentenrabatten etc. unterscheiden, würden wir Sie gerne telefonisch kennenlernen und Sie zu einem unverbindlichen, kostenlosen und persönlichen Beratungsgespräch in unserem Hause einladen. So können Sie sich auch gleich unser Studio ansehen und die Atmosphäre hier erfahren.

Bitte setzen Sie sich doch mit uns zwecks Terminvereinbarung in Verbindung unter der Telefonnummer XXXXX

Mit sportlichen Grüßen

Nachtrag Gesichtsblindheit

Mir fällt noch was ein zur Gesichtsblindheit. Ich erkenne oft mein eigenes Kind nicht wenn ich es in der Kita suche. Da laufen zig kleine quirlige blonde Mädels rum und egal wie sehr ich mich konzentriere, wenn ich nicht weiß was sie anhat weil der Herr Papa sie morgens hingebracht hat, habe ich keine Chance.

Ich habe auch große Schwierigkeiten Filmen zu folgen. Grade so Sachen wie Tatort oder so sind sehr schwer für mich zum folgen. Die Schauspieler sehen echt alle gleich aus für mich, tragen oft alle 0815 Klamotten und keiner sticht optisch sehr heraus. Ich erkenne einfach oft die Kommissare nicht und grübel ständig wer das nun ist, ob gut oder böse und wie das nun im Kontext zur Handlung richtig sein könnte. Ich verballer viel Energie, gleich am Anfang krampfhaft genau zu schauen wie das Gesicht und die Haare der Hauptpersonen aussehen. Wenn dann andere auch noch ansatzweise ähnlich aussehen ist es für mich vorbei. Ich bekomme keinen Handlungsstrang mehr klar und breche oft die Filme ab. Ähnlich auch, wenn ich mittendrin reinschalte. Ich kann das nicht!  In den meisten Filmen sieht man den „bösen“ ja durchaus an daß sie die bösen sind oder die Helden haben einfach eine ganz bestimmte Optik. Dann ist es einfach für mich. Aber so klassische Kriminalfilme zB. sind fast immer ganz schwierig. Daher gucke ich gerne Animationsfilme, optisch total überzogene Filme oder Fantasykram. Das kostet mich weniger Energie.

Gesichtsblind? Aber ich ich doch nicht

Tja, so dachte ich 35 Jahre lang von mir. Ich kann ja schließlich Gesichter sehen, erkennen und auch durchaus unterscheiden. Ich habe keine verschwommene Fläche vor mir wenn mich einer anguckt. Außerdem habe ich mich mein Leben lang sehr detailliert und fast fanatisch mit dem Thema Gesichter befaßt. Ich bestehe sämtliche Gesichtstests mit Bravour, ich bin ein Meister der Antlitzdiagnostik, ich erkenne jede Regung und kann sie deuten, ich kann durchaus meine Nachbarn auf der Straße erkennen und grüßen. Ich bin doch nicht gesichtsblind. Das kann ja gar nicht sein. Heute weiß ich daß ich doch Prosopagnostiker bin. Also ein Gesichtsblinder. War die Erkenntnis anfangs eher unglaublich für mich, kann ich heute sehen daß das sehrwohl stimmt. Ich habe mich damals auf die Suche gemacht wie ich so funktioniere und wie das sein kann. Ich erkenne doch Menschen und manchmal sogar zuverlässiger als andere. Wie kann das sein?

Ganz einfach, ich habe meinen Mangel schon von Kindesbeinen an zum Spezialinteresse gemacht. Menschen! Dazu gehört auch das lesen und erkennen von Körpersprache und Gesichtern. Ich habe es geübt und geübt wie nix gutes. Das war für mich auch überlebensnotwendig, denn meine psychisch schwerkranken Eltern waren oft auch sehr sehr böshafte Eltern und es war für mich sehr wichtig so schnell wie möglich zu erkennen wer oder was mir da grade wie gegenüberstand um angemessen reagieren zu können. Jedesmal wenn ich mich vertan hatte, hatte es sehr böse Konsequenzen für mich. So hab ich es durchaus sehr schnell gelernt Gesichter bewußt zu lesen und zu deuten. Also das gesehene mit dem Gelernten abzugleichen um zu interpretieren. Bewußt, das ist der Schlüssel und Unterschied zu anderen. Ich erkenne nichts einfach mal so, ich habe keinen Autopiloten für Gesichter. Ich muß sie mir durch denken mühsam erschließen. Das kostet enorm Kraft und Energie. Daher lese ich Gesichter nur, wenn genug Kraftreserven vorhanden sind oder wenn es wirklich wichtig ist.

Nun würde man denken das würde man doch merken, aber dem ist nicht so. Ich erkenne ja Menschen durchaus auch sehr zuverlässig. Ich grüße Nachbarn die mir im Auto entgegenkommen, ich kann Kollegen, Patienten, Freunde und gute Bekannte jederzeit auseinanderhalten, ich erkenne sogar jahrelang nicht gesehene Bekannte auf einem Konzert 20m vor mir von hinten.

Tja, wie mach ich das bloß? Ganz einfach. Ich kann zu meinem Glück unwahrscheinlich schnell denken und Zusammenhänge bewußt knüpfen. Da ich das aber mein Leben lang arg trainiert habe, spüre ich den Aufwand gar nicht mehr. Vor allem Gesehenes wird bei mir viel schneller verarbeitet und zu einem Ganzen verwurstet als bei anderen Menschen. Ich erkenne jedes Auto und jedes Nummernschild in Buchteilen von Sekunden und kann dann Aktion grüßen starten. Ich erkenne Menschen die ich bereits gut kenne zuverlässig an der Art wie sie sich bewegen. Sie könnten sich auch komplett verkleiden und ich würde sie jederzeit erkennen. Neulich gab es ein Konzert einer neuen verrückten Band deren Mitglieder geheim bleiben wollten, man wußte nur daß sie Mitglieder aus bekannten anderen Bands sind. Sie standen alle Kopfvermummt auf der Bühne und ratet mal, wer als Einziger sofort wußte wer da stand. Manchmal ist das ja durchaus praktisch 😉 Ich gleiche anscheinend Bewegung und gewohnte Optik wie Klamotten/Haare gerne miteinander ab. Je mehr Infos ich bekomme, desto zuverlässiger bin ich. Allerdings strauchel ich auch oft, wenn ich Menschen eben nicht so gut kenne oder nicht weiß wie sie sich bewegen, sie plötzlich neue Haarfarben haben, andere Klamotten tragen oder ich sie in einem nicht passenden Kontext treffe wo sie eigentlich nicht hingehören.

Da kann es sein, daß ich meinen Besuch den ich nur aus dem Internet kenne trotz massenweiser aktueller Fotos nicht am Treffpunkt erkenne oder maximal die Klamotten der rumstehenden Leute durchscanne um ihn zu erkennen. Ich erkenne den Postboten nicht beim einkaufen, der seit vielen Jahren ganz zuverlässig und freundlich täglich meine vielen Pakete ohne murren bringt, ich vertue mich ständig in Menschenmengen und grüße wildfremde Personen, weil so viele Bewegungszwillinge rumrennen und wenn dann auch noch die Haare annähernd gleich sind, läuft halt Reaktion grüßen wieder automatisch ab. Menschen an denen ich wenig Interesse habe, lose Bekannte, Freunde von irgendwem etc. die erkenne ich manchmal auch nach Jahren nicht immer zuverlässig. Gerne führe ich auch seltsame Smalltalkunterhaltungen (ja, hey…ich beherrsche Smalltalk mit Bravour und das als Autist!) mit Menschen von denen ich keinen Schimmer habe wer sie sind. Ich versuche dann im Gespräch immer irgendwelche Informationsbrocken herauszubbekommen ohne aufzufliegen. Selten bekomme ich die und so grübel ich oft tagelang mit wem ich die ganze Zeit wohl so nett geredet haben könnte und wie ich bloß reagiere wenn ich diesen Menschen wiedertreffe oder er mich auf unser Gespräch anquatscht.

Tja, was mach ich nun damit?

Weitermachen, denn es läuft ja eigentlich ganz gut. Gibt schließlich schlimmeres im Leben und manchmal ist es auch durchaus hilfreich so zu sein. Ich erzähle es möglichst oft und offen daß ich Schwierigkeiten habe, Gesichter zu erkennen und daß man mich doch bitte ansprechen soll und ansonsten lebe ich damit. Ich versuche Menschen beim einkaufen und ähnlichem nicht anzugucken, dann kann niemand sagen ich hätte ihn ja erkennen müssen. Ich kann mich jederzeit auf, huch…ich hab sie gar nicht gesehen berufen. Ich werd ja oft eh als Schussel und Tüddeltante von außen angesehen, da verzeiht man mir recht schnell so ein paar kleinere Fehltritte. Ansonsten versuche ich bei fachlichen Treffen vorab so viele Fotos der Personen als möglich anzuschauen die ich im Internet finden kann um sie mir einzuprägen.

Also wenn wir uns mal treffen sollten, einfach anquatschen oder vorab Fotos von den Klamotten die man aktuell trägt schicken.

 

 

Mir ist noch hinterher ein bißchen dazu eingefallen: Nachtrag Gesichtsblindheit

Wie kann ein Mensch das ertragen?

Ich bin seit 6 Tagen am Stück richtig doll krank, anders krank als ich es von mir so kenne und ich vermute daß es eine Art von Overloadreaktion ist. Ich habe seit all diesen Tagen durchgängig schmerzhaften Husten des Todes, mit übler Atemnot, akutem Schlafmangel denn ich schlafe keine Stunde ohne von Hustenanfällen wach zu werden und fast zu kotzen, ich habe am ganzen Körper an jeder Stelle die er so hat sehr starke Schmerzen, Fieber und dazu eine unwahrscheinliche Reizoffenheit. Ich bin sonst immer irgendwie anders krank und nie so lange so doll an so vielen Tagen hintereinander. Diesmal ist anscheinend mein Körper so richtig auf Schmollkurs mit mir, weil ich mir einfach unwahrscheinlich viel zumute seit Tagen. Shutdownfrei, Meltdownfrei und freiwillig wie gesagt.

Seit 11 Tagen mache ich ganz freiwillig jeden einzelnen Tag zu einem potentiellen Overload-Shutdown Tag mit größeren Aktionen. Normalerweise würde mich jeder einzelne Tag schon ins off schießen am Abend. aber ich halte irgendwie durch und manchmal frage ich mich warum und wie.  Ich würde sagen jede einzelne Tag, jede Begegnung war es absolut wert, aber nun kommt halt anscheinend die Endabrechnung. Ich schreib euch mal, was so die Tage passierte:

Tag 1:

Mein für ein paar Tage Twitterbesuch den ich noch nie persönlich traf an vom Flughafen abgeholt, sich gegenseitig beschnuppert, sich für supernett befunden, mit dem Auto ans Meer gefahren, viel gequatscht, viel gesehen, gekocht, gegessen, getrunken

Tag 2:

Sightseeing in Hamburg mit dem Besuch und dem teuersten Fischbrötchen von der Welt (also psychisch gesehen, absolut overloadschreiende Butze in der wir beide lange auf unser Brötchen warten mußten) Vorbereitungen für das morgige Twittertreffen bei uns. Immer noch nicht 1 Sekunde alleine gewesen. Das war supernett, aber für jemanden der ständig mal ne Pause von Menschen braucht echt anstrengend. Danach noch Kraftwerkkonzert obendrauf.

Tag 3:

Sightseeing mit Besuch in Stade und am Elbstrand, diverse Twitterer kamen Abends zu Besuch zum „Tweuer“. Ich habe den ganzen Tag nebenher noch Soljanka mit und ohne vegan gekocht, alles vorbereitet viel geplant und dann kam alles anders als vorgestellt. Wer mich kennt weiß wie sehr mich Planungsvorgänge unter Anwesenheit von Menschen auslaugen. Abends war komische Stimmung, keine Ahnung warum aber mein „Menschenrauschsinn“ hatte viel zu tun und mitzufühlen warum es jedem einzelnen grade nicht gefällt und so. Habe versucht theatralisch alle doofs von allen Seiten aufzufangen und abzumildern und mich glaub ich viel zu sehr verausgabt dabei und zum Kasper gemacht. Hab ich mir natüüüüüüürlich hinterher gleich wieder vorgeworfen.

Tag 4: Kopfwehtag, nochmal gemeinsames Sightseeing in Hamburg mit Hafencity und Speicherstadt, Essen gegangen, Besuch zum Flughafen gebracht, Chaos zu Hause beseitigt, ins Bett gefallen trotzdem vor lauter Krank kaum geschlafen.

Tag 5: durch die vielen geplanten freien Tage habe ich extrem viele Patienten vor- und nacharbeiten müssen. Unausgeschlafen und krank. Das war superanstrengend. Gleichzeitig Planung und Vorbereitung des morgigen Kindergeburtstages auf absolutem Overloadrandstatus (jaaaa, wieder Planungsirrsinn!!!) Kind abgeholt, Entdeckung der gehässig abgeschnittenen Haare der Tochter, krank mit Fieber und Sorgen vor den kommenden Tagen.

Tag 6:

Früh aufgestanden zur Vorbereitung, Kindergeburtstag mit vielen sehr lauten bockigen, streitenden, genervten unerzogenen Kindern, zuvielen Erwachsenen die ebenso belustigt werden wollten, zu allem ihren Senf dazu gaben, einer nur noch robotermäßig funktionierenden Frau Anders und natürlich „meiner Mutter“. Trotz krank hab ich mich wacker geschlagen, war aber Abends total im Arsch. Krank ja wie schon erwähnt sowieso. Quasi so nebenbei.

Tag 7:

Nochmal Kindergeburtstag mit den kleineren Kindern von Nachbarn und Freunden, weil mein Kind gebettelt hat nur mit den großen zu feiern am eigentlichen Geburtstag. Mir geht es richtig arg dreckig, aber okay. Feiern wir halt nochmal mit Kindern und Menschen. Ich mache gute Miene zu bösem Spiel. Dem Kind zuliebe.

Tag 8:

Ich muß noch ganz viele Patienten abarbeiten um morgen am Geburtstag des Gatten frei haben zu können. Ich bin immer noch sehr krank, aber wenn ich heute noch durchhalte hab ich 3 Tage am Stück zur Belohnung frei. Das motiviert mich sehr. Also ordentlich mit Grippemitteln gedopt und durch. Danach Einkaufen, Geburtstagsvorbereitungen für den Gatten und viele Sorgen, weil ich ja so krank bin und alle Planungen für den morgigen Tag dahin sind. (Wir wollten das Kind in die Kita stecken und schön zusammen in die Sauna zum entspannen). Ich möchte meinem Mann soooo gerne einen schönen Tag machen, scheitere aber heute schon am Kuchenbacken so schlecht geht es mir. Mach ich halt morgen sage ich mir. Abends irgendwie bis 12 Uhr wach geblieben um in Ruhe wenigstens kurz anzustoßen.

Tag 9:

Gattengeburtstagstag. Ich könnte nur noch heulen, weil ich einfach nix mehr hinbekomme und doch so gerne möchte. Ich hab den doch so unwahrscheinlich lieb und möchte ihm so gerne einen ebenso wundervollen Geburtstag machen wie der Tochter, aber ich KANN einfach nicht. Der Körper versagt, ist 0 belastbar, fiebert und keucht. Ich versaue den Kuchen, wir machen nichts statt schöner Sachen und ich mache mir unwahrscheinlich arge Vorwürfe daß ich im Bett liege und er an seinem Geburtstag sogar noch einkaufen und den eigenen Geburtstagskuchen fertig machen muß. Abends raffe ich mich mit letzter Kraft auf, mit ihm und seinen Eltern wenigstens essen zu gehen. Zum Glück saßen wir in einer ruhigen Ecke. Trotzdem keimt die Angst vor den kommenden Tagen auf, weil ich weiß was da noch sein wird und der Akku leer ist. Ich will nur noch im Bett liegen und schlafen. Mich verziehen, keine Menschen mehr sehen.

Tag 10:

Unsere lieben Freunde aus Berlin, extrem laut, polterig, absolut überfordertgenervt mit 2 unwahrscheinlich lauten dauerheulenden unerzogenen Kindern fallen ein um sich ein paar Tage bei uns einzuquartieren und die Bude zu zerstören. Super Ding in meinem jetzigen Zustand. Schade wenn man die Freunde nie wieder ohne Kinder zu sehen bekommt. Ich ertrage die wirklich nur noch ohne ihre Kinder. Wir erfahren daß sie nicht morgen wieder fahren, sondern bis Montag hier bleiben wollten. Abends kommen noch diverse Gäste (auch wieder zT. mit Kindern, aaaaaaargh!!!!) dazu um gemeinsam den Gattengeburtstag zu feiern. Während die ruhigen, netten, älteren Kinder irgendwann friedlich ins Bett gingen und auch sonst lieb und unkompliziert waren, wurden die Schreikinder künstlich wach gehalten und nervten die ganze Nacht weiter. Natürlich wurden auch Sachen komplett verschokoladet und vollgekotzt.  Ich weiß nicht wie ich das weiter ertragen soll. Dann noch wuselige überforderte randgenervte Erwachseneneltern die über nichts anderes reden als Kinderthemen wie Kacke und Windeln. Die Kinderlosen haben zum größten Teil leider abgesagt oder sind ohne Absage einfach nicht erschienen 😦  Dazu das „Dauerrauschen“ der einzigen anwesenden ebenso hochsensiblen Kinderhasser über deren Anwesenheit ich mich eigentlich sehr gefreut habe. Die konnten das Wirrwarr und das Dauergekreische wie ich nicht ertragen, dann wurden zugekackte Kinder genau neben ihren übersensiblen Nasen auf dem Sofa gewickelt. Ich will keinen Ton mehr hören, befürchte komplett durchzudrehen und greife zum Alkohol, weil der meine Sinne etwas zu betäuben vermag und will nur noch weg. Herr Wuff schlief leider demonstrativ und ließ sich zu keinem Spaziergang mehr verleiten. Und statt daß ich mal kurz abhauen kann, hauten spontan alle Nichteltern fluchtartig ab und verließen mich quasi. Also weiter mit den Muttis und Vatis. Ätz. Ich versuche nebenher tunnelblickartig zumindest die Stiefel mit Nikolaussachen für morgen zu füllen um ein Minimum der wirklich wichtigen Sachen des Tages noch zu leisten. Alles natürlich immer noch mit quälendem Husten, teilweise Fieber und so. Irgendwann war ich sogar im Bett und alle waren ruhig. Ein Wunder!

Tja, heute ist Tag 11. Ich habe schon einen lauten Vormittag voller lautem polterigen Menschengewusel hinter mir. Den Gatten habe ich grade mit dem Besuch weggeschickt zu einem Ausflug. Morgen…morgen reisen alle ab, ich muß arbeiten und sonst geht alles seinen Gang. Ich freu mich ja schon soooo sehr darauf. Und statt daß ich mich jetzt ins Bett haue zum Genesen (ich muß ja schließlich morgen wieder arbeiten und bei unserer derzeitigen Geldnot wäre das wirklich wichtig) muß ich einfach mal zur Selbstreflexion schreiben was eigentlich alles so war die Tage. Irgendwie ist das glaub ich auch heilsam dieses runterschreiben. Wie ich das so schreibe merke ich erst daß es wirklich so ist daß ich hier grade unmenschliches wuppe für einen arg angeschlagenen Autisten. Ich muß  denken über so Sachen wie warum diesmal der Körper statt des Inneren durchdreht, warum hat der Geist keine Notbremsen vorher gezogen, wie hab ich das abdrehen eigentlich genau abgestellt und aufgeschoben, was mag die kommenden Tage passieren mit mir, wie geht es eigentlich dem Gatten (wobei der deutlich mehr Pausen hatte) usw.

Keine Ahnung warum ich diesmal krank bin. Irgendwas mit selbst schuld scheint es zu sein. Naja, ich werde mich jetzt ganz doll um mich sorgen und dann wird das auch schon wieder.

Partnerschaftliches

So langsam lichtet sich auch in mir so einiges. Ich habe ja einen Mann, der ebenso Asperger ist. Aber halt gaaanz anders und wir gleichen uns permanent gegenseitig aus. Er liebt es zB. unter Menschen zu sein, solange es alles bei oberflächlichen Kontakten bleibt. Er merkt kaum, wenn er wen nervt oder alle schon gelangweilt gähnen, wenn er zum 195sten Mal die selbe Story erzählt. Merkt ja meist auch keiner wenn es immer mal andere Leute sind, die er zulabert. Er lächelt andere immerzu an (er hat nur diesen einen Gesichtsausdruck, aber das weiß ja keiner) und alle denken, der Herr Anders ist ja sooooo ein netter. Er ist ganz toll im Smalltalk und overloadet andererseits ganz schnell sobald ein ernstes Gespräch mit Tiefgang geführt wird. Sobald es ernster wird ist er weg. Ich bin genau andersherum. Ich bin durchaus auch sehr gerne unter Menschen, aber ich hasse Smalltalk und so lustige bunte Runden. Ich weiß nie was ich sagen soll, wann ich dran bin, verstehe Witzchen nicht, falle anderen immerzu ins Wort weil ich sonst vergesse was ich wichtiges sagen will und wenn ich was erzähle scheint es niemanden wirklich zu interesseren. Dazu die geballte Masse an wahrgenommenen Informationen all dieser Menschen die auf mich einströmt. Das ist echt superschwer für mich und ich schicke meinen Mann dann lieber vor ins Laberrennen und lächle stumm neben ihm vor mich hin und warte daß es endlich vorbei ist. Ab und zu bekommt er von mir einen Hinweis, was die anderen grade denken oder warum sie grade seltsam auf ihn reagieren und das wars. Ich bin in so bunten Runden quasi sein Korrektiv was neben ihm steht. Tiefsinnige Gespräche, am liebsten zu zweit hingegen schätze ich sehr und ich könnte mich stundenlang mit einem passenden anderen Menschen in allemöglichen Themen reinlabern. Dabei schläft mein Mann meist nach 1-2 Minuten entweder ein, beschäftigt sich mit was anderem oder geht weg und erfragt am nächsten Tag, obs was wichtiges gegeben hätte was er wissen müßte. Daher arbeiten wir grade daran, daß jeder seinen Freundeskreis für sich pflegt. Aber meist laden uns immer alle gemeinsam ein und einer von uns beiden stört dann immer als eine Art Spaßbremse oder Ignorant.

Das klingt erstmal nach einer tollen Gemeinschaft, wie man sich so gegenseitig hilft und unterstützt, aber es ist nicht immer einfach gemeinsam so miteinander zu leben. Wir helfen uns zwar gegenseitig im Leben klarzukommen, aber wenn ich zB. mal tiefsinnig mit ihm reden will ist es blöd, weil es nicht geht.Wenn er mal mit mir smalltalkt oder mich mitnimmt weil er sich mit Menschenmassen treffen will ist es ebenso doof. Wobei ich offensichtlich einen größeren Leidensdruck habe.

Worunter ich aktuell am meisten leide ist: Es scheint ihm in meiner Wahrnehmung völlig egal zu sein, daß ich jetzt herausgefunden habe daß ich wohl auch irgendwie Aspie bin. Mich beschäftigt das tagein und tagaus, ich will so gerne über so vieles mit jemandem reden, reflektieren, mein ganzes Leben ist irgendwie ein anderes, jegliche Sicht auf Dinge ist verändert und es ist im Moment ein derart wichtiges Thema für mich aber ihn interessiert das anscheinend überhaupt nicht. Kein erstauntes ooooh, oder glaub ich nicht oder hab ich ja gewußt oder sonstwie eine Reaktion, er hört mir nicht zu, fragt nicht nach und läßt mich völlig alleine damit stehen. Das tut richtig weh, denn er ist der Mensch der mir am allernächsten steht und der am allermeisten von mir weiß. Außerdem ist all das ja nun auch ein Thema was ihn ebenso betrifft. Aber ihm ist all sowas total egal und viel zu anstrengend, darüber überhaupt nachzudenken. Er denkt wenn dann immer nur in seinem eigenen Universum nur an sich und was er davon hat, was diese Information für ihn bedeutet usw.

Ich bin da irgendwie anders…

Die Sache mit dem Alkohol

Ich rede da nicht gerne drüber, weil ich mich irgendwie schäme. Aber irgendwohin müssen meine Gedanken ja mal gepackt werden.

Ich dachte früher immer, daß grade Hochsensible und Asperger keinen Alkohol oder wenn dann nur total kontrolliert trinken. Mein Mann hört zB. immer rechtzeitig auf, bevor er lustig wird oder die Kontrolle verliert.

Ich hingegen trinke eigentlich ganz gerne mal einen über den Durst. Ich bin da nicht wirklich  stolz drauf. Dennoch „brauche“ ich das manchmal einfach und ich habe mir schon länger Gedanken darüber gemacht, warum es nicht einfach auch ohne geht bzw. warum es ohne irgendwie doof ist. Nicht daß ich ständig nur am trinken wäre, dem ist nicht so. Aber ich wundere mich doch manchmal, warum es mir so guttut und finde genau das irgendwie gefährlich. Nach fast nem Jahr der Beobachtung kann ich sagen, ich trinke um meine Wahrnehmung zu dämpfen.

Wenn ich etwas trinke, kann ich soziale Situationen plötzlich viel besser ertragen. Ich höre zwar immer noch alle Geräusche gleichzeitig und gleich laut nebeneinander, aber ich kann es einfach besser und länger ertragen, ohne gleich in eine Art Overload zu geraten. Ich kann all das was die Menschen an Emotionen, Gefühlen und inneren Konflikten ungefragt an mich aussenden einfach besser übergehen. Mich also irgendwie besser abgrenzen und es macht mir mein Leben deutlich einfacher. Ich kann ein paar Stunden einfach nur normal sein. Mit Menschen reden, ihnen nahe kommen, volle Diskotheken ertragen, lachen, reden und einfach nur Spaß haben. Soweit so gut. Das Problem an der Sache ist allerdings, daß ich dann aber auch nicht merke daß ich eigentlich schon viel zu voll mit all dem Wahrnehmungszeug bin und dann von alles ist gut und schön, direkt in den Overload falle. So komplett ohne Übergangsphase. Einfach zapp und aus. Als würde jemand den ON/OFF Schalter umlegen. Das kanns ja auch nicht sein. Zumal ich dann ja wieder ewig brauche, um auf Normalmaß zu kommen.

Aber es tut mir manchmal auch einfach nur gut, nicht so schrecklich übersensibel zu sein. Solange ich jemanden an meiner Seite habe wie meinen Mann, klappt das auch ganz gut ohne abschließenden Overload.  Der hat quasi Antennen für Dinge die mir nicht guttun und zieht mich schon ganz automatisch da weg, wo ich noch gar nicht merke daß da was doof ist.

Aber wie geht sowas eigentlich ohne Alkohol? Wie kann man all das dämpfen ohne diese fiesen Nebenwirkungen?

Mir fallen nur 2 Lösungen ein. So weitermachen und das Gute genießen während man das schlechte in Kauf nimmt oder mich all meinen Sensibilitäten hingeben und zu Hause bleiben.

Ich genieße es sooooo sehr, mit meinen Freunden ausgelassen sein zu können und das Leben einfach mal zu genießen und auf sich zukommen zu lassen. Ich bin supergerne unter Menschen. Ich habs auch schon oft ohne Alkohol probiert, aber es ist dann immer superschwer und der Abend endet meistens damit daß ich fluchtartig unter irgendwelchen Vorwänden abhaue oder mich im Minutentakt auf Klos verkrümele und dort mit zugehaltenen Ohren schaukelnd sitze. Das kanns ja auch nicht sein.

Vielleicht sollte ich einfach mehr mit meinesgleichen feiern gehen. Das hat mir ein paar mal auf Forentreffen und so schon echt gutgetan. Da gabs Spaß ohne Overload und ich wollte gar nicht mehr nach Hause gehen. Aber woher nehmen?

Warum ich nicht Kleiderkreiseln kann

Ich hab mal wieder versucht normal zu sein, bzw. so zu sein wie alle anderen um mich herum und prompt geht das natürlich wieder schief. Ich kann auch irgendwie immer noch nicht so richtig damit aufhören, obwohl es mir inzwischen immer mehr bewußt wird, wie dämlich das eigentlich ist.

Alle meine Freunde kleiderkreiseln. Das heißt sie stellen ihre alten Klamotten, ähnlich wie bei ebay ins Internet und andere können sie dann kaufen. Ich habe im letzten Jahr viele Kilos abgenommen und daher eine komplette Kollektion an Klamotten übrig. Da ich allerdings meist nur hochwertige Biosachen kaufe, trauere ich auch ein wenig um die viele Kohle die in den Klamotten steckt und kann sie daher nicht wirklich wegwerfen. Also beschloss ich, es auch mal mit verkaufen zu versuchen. All das brauchte in den letzten Monaten etwa 4-5 Versuche, bis ich mich endlich aufgerafft habe jedes Teil einzeln zu fotografieren, zu beschreiben und mir einen Preis auszudenken. Es sollte ja einer sein der mir gefällt und zu dem das dann aber auch noch gekauft wird. Das ist schon mal gaaaanz schrecklich für mich dieses Preisausdenken. Ich kann das einfach nicht, diese Sache mit den Preisen. Ich kann schlecht handeln und selbst bei ebay weiß ich selten, wieviel ich eigentlich bieten müßte. Ich gehe echt gerne auf Flohmärkte, aber schon jeden einzelnen Preis erfragen zu müssen mit dem Wissen daß bei der genannten Zahlt sowieso noch Spielraum eingeplant wird, macht mich fertig. Ich mag feste Preise die einfach so dran stehen irgendwie lieber, obwohl ich Dinge mit den anderen Methoden sicher deutlich günstiger bekommen könnte. Auf jeden Fall habe ich es geschafft, meine Klamotten angemessen dargeboten ins Internet zu bringen und ich war so verdammt stolz. Ich habe sogar noch einzelne Anfragen, ob ich dieses oder jene Kleidungsstück mit Menschen die ebenso etwas anbieten tauschen möchte freundlich nach Durchsicht ihrer in meinen Augen total schrecklichen Klamotten mit nein beantwortet. Ja, und dann kamen die echten Interessenten die wissen wollten wieviel ich für den Pullover oder die Hose samt Porto nehmen würde und dann war der Ofen aus bei mir. Ein Zustand in dem nichts mehr geht. Ich konnte weder antworten, noch hatte ich überhaupt eine Antwort. Ich will nicht für jedes einzelne Teil so einen riesen Aufwand machen und dann noch ewige Konversationen führen, Preise recherchieren, Verpackung organisieren, alles einzeln verpacken, aufpassen nichts falsch zu frankieren usw. usw. Das kann ich einfach nicht!!!

Heute, nach einer Woche haben wir Sperrmüll zur Müllkippe mitgenommen und ich habe den Beutel mit den richtig schweineteuren guten Sachen die zu 80% hätten verkauft sein können einfach mitgenommen und weggeworfen. Gleich werde ich noch meine Klamotten im Internet kommentarlos löschen. Ich muß total bekloppt sein, aber ich fühle mich total befreit seitdem. Jetzt weiß ich endlich, warum es professionelle Ebayreinsetzer gibt, denen man all seinen Kram auf den Tisch wirft und sie zahlen einem die Hälfte der erlangten Kohle aus. Sowas hätte ich dann gerne mal hier im Ort. Solange werde ich weiter gutverkäufliche Dinge einfach gnadenlos wegwerfen, anstatt sie zu verkaufen.

Manchmal wünschte ich echt, ich wäre anders…ach nee, bin ich ja schon