Shutdown

Es war mal wieder soweit, ein Zusammenbruch der exquisiten Sorte, den ich früher nichtmal als solchen erkannt hätte. Heute wußte ich in jedem Moment was passiert ist und was jeweils schuld daran war, ändern und verhindern konnte ich ihn dennoch nicht. Ich war auf einer Party. Eine laute verrückte Geburtstagsparty meiner besten Freunde in Berlin. Alle Menschen die dort waren kenne ich, wir fahren sogar oft zusammen auf Festivals. Ich mag alle sehr gerne, sie sind alle herrlich bekloppt und auch irgendwie anders. Wir haben getrunken, getanzt und gelacht. Es hätte alles so perfekt sein können. Aber mein Bauchgefühl war ne Woche vorher schon ein schlechtes und ich habe oft überlegt nicht hinzufahren. Ich hatte allerdings keinen konkreten Grund es nicht zu tun. Ich wußte worauf ich mich einlasse und habe mich bewußt dafür entschieden und es war mal wieder die falsche Entscheidung. Quasi eine Story aus dem nerverending Buch „Frau Anders versucht´s mal wieder mit dem Normalsein und scheitert kläglich in 1000 Akten“

Ich hatte echt gute Laune, war zufrieden, ausgeschlafen und halbwegs entspannt, ich freute mich über jeden einzelnen der da war. Super Vorraussetzungen eigentlich um Spaß zu haben. Ich habe mich auch sehr bemüht Spaß zu haben. Ich habe getanzt, mich unterhalten und dummerweise mal wieder getrunken. Das machte mich blind für den Punkt an dem ich hätte aussteigen sollen. Ich habe ihn dennoch gespürt und einfach mal ignoriert. Ich wollte doch dazugehören und wollte auch soviel Spaß haben wie „DIE“. Irgendwann stellte ich noch fest, daß dieses Zusammengehörigkeitsgefühl und dieses Gefühl wie nett wir und alle finden total falsch ist. Denn niemand redete mit mir. Also wirklich niemand! Ich konnte plötzlich sehen was passiert war. Eine Frau Anders die krampfhaft versuchte wie „DIE“ zu sein und sich dabei wahrscheinlich total zum Löffel machte. Was hab ich mir Mühe gegeben. Ich gebe mir ständig so irre viel Mühe, das kann schon gar nicht mehr wahr sein. Aber es gab für die anderen nur eine Frau Anders die all die anderen völlig verwirrte und verstörte, weil ich verwirrt und verstört war wahrscheinlich. Was danach passierte weiß ich mal wieder nicht. Ich erinnere mich noch daran mich krampfhaft am Handy festgehalten zu haben und den Kram auf Twitter niederzuschreiben und meinen Mann zu befragen was ich eigentlich falsch mache, daß sogar die engsten Freunde nicht mal mit mir reden wenn ich neben ihnen sitze. Dann kam der Shutdown. Ich glaube den hat mal wieder niemand bemerkt. Ich vermute, daß ich im Shutdown tatsächlich noch irgendwie rede, gehe und normale Dinge tue. Denn der Abend war noch länger und aus Erzählungen hinterher weiß ich daß noch vieles passiert ist, wo ich anscheinend anwesend war. Ja, ich war alkoholisiert und alle anderen auch. Aber ich war wohl nicht sonderlich auffällig, daß mir hinterher irgendwer etwas zugeraunt hätte was denn los gewesen wäre. Auch mein Mann hat nichts gesagt und ich traue mich einfach nicht, ihn zu fragen. Ich schäme mich so schrecklich weil ich nicht weiß was passiert ist. Weil sicher jeder meint daß ich mich zulaufen lassen habe bis zum get no. Mal wieder… Und ich weiß nicht was wahr ist…

SCHAM

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2 Kommentare zu “Shutdown

  1. anderssein2000 sagt:

    Schäm Dich bitte nicht.
    Ich weiß, ich schäme mich auch andauernd.
    Dieser Wunsch dazuzugehören, zu merken, dass man sich selbst etwas einredet, Anstrengungen unternimmt, die einem niemand dankt (man sich selbst am wenigsten), das ist alles so kraftraubend.
    Dass Du scheinbar zuviel getrunken ist, das ist blöd, aber nicht zu ändern. Und es ist auch nicht zu ändern, dass Du jetzt evtl. den Wunsch hast, dass sich die Erde unter Dir auftut…

    Versuch das alles aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Du hast es immer wieder versucht, egal wie schlimm es immer wieder für Dich ist, Du hast nicht aufgegeben = Du bist stärker, als Du es Dir momentan eingestehen kannst. (Und, wenn Du den Alkohol nächstes Mal (sofern es ein nächstes Mal für Dich gibt) meidest, wirst Du das auch sehen, irgendwie, auch wenn das alles nahezu unerträglich bleibt.)

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  2. Frau Anders sagt:

    Danke für deine Worte! Die tun gut

    Gefällt mir

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