geh mir wech mit all den Festivitäten im Herbst/Winter

Es kommt so langsam der Herbst und damit auch der Beginn der horrorhaften Jahreshälfte in der wirklich jeder in unseren beiden Familien Geburtstag hat. Dazu wartet Weihnachten, Silvester und weiß der Kuckkuck nich noch alles an Festivitäten auf uns an denen von anderen Menschen erwartet wird was wir zu tun haben. Ich hasse es mir ständig irgendwas wünschen zu müssen, Menschen die ich nur bedingt mag zu stundenlangen Geburtstagsarien zu begleiten, mir nen Kopf um passende Geschenke zu machen, auswärts zu schlafen, die Bude mehrfach selber voll zu und vorher passend geputzt zu haben, Gästebesuche schlau zu koordinieren um Begegnungen zu vermeiden und alle passend ihrer Eßgewohnheiten zu bewirten, Familienfeiern und Übernachtungsgäste zu ertragen usw. Daneben wird natürlich versucht es sich selber irgendwie entspannt und nett zu machen. Ein Ding was eigentlich jedes Jahr zumindest für mich krachen geht weil ich irgendwann durchdrehe ob des Stresses.

Nun könnte man ja sagen, hey…wenigstens zu unseren eigenen Geburtstagen könnte man ja einfach mal ganz abhauen. Ich will das eigentlich gar nicht dieses abhauen weil ich mich hier wohl fühle und was hilft uns das denn? Der Familienmob erwartet uns dann eben danach zu sehen um zu gratulieren, zu speisen, Geschenke auszutauschen und um ihre anderen komischen alljährlichen Rituale durchziehen zu können. Ohne geht es einfach nicht, denn sonst müssen wir am Boden zerstörte Menschen ertragen was noch schlimmer ist für uns. Freunde von weit weg und Nachbarn mit unpassend alten und nervigen Kleinstkindern wollen das Tochterkind zum Geburtstag besuchen und erwarten eine eigene Einladung, Kitakinder wollen ohne nervige Kleinkinder feiern, der Gatte der direkt danach Geburtstag hat will zu seinem Tag keine Kinder dabei haben. Weihnachten muss man beieinander sein und zumindest mit unsem Tochterkind gemeinsam feiern als liebende Großeltern. Davon haben wir allerdings ne ganze Menge und die kommen dann alle auf einmal samt übernachten, obwohl sie sich gegenseitig nicht gut riechen können. Natürlich darf ich dann ausbaden daß bei uns dann alles anders läuft als sie es gewohnt sind und gerne hätten. Da sag mal einer ich als Autist brauche Routinen und Rituale. Die anderen Menschen um mich herum sind da doch 1000x schlimmer. Es scheint für all die normalen Menschen um mich herum mal so gar nicht ohne zu gehen. Ich brauche lediglich ab und zu mal etwas Ruhe vor den Routinen anderer und würde gerne all diese albernen Feiereisachen aus meinem Leben streichen. Aber die Alternative alles abzusagen ist auch wenig reizvoll, da mich sich verletzt fühlende, grummelnde unzufriedene Menschen die ihre Routinen verloren haben auch ohne daß ich ihnen gegenüberstehe noch mehr innerlich verletzen können als wenn sie nur halbgrummelnd bei mir auf dem Sofa hocken und ihre Routinen dabei haben.

Mit genau dieser Sache haben sie mich echt immer alle in der Hand, denn nach Abwägung der negativen Konsequenzen für mich selber und meine Gesundheit wähle ich echt immer das was den anderen recht ist und nicht mir.

Ich ertrag einfach keine übellaunigen und enttäuschten Menschen neben mir. Das rauschen was die aussenden das macht mich nicht nur seelisch sondern sogar körperlich richtig übel krank.

Also immer nach viel Nachdenken das kleinere Übel gewählt und meine schlechte Laune und mein gegen den Strich leben (was auch nicht sonderlich gesund ist) in die Waagschale geworfen um zumindest nicht ernsthaft krank zu werden. Natürlich werfe ich mir diese Entscheidung dann jedesmal selber vor, weil sie eben auch nicht richtig ist. Aber es gibt keine Lösung die gut ist für mich. Zumindest sehe ich sie nicht.

Doofe Sache, doofe Frau Anders!

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grübelgrübelgrübel…

Wer bin ich eigentlich und wer nicht und wer hat denn jetzt nun eigentlich Recht? Das alte oder das neue Ich?

Wenn ich andere so sehe und lese denke ich, ich komme glaub ich recht gut klar nach 35 Jahren Normalität nun zu erkennen Asperger zu sein. Dennoch ist es bei allem was es für mich positives bringt auch sauschwer zu ertragen und zu kapieren. Es wirft mein ganzes Leben, meine ganze Vergangenheit und mein ganzes Selbstbild was ich mir in 35 Jahren mühsam erschaffen hatte durcheinander. Nein, nicht nur durcheinander, alles ist einfach komplett anders als zuvor. Das verwirrt mich eigentlich am meisten. Wie kann man Dinge für sich selber sooooo falsch sehen??? Alles ist nämlich nicht nur anders, sondern in fast allen Fällen genau das Gegenteil von dem was ich annahm. Ein Beispiel? Ich dachte immer mein Leben lang ich fühle mich in Gesellschaft anderer Menschen pudelwohl und wenn ich nur noch mehr Gesellschaft hätte, ginge es mir sicher besser als es mir aktuell geht. Ich schob mich regelmäßig durch düstre überfüllte Clubs und Kneipen, war auf jeder Feier dabei, große Menschenmengen waren mein zu Hause, seie es auf Festivals oder Fußballspielen und ich lechzte immer nach Gesellschaft anderer Leute. Am liebsten 24/7. Bloß nicht eine Minute irgendwo alleine rumhocken, denn dann gehts mir ja sicher schlecht. Heute weiß ich, daß das alles totaler Blödsinn war. Ich kann die Gesellschaft anderer nur dosiert ertragen und je mehr davon auf mich einströmt, desto mehr raubt es mir meine Kräfte und macht mich kaputt. Was für ein Wunder daß es mir damals seelisch immer voll schlecht ging! Aber ich war einfach blind. Meine heutige Sichtweise und somit Realität ist quasi genau andersherum zu dem, wie ich sie 35 Jahre lang eingeschätzt habe und gelebt habe. Und das Schema daß heute alles genau andersherum funktioniert oder ist als früher angenommen kann ich tatsächlich auf fast alles legen was mir einfällt. Seie es für was für einen Menschen ich mich eigentlich so halte, seien es all meine Stärken, Schwächen und Charaktereigenschaften. Heute bin ich quasi das Positiv vom Negativ was ich immer lebte. Hey, das fühlt sich echt scheiße an und kann einen schon schwer verwirren.

Ich frag mich immer wieder, das kann doch nicht alles falsch gewesen sein? Ich habe es doch damals sogar irgendwie genossen und ich will doch auch gar nicht der autistische menschenscheue Stubenhocker sein. Ich bin gefangen zwischen Anspruch und Können. Oder war ich es früher einfach nur gewohnt und tat das was alle taten und ich kein Alternativmodell kannte? Auf jeden Fall habe ich damals viel Zeit damit verwand zu irgendwie zu kapieren was bloß mit mir los seie und es ging mir hundsmiserabel. Ich war stockendepressiv, suizidal, rauchte, trank, nahm Drogen, machte leichtsinnige Dinge, umgab mich bevorzugt mit Menschen die mir schadeten, ich bin zB. auch regelmäßig ohne Vorwarnung umgefallen, bevorzugt auf Konzerten. Man schob es auf Alkohol, lange stehen, whatever. Heute würd ich mir das mit einem klassischen Shutdown durch all die Überforderungen erklären der mich ja tatsächlich körperlich wie geistig von jetzt auf gleich komplett ausknipst. Ich war einfach total neben der Spur, in allem. Aber ich war dafür auch eine echt coole Sau und habe viele tolle Dinge erlebt die mir heute zum Teil sehr fehlen.

Heute bin ich anders, eigentlich voll langweilig. Heute geht es mir dafür aber seelisch besser. Ich erkenne langsam immer deutlicher,  wenn ich wirklich ich sein und mit mir in Frieden auskommen will, muß ich noch weiter zu einem Menschen werden der ich gar nicht sein will aber bin. Halb so, halb so sein und sich überall die Rosinen rauszupicken versuchen funktioniert einfach nicht. Noch lebe ich so, aber ich befürchte es reicht nicht. Ich muß einfach in Zukunft noch besser mit meinen Kräften haushalten, sie schlau einteilen, kürzer treten, ruhiger leben, mich mit anderen Menschen umgeben und vielleicht sogar in meinem Job was ändern. Blöde Sache! Das will ich doch gar nicht und irgendwie doch. Es fühlt sich ja eigentlich ganz gut an, dieses neue Leben. Aber es klingt Hölle langweilig und das mir als steter und bunter Geist. Ich habe aber auch sehr große Angst alles zu verlieren was mir durch mein altes Leben wichtig geworden ist.

Ganz vorne an stehen da Menschen. Menschen die mich mögen weil ich so bin wie ich ähm „war“. Menschen und Freunde die in meinem Herzen wohnen die auch ich sehr schätze und liebe. Ich frage mich immer wieder, mögen diese Menschen auch Menschen die total das Gegenteil von dem sind was sie so sehr schätzen? Wäre es wirklich verwerflich, wenn sie dann nicht mehr zu mir halten wenn ich komplett anders bin? Schließlich habe ich ihnen ja mein Leben lang ohne Absicht falsche Tatsachen vorgespiegelt, während sie immer echt waren und nur drauf reagiert haben. Ich würde ihnen keinen Vorwurf machen, wenn sie gehen. Wünschte mir aber daß sie bleiben. Vielleicht muß es die Zeit zeigen…

Mir tut vor allem mein Mann manchmal echt leid. Der hat ja nichtmal geahnt was er da für eine Person geheiratet hat. Er ist der wichtigste Mensch in meinem Leben und ich habe supergroße Angst daß das was immer so großartig zusammengepaßt hat, nun irgendwann nicht mehr passen könnte weil ich mich so stark verändert habe. Nicht unbedingt zum positiven was unser Miteinander angeht. Das glaube ich zumindest. In einigen Dingen passe ich plötzlich gar nicht mehr mit ihm zusammen, wo es immer megastimmig war. Wenn es andersherum wäre, und er sich so arg verändern würde wüßte ich nicht wie ich damit umgehen sollte. Schade daß er es so gar nicht so mit dem reden hat, sonst könnte man einiges sicher klären.

Alles doof…

keine Traute

Ich trau mich nicht so recht über Dinge zu schreiben, über die „man“ ja nicht schreibt. Dabei finde ich da nichtmal was bei und sicher werden grade solche Dinge die Menschen interessieren. Es ist wie ein innerer Drang auch darüber zu schreiben, denn es gehört ja auch zu mir. Bei mir gibts eigentlich keine Tabuthemen. Leider lassen mich viele Jahre neurotypische Erziehung und auch das persönliche erleben daß es nicht immer gut ist so offen zu sein immer wieder zweifeln.

Ich hab einfach kein Gespür dafür wie weit man gehen kann wenn es heißt man dürfe offen sein. Bei mir gibts eigentlich nur ein alles offen oder nichts und ich unterscheide da eigentlich nicht zwischen Freunden, Kollegen oder Fremden. Ich rede offen über Sex, Vorlieben, Partnerschaftliches, Depressionen, Religion, Suizid, Tod whatever und habe oft sehr ungewöhnliche Ansichten diesbezüglich die nicht jeder immer hören mag. Früher hab ich das wirklich jedem ungefragt um die Ohren gehauen, sobald ein Gespräch in eine gewissen Richtung tendierte. Aber ich bin ja durchaus lernfähig und habe gelernt nicht mehr alles fromm und frei herauszuposaunen. Ich muß es mir im Leben da draußen ja nicht noch schwerer machen als ich es eh schon habe. Dennoch kostet es mich täglich Kraft, denn es ist ein Verstellen und ein „nicht man selber sein“ und es fordert mir extrem viel Konzentration und Denkvermögen ab die Klappe zu halten wo mein ich einfach nur reden will. Zum Glück habe ich mir seit ein paar Jahren einen durchaus passablen Freundes- und Bekanntenkreis zusammengestellt, wo man wirklich offen über allesmögliche reden kann.

Aber es gibt so schrecklich viele Nichtdirektfreunde in meinem Leben mit denen ich auch im regen und manchmal auch recht engem Kontakt stehe wie zB. berufliche Kontakte, Nachbarn, Patienten, Ärzte, Fußballfreunde, Freunde meines Mannes, Familie… Ich bin im täglichen Kampf mich nicht zu verquatschen

Was wäre eigentlich, wenn ich dieses Klappe halten nicht mehr tun würde?

Wenigstens nicht hier?

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trau mich nicht 😦

Alles neu…also ich hoff zumindest

Heute gehts mir schon wieder etwas besser. So langsam bin ich ja auch im Training mit diesen ewigen Aufs und Abs und ich weiß daß jede Nachwehe auch irgendwann verarbeitet ist. Ich bin ja zum Glück ob der erhöhten Denktempos sowieso sehr schnell darin, Dinge zu betrauern, zu verarbeiten um danach was draus zu machen.

Heute hab ich auch mal was gemacht. Ich habe mich mich nach langem hin und her entschieden meinen kleinen Sozialhelfer Alkohol konstant wegzulassen um zu gucken was passiert mit mir. Ja, auch jetzt so vor all den lustigen Events die vor mir liegen. Zudem darf ich dann endlich die für meine durchdrehende Insulinresistenz wichtigen Tabletten nehmen, die als Langzeitmedikation eine totale und absolute Abstinenz fordern. Ich habe Angst davor, aber ich will es jetzt endlich wissen. Ich will klaren Kopfes meine echten Grenzen spüren um vielleicht endlich mal adäquat drauf reagieren zu können, anstatt ständig über meine eigenen Grenzen zu trampeln. Aber ich habe auch sehr große Angst, Angst davor zu entdecken was ich vielleicht irgendwie eh schon weiß. Angst, Sozialkontakte noch weniger ertragen zu können als jetzt. Angst daß sich Menschen von mir zurückziehen und ich mich noch mehr von ihnen. Angst vor der geistigen Einsamkeit.