Was macht eigentlich das Familienleben?

Seltsam, eigentlich wollte ich ja auf diesem Blog über meinen autistischen Mann und mein vermutlich autistisches Kind schreiben und dann entdecke ich daß ich selber einer bin und schreibe nur noch über mich. Na sowas! Es ist aber nunmal eines der größten Themen überhaupt derzeit in meinem Leben. Ich fange an mich selber erstmalig kennenzulernen und weil ich schreibend am besten denken kann, schreibe ich soviel über mich.

Was macht eigentlich derzeit der Rest der Familie und wie geht er damit um?

Tja, mein Mann scheint wie eh und jeh relativ wenig daran interessiert was in mir so vorgeht. Vielleicht tue ich ihm nicht Recht mit der Vermutung, aber so richtig tiefgreifendes Interesse an inneren Dingen, Gedanken oder neuen Erkenntnissen meinerseits kann ich nicht entdecken. Ne kurze Info reicht ihm und dann widmet er sich gedanklich wieder anderen Dingen. Klingt es eigentlich sehr böse wenn ich sage daß er nicht viel „Tiefgang“ hat? Sowas gilt ja auf dieser Welt eigentlich als etwas Negatives. Er hat wenig Sinn für zwischenmenschliches Gedankengut, wenngleich er nie möchte daß es jemandem schlecht geht. Er beschäftigt sich lieber mit Planungen, Ausführungen, Dingen die erledigt werden müssen, allem was handwerklich anfällt und es ist wichtig daß gewisse Regelmäßigkeiten stattfinden und daß er zum Ausgleich dann noch genügend das tut was ihm gut gut. Er ist so gradlinig, er bringt alles zuende was er angefangen hat, er ist extrem ordentlich in allem was ihm wichtig ist. Das alles scheint schon all seine Kapazitäten komplett auszufüllen und da bleibt wenig Raum für so ungreifbares wie innere Dinge anderer Menschen. Das ist eigentlich das was ich in meiner Partnerschaft von Anfang an am meisten vermisse und was mir jeden Tag Schmerzen bereitet weil es mir so sehr fehlt. Reden über das was in einem vorgeht, was einen beschäftigt, welche Sorgen, Ängste und auch Freuden. Ich weiß wenig von seinem Innenleben und er wenig von meinem und daß nach 13 Jahren! Aber ich habe mich irgendwann mal entschieden damit leben zu wollen. Schließlich kann nie ein Partner alles ausfüllen was man so bräuchte und all die anderen tollen Dinge werten das Fehlende definitiv auf. Dennoch darf man es ja wohl auch mal vermissen. Daher versuche ich mit anderen die das eher vermögen so oft wie möglich auszutauschen, ich versuche mir Dinge von der Seele zu schreiben und ich habe gelernt einfach für mich selber zu denken.

Er ist so krass anders wie ich und es fällt mir immer noch schwer zu glauben daß wir beide ins Spektrum passen, wo ich jeden Tag sehen kann wie sehr anders Autismus noch aussehen kann.  Aber wir sind ein sehr gutes Team. Derzeit versuchen wir unser Fachwerkhaus zu renovieren und bauen nebenher die Praxis aus.

Das Tochterkind ist immer noch ein agiles Sonnenscheinkind das offen und fröhlich auf jeden zugeht. Dennoch beginnt sie langsam und Stück für Stück im Kindergarten anzuecken. Viele Kinder mögen nicht mehr mit ihr spielen und sie ist oft alleine und versteht es nicht. Sie verkennt soziale Situationen und reagiert oft unangemessen. Da heißt es daß Kinder sie nicht mögen weil sie weglaufen, dabei wurde sie sogar extra gefragt ob sie mit Fange spielen will. Wenn jemand doof zu ihr ist, denkt sie es wären Nettigkeiten und all so Kram. Keine Ahnung wie man damit umgehen soll. Wir versuchen sie für soziale Situationen zu schulen und generell zu stärken, aber ihren Weg muß sie letztendlich alleine finden. Auch ecken wir oft mir unserer Erziehung an, weil wir uns nicht immer an die Normerziehung halten. Wir haben unser Kind genau im Blick und wissen wann wir sie frühzeitig aus Situationen rausnehmen müssen und wann wir ihr Zeit geben müssen um erstmal runterzukommen nach zuvielen Sozialkontakten. Ich finde, wir machen das schon ziemlich gut wenn man bedenkt daß es unser erstes Kind ist, wir beide wenig Erfahrung mit so kleinen Kindern haben und wir auch noch täglich den Ballanceakt zwischen eigener stetiger Überforderung, eigenem Ruhebedürfnis und dem Willen für unser Kind ein Fels in der Brandung zu sein tätigen.

Aber wie sag ich immer so schön, wer meckert am meisten an unserer Erziehung? Ausgerechnet unsere Eltern! Das sind die Menschen die es bei uns damals total versaut haben tun jetzt so als wüßten sie wie es geht.

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