just my 2 cents

Von allen Seiten strömt das Thema immerzu auf mich ein. Autismus seie eine Modediagnose, ohne offizielles Aspergerdiplom kann ich ja keiner sein, mitreden darf man ohne sowieso nicht, man müsse leiden, man darf nicht leiden, man müsse so sein oder besser noch so und überhaupt haben es anscheinend sowieso alle immer schlechter als die anderen und sind nur dann die einzig wahren. Man muß die hassen die anders sind, sich bekriegen, da gibt es Twitterautisten, Forenautisten, Modeautisten, Verleger, Verbandsmitglieder, Redner, Heiler…jeder gegen jeden.

Hey Leute, das ist doch total bekloppt!

Autismus ist doch nichts was cool und toll ist und was jeder unbedingt haben will. Wer sollte bitteschön einfach mal schnell denken daß er einer ist weil ihm irgendetwas im Leben schwer fällt und mit dieser Diagnose dann plötzlich alles schick ist? Wer hebt denn freiwillig den Finger wenn gefragt wird: „hey, Autismus zu vergeben. Willste haben?“ Also ich fand rein nichts toll daran, als ich nach vielen wirklich beschissenen Jahren quasi durch Zufall erkannte was mit mir los ist. Ich war neben einer gewissen Erleichterung schier geschockt und habe lange getrauert. Ich wollte nicht so sein und ich habe lange Zeit krampfhaft nach Indizien gesucht warum ich niemals SOOOO sein könnte. Der Weg bis zum heute wo ich mir 100%ig sicher bin Autist zu sein und auch durchaus positive Dinge an diesem anderssein entdecken kann war elendig weit und hart.

Ich finde jeder der auch nur ansatzweise einen Verdacht hat sollte absolut ernst genommen und gleichwertig behandelt werden wie Menschen die schon lange im Autismusboot sitzen. Denn schon alleine so weit zu kommen diesen Verdacht irgendwo offen anzusprechen ist ein viel weiterer Weg eines einzelnen als es auf den ersten Blick scheint. Diesen Weg nimmt man nicht „schnell mal“ auf sich weil es ja so cool ist.

Genauso ist es mit dem „Leiden“. Warum darf man eine Diagnose nur haben wenn man darunter leidet? Sind es nicht eigentlich diejenigen von denen man ganz viel für sich selber lernen kann die dieses Leiden irgendwie geschafft haben zu überwinden? Warum werden sie nicht gefragt, wie sie es schaffen dies oder jenes im Alltag da draußen soweit zu ertragen daß man zumindest nicht sofort durchdreht? Warum ist es andererseits nicht okay zu leiden? Wir sind doch alle unterschiedlich empfindlich. Warum können die, die etwas mehr leiden und die die dies weniger tun nicht friedlich nebeneinander coexistieren. Warum muß alles entweder- oder sein, und warum beschäftigen sich überhaupt alle ständig mit diesen Themen und bekriegen sich anstatt sich darüber auszutauschen wie Leben mit Autismus so schadfrei wie möglich gelingen kann? Ich hatte mir erhofft daß es unter Gleichgesinnten irgendwie angenehmer und friedlicher ist.

Warum ist es eigentlich schlecht, wenn es langsam immer mehr Autisten werden? Das vergrößert doch nur das Sprachrohr nach draußen.

Ich kapier eure kleine selbstgeschaffene Autistenwelt manchmal nicht und wenn ich könnte würde ich da aussteigen. Geht aber nicht, also bleib ich frech da. Mit all meinen Leiden und Nichtleiden, mit meinen manchmal unpassenden Ansichten, mit den falschen und richtigen Kontakten mit denen ich mich austauschen mag und ohne Aspiediplom.

Mal ganz ehrlich: Wir könnten schon längst die Weltherrschaft übernommen haben, aber wie ich sehe sind Autisten halt auch nur ganz normale Menschen und normale Menschen sind manchmal einfach doof wenn zu viele verschiedene aufeinandertreffen

Trotzdem mag ich euch alle irgendwie  😉

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4 Kommentare zu “just my 2 cents

  1. blutigerlaie sagt:

    schöne Idee mit der Weltherrschaft. Dem steht die Sehnsucht, angenommen zu werden (ja, auch bei Autisten…), leider entgegen. Und die Zombie-Parasiten 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Großartig geschrieben! Vielen Dank dafür (auch wenn ich NT mit Spezialeffekten bin ;-)).

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  3. Reblogged this on Sunnys Space and commented:
    Ein großartiger Text!

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  4. „Warum ist es eigentlich schlecht, wenn es langsam immer mehr Autisten werden?“
    Fakt ist, dass es nicht mehr werden – sondern nur mehr diagnostiziert werden.
    Mehr werden würde bedeuten, sie wachsen auf Bäumen und vermehren sich dadurch sehr schnell.

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