Chaos im Außen, Struktur im Kopf

Wie habt ihrs eigentlich mit Regeln und Struktur? Für mich ist es wohl wichtiger als ich manchmal glaube, dennoch gelingt es mir einfach nicht mein Leben in eine gewisse Struktur zu drücken. Dabei denke ich in Strukturen und wünsche mir nichts mehr als etwas mehr klarere Abläufe, weil das für mich Kontrolle und Planbarkeit bedeutet. Ich dachte immer Autisten wären alle immer so voll strukturiert, mit sauberen Wohnungen, gut sortieren Bücherregalen und festen Tagesabläufen. Ich hingegen schaffe es aber nichtmal, meinen Alltag und unsere Wohnung vernünftig zu strukturieren. Was ihr sehr ist die Oberqueen des Chaos, jemand der alles stehen und liegenläßt, der ständig vergißt wo er etwas hingelegt hat, der zerstreut und faul wirkt. Dabei bin ich eigentlich der ordentlichste und strukturierteste Mensch den ich kenne. Im Inneren halt. Ich schaff es einfach nicht, das Außen passend zu gestalten und wenn es doch mal klappt, kippt der Zustand in kürzester Zeit wieder um. Der Berg der im Außen noch fehlt ist einfach zu groß, die Ablenkbarkeit und Konzentrationsprobleme tun ihr Übriges dazu und so sehne ich mich also nach Ordnung und Struktur und das Chaos um mich herum wächst und wächst. Ich fühle mich dem total hilflos ausgeliefert. Ich glaube manchmal daß genau das meine größte Behinderung ist. Es bei allem Bemühen einfach nicht zu schaffen, was in meinem Kopf so klar und einfach ist. Mich an meine eigenen Regeln zu halten, Abläufe immer gleich zu gestalten, Dingen einen festen Ort zu geben usw. So sortiere, ordne und plane ich immer und immer wieder. Also im Kopf. Keine Sekunde in meinem Leben geht ohne das Denken an Ablaufpläne, Listen, Strategien. Das klaut mir eine Menge Zeit, Energie und Gedanken für andere Sachen, die vielleicht wichtig wären. Ich hab keine Ahnung wie man es schaffen kann.

Schon verrückt, denn mein Aspergermann beherrscht genau das bis zum Endgrad der Perfektion und wenn es ihn nicht gäbe, würde hier rein gar nichts mehr laufen in Familie und Haushalt und ich würde wahrscheinlich überfordert schaukelnd und stockdepressiv in der Ecke hocken während meine Wohnung aussieht wie die eines Messies. Aber so gut wie das auch ist, jemanden zu haben der mich etwas leitet und führt, desto schlimmer ist es auch für mich zu sehen wie einfach es alles für ihn ist. Das kann MAN doch „einfach“ mal machen. warum kann ich das denn nicht? Er ist genau das Gegenteil von mir und für ihn ist das Thema Ordnung und Struktur das leichteste der Welt. Ich bekomme somit auch ständig indirekte Kritik, daß ich dieses oder jenes ja ruhig mal hätte tun können. Niemand sieht daß ich es einfach nicht KANN. Es ist nicht das mangelnde Mühegeben oder Faulheit. Ich KANN es einfach nicht! Und meine NT Sozialisierung tut ihr übriges daß bei jedem Fünkchen Kritik sofort der blöde Denkapparat angeht und ich ewig überlege was alles schlecht ist an mir, daß ich nicht geliebt bin und was weiß ich nicht noch alles.

Wie komm ich da nur wieder raus?

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