rotier

Boah, ich rotiere hier grade mal wieder.

Am Donnerstag hab ich meinen Diagnostiktermin den ich ja eigentlich absagen wollte, weil ich ihn für mich nicht mehr brauche. Ja, ich wollte es wirklich aber ich bin nicht in der Lage dort anzurufen um mich zu erklären. Ich bin nicht in der Lage das zu tun, was ich so schön im Kopf geplant habe. Ich werde dort nun also hingehen, obwohl ich gar nicht will und gar kein Geld dafür habe. Einzig weil ich nicht in der Lage bin abzusagen. Aaaaaargh!

Nun lass ich halt dem Schicksal seinen Lauf und ärgere mich. Parallel fange ich an irre zu werden um Listen über Listen zu füllen an denen ich mich vor Ort festhalten kann. Ich hänge völlig in der Luft weil ich 0 Informationen habe und mich nicht passend vorbereiten kann. Ich habe weder einen Vorabfragebogen bekommen, noch Dinge gesagt bekommen die ich mitbringen soll oder schon mal drüber nachdenken soll, noch hat die Praxis eine Webseite wo man schon mal gucken kann wie das da so aussieht, noch hab ich die Person googeln können um mal zu gucken wie sie aussieht oder wie als sie ist. Einzig vor 1,5 Jahren hatte ich mal Emailkontakt um einen Termin zu bekommen. Mehr weiß ich nicht. Ich weiß ja nichtmal ob es die Praxis noch gibt und die Preise noch stimmen und Emails werden dort fast nie gelesen weil die web.de Adresse oft überfüllt ist. Alles sehr unprofessionell und autistenunfreundlich wirkend wie ich finde. Ich könnte ja vorher mal anrufen und fragen, wenn ich denn anrufen könnte…hahahaa

Aber ich vertraue auf die Erfahrungen anderer die alle sehr begeistert sind von ihr als Person, ihrer Kompetenz im Bereich von Erwachsenen und ihr stetig zeitaktuelles Wissen jenseits von Fragebögen und Fachbüchern.

Viel zu tun, ähm denken

Das Hirn ist derzeit so voll, daß kaum Aktivität zum schreiben und reden möglich ist. Es geht mir aber sehr gut dabei. Mir fallen ständig Dinge ein, die ich schreiben will aber dann verwerfe ich sie wieder. Meistens deshalb, weil es einfach viel zu komplex ist.
Dennoch versuche ich mich, in meinem neuen Leben mit meinem neuen Wissen etwas besser einzurichten.
Ich lese viel, wie andere Asperger mit Dingen umgehen und probiere aktiv alternative Lösungsmöglichkeiten aus und ich rede mit anderen darüber.
Auf der anderen Seite erkenne ich erstmalig, was ich eigentlich schon tolles an eigenen Methoden entwickelt habe, daß es mir bei Stress und Überforderung besser geht. Das sind meist Dinge, die mir bis dato nie bewußt waren.
Und ich versuche mehr aktiv auf mich zu achten bevor es mir schlecht geht, statt damit erst anzufangen, wenn alles zu spät ist.
Ich schreibe erstmalig ganz bewußt Emails statt zu telefonieren
Ich perfektioniere meine bereits vorhandenen Listensysteme statt über sie und mich zu lachen
Ich plane mir passende kleine Auszeiten ein
Ich lehne Verabredungen fest ab, von denen ich außer Stress nichts habe
Ich fröhne auch ein bißchen meinen ganz speziellen autistischen Macken (jetzt darf ich ja, irgendwie auch)
Ich dusche bewußt heiß, wenn es mir nicht gut geht
Ich probiere in Bezug auf stimming und Co, all das aus was in mir raus will und was ich mein Leben lang erfolgreich unterdrückt habe und stelle fest wie schnell und effektiv es mir hilft
Ich glaube nicht mehr an die starke Frau, die jeden Schmerz ertragen kann sondern nehme mich als super schmerzüberempfindlichen Jammerlappen liebevoll an (wie konnte ich nur ein Kind gebären)
und, und, und…

Irgendwie ist das toll. Ich entdecke soviele tolle neue Dinge die mir irgendwie in meinem Leben helfen und guttun.

Das einzig krasse in dieser Zeit ist der Satz der immer wieder wie eine blinkende Leuchtreklame in meinem Kopf aufleuchtet:

„Wie konnte ich nur so blind sein und was gibt es eigentlich da draußen was ich auch heute vielleicht noch nicht sehe?“
Ich bin gespannt

Listen über Listen

Im Rahmen meiner Selbsterkenntnisse entdecke ich immer mehr Eigenheiten von mir die ich schon kannte, weil sie schon immer da waren, aber mir war nie so recht bewußt waren in welchem Ausmaß sie bestehen. Ich führe Listen. Massenweise Listen über allesmögliche. Es gibt mir irgendwie Halt im Leben. Es hilft mir mein Hirn zu leeren, denn sobald etwas niedergeschrieben ist, brauche ich nicht mehr daran zu denken und kann mich anderen Dingen widmen. Und so führe ich ein Sammelsurium an diversen Listen und kann jegliche Informationen zu allen möglichen Dingen jederzeit ergänzen oder eben auch bei Bedarf abrufen. Sehr auch zum Leidwesen meiner Mitmenschen, die sowieso schon immer beklagen daß ich zu allem irgendwie genaue Informationen abrufen kann. Ich habe mal in Rechner, Lesezeichen, Notizbücher usw. geschaut, worüber ich eigentlich so Listen führe und mag einfach mal notieren was ich da alles auf den ersten Blick gefunden habe. All diese völlig unterschiedlichen Themen und Dinge stehen tatsächlich so nebeneinander. In meinem Lieblingsprogramm was leider nicht mehr weiterentwickelt wird führe ich:

Kochrezepte, Wo kann man welche Ökokinderklamotten in welchem Laden zu welchem Preis kaufen, Bastelideen jeglicher Art- unterteilt nach Materialien und Aufwand, Ökotestergebnisse der letzten zig Jahre für allemöglichen Produkte die ich nutze, Businessplanideen und Brainstorminglisten, Vergleiche allemöglicher Geräte wie Staubsauger, Kühlschränke, Kindersitze, Autoreifen, Drucker usw. nach all ihren Merkmalen und Stromverbräuchen usw., Kinderkrankheiten, Essenpläne und Listen, Listen über gesunde Ernährung, Knabberfische, Neurodermitis, Kosmetikprodukte, Gehaltsvergleiche, plastikfreie Dinge und Bezugsquellen, Sinnsprüche die ich mag nach themen, Ausgaben die ich in der Steuererklärung nicht vergessen will, Umzugslisten, Mitnehm- und Packlisten für allemöglichen Ausflüge und Urlaube, Frisurideenlisten, Listen wann man was im Garten übers Jahr machen soll, Medikamentenlisten und Medikamentenvergleiche für alles was ich mal brauchen könnte, Bankenvergleiche, Giftstoffbezeichnungen in Kosmetika, Töpferideenlisten, Einladungskartentextsammlungen, diverse Vergleichs- und Ideenlisten zum Thema Hochzeit, Ernährungsprogrammlisten, Wildkräuter, Versicherungen, Selbermachprodukte im Haushalt, Listen mit Textsammlungen für meinen Job, Linklisten für allemöglichen Themen und Unterthemen, was ich alles mal ausprobieren will im Leben-Liste, Listen über meine Erkrankungen und körperlichen Auffälligkeiten, Listen über mich und meine positiven wie negativen Eigenschaften, Listen wem ich im Falle einer Adressänderung Bescheid geben muß, Ausflugsideenlisten, Bloglisten, Bücherlisten, Musiklisten, Geschenkideenlisten, Hauskaufthemenlisten, Listen für Dinge aus meinen Computerspielen, Reiseideenlisten, Listen über Firepoifiguren die ich schon kann, Klamottenlisten, Klamottenshoplisten, Silikonölvergleichslisten, Druckerpatronenlisten, Wohnungseinrichtungsideenlisten, Wohnwagenpreisvergleichslisten, Was könnte ich gleich mit kaufen falls ich mal im Laden X,Y,Z bin oder da und da bestelle im Internet, Listen über Fakten zu bestimmten Erkrankungen, Spritverbrauchslisten, Kreditvergleiche, Einkaufslisten sowieso, Listen über Sprachfehler und lustige Sätze meiner Tochter, Listen über die Namen unserer neuen Nachbarn, Listen über die Passwörter meiner Mutter (für den Computersupport), Listen über Fachwerksanierungsthemen, Listen über notwendiges für meine eigene Praxiszulassung, Listen mit Gesetzesinhalten zu diversen Themen, Lesen will listen, Listen was ich an meinem Mann doof/gut finde, Listen mit den Maßen unserer Wohnung, allen Tischen und so, Namenslisten der Namen die mir gefallen, Haarfarbenlisten, Nählisten, Listen über Dinge die ich gerne tue oder mal gemacht habe, Listen der Männer mit denen ich mal was hatte (hüstel…), Listen über Geldausgaben, Listen über den Ablauf von Routinearbeiten im Alltag usw. usw.

Dazu kommen diverse Lesezeichen, Notizzettel auf Rechner/Handy/Papier und so.

Wenn man das so liest, fühlt sich das ganz schön bekloppt an was ich da treibe. Mir war es wirklich nicht bewußt wie viel das dann gesamt gesehen doch ist. Dabei ist es nur ein winzig kleiner Auszug aus all den Listen und Unterlisten die ich führe und mit denen ich bei Bedarf auch regelmäßig arbeite. Wie gut daß ich wenigstens keine Liste brauche um zu wissen was auf welcher Liste steht sondern alles sofort finde 😉 Trotzdem tut es mir gut mich damit zu beschäftigen und am liebsten würde ich noch viel mehr Zeit meinen Listen widmen, sie mal auf Aktualität prüfen und sie am liebsten alle an einem Ort verwalten können. Irgendwie „erdet“ mich das. Schon seltsam…

Was mir jetzt dazu nur noch fehlt ist eine neue Form, meine geliebten Listen zu führen und dann auch immer bei mir zu haben. Ich fummel mich grade in Evernote ein, was ich dann ja auch auf dem Handy abrufen kann aber so richtig warm werde ich damit auch noch nicht und ein paar Funktionen fehlen mir dann doch noch.

Also falls es noch andere gute Tips gibt, immer her damit.  Gibt es eigentlich hübsche Listenbücher oder so?

Berlin, Berlin…

Morgen geht es für ein paar Tage nach Berlin. Ich freue mich schon sehr, denn wir besuchen unsere besten Freunde dort. Die sind vor einem Jahr mit der kompletten Familie nach Berlin gezogen und wir vermissen sie schon sehr. Es gibt ja leider nicht so viele Menschen in unserem Leben die mit all unseren Sonderbarkeiten und Macken klarkommen. Aber irgendwie sind die auch anders als alle anderen. Vielleicht paßt es deshalb so gut. Auf jeden Fall war es ein sehr großes Drama für mich, als die beiden weggezogen sind und wir uns nun nur noch geplant und superselten sehen können. Dennoch hab ich das Gefühl, daß ausgerechnet bei uns der Kontakt nicht abreißen wird wie bei den meisten. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil wir ihnen genauso gut tun wie sie uns.

So sehr ich mich auch freue, so sehr hab ich auch ein wenig Angst. Die beiden wohnen in einer sehr kleinen Wohnung wo man sich kaum aus dem Weg gehen kann, sie haben inzwischen 2 Kinder und sind die totale Chaosfamilie. Chaotisch, laut, endgestresst drauf usw. Naja und wir dann auch noch als Selberchaosfamilie mit 3 schnell reizüberforderten Menschen dabei…ich sehe schon 4 Erwachsene mit Overloaderscheinungen schaukelnd in der Ecke sitzen oder sich genervt anzicken, 3 heulende Kinder. Der eine will weiter springen, der andere will endlich seine Ruhe haben und das 3. Kind ist einfach nur müde. Ach watt freu ick miar.

Aber vielleicht wird es auch ganz toll. Ich kann mich ja auch immer so super in diese dämlichen Vorabängste hereinsteigern. Dazu kommen die ganzen Packplanungen. Ja nichts vergessen (vor allem nicht Ohrstöpsel und Sonnenbrille- ich würde sterben). Ich bin was das angeht total speziell. Ich plane ewig für jeden noch so kleinen Ausflug. Ich bin dann aber auch für alle Eventualitäten gerüstet. Ich erstelle Listen, packe Eventualitätenkoffer in zigfacher Ausführung. Der perfekte Unterwegskoffer mit Essen, Trinken, Antilangeweilespielen, Notfallgadgets etc. Der Klamottenkoffer für jeden mit warmen Sachen, Sachen falls es doch kalt werden könnte, Badesachen falls wir spontan mal schwimmen gehen würden, mit schicken Sachen falls wir mal schick Essen gehen könnten usw, jeder bekommt eine passende Waschtasche (ich hab sogar 2)Der Notfallmedizinkoffer, perfekt ausgestttet versteht sich natürlich. Dann die Mitbringsel für alle, Zettel für die Katzenfütterer (natürlich auch mit exakt ausgearbeiteter Anleitung, mit allen Notfallnummern und Adressen), ich hab das Auto ausgeräumt und alle Öl und Sonstwiestände kontrolliert, Erdgastankstellenlisten für Tanken auf dem Weg angelegt, generell alternative Wege geplant falls es Stau geben könnte und, und, und….Man könnte denken, wir ziehen um. Dabei geht es „nur“ mal ein paar Tage nach Berlin.

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach ein paar Sachen zusammenraffeln und einfach entspannt losfahren. Das kostet doch alles so viel anstrengende Denkzeit und wenn es dann endlich losgehen kann bin ich von all dem total platt und genervt und grübel panisch was ich alles vergessen haben könnte.

Naja, ich mach dann mal weiter mit packen…