Die Sache mit dem Selbstwert

Ich stehe inzwischen schon recht gut da mit meinem Selbstwertgefühl, auch wenn es noch vieles dran zu arbeiten gibt. Das war aber nicht immer so. Ich stamme aus einer Familie in der man weder ein „Selbst“ haben durfte, geschweige denn irgendeinen „Wert“ hatte. Meine Schwierigkeiten in sozialen Gefügen verhalfen mir ebenso nicht besonders zu Menschen an meiner Seite die mir zeigten wie wertvoll ich eigentlich bin. Da war niemand der mir dabei half. Eher traf ich dauerhaft auf Menschen die mir nicht wohlgesonnen waren, das Gegenteil in mir erzeugten und oft war ich es auch selber die aus wahrscheinlich ganz normalen sozialen Situationen etwas gegen mich selber zurechtbaute was vielleicht gar nicht da war. Da guckt einer blöd, weil er mich wohl doof findet, da haben Freunde plötzlich auch andere Menschen mit denen sie reden und ich denke sie mögen mich nicht mehr usw.
Umso mehr hänge ich mich an die wenigen Personen in meinem Umfeld die an meiner Seite stehen. Oft wohl viel zu sehr, daß ich diese wohl auch zu vergraulen scheine.
Trotzdem habe auch ich es inzwischen zu einigen losen aber wirklich guten Freunden geschafft und habe meinen allerbesten Freund sogar irgendwann mal geheiratet. Trotzdem ziehe ich meinen bis heute gewonnenen Selbstwert wenig aus ihnen sondern hab gelernt ihn rein aus mir selber zu ziehen. Wenn mich jemand fragen sollte, wie man das macht. Keine Ahnung. Ich lag wirklich so oft so sehr am Boden daß es gar nicht mehr tiefer ging, zerfloß in Selbsthass und Selbstekel und es ist ein Wunder, daß ich heute überhaupt noch lebe oder halbwegs gradeaus denken kann. Der Weg war lang, aber es was mein Weg und er ging irgendwann in meine Richtung und nicht in die die andere für mich geplant hatten. Ich fing an, irgendwann all das Übel von mir zu stoßen inclusive aller Menschen die mir nicht gut taten und meinen Fokus auf mein Leben zu legen. Ich habe den Job gelernt der zu mir paßt und nicht den, den andere an mir sahen, ich bin ausgezogen, ich habe mich dem Leben gestellt in dem ich auch alles für mich selber regeln mußte was mir auch heute noch so schwer fällt (Behörden, Einkaufen etc.). Alles war besser als wieder in die Hölle zurückzugehen und daher hab ich auch alle Energie da rein gesteckt es zu schaffen. Ich habe das Internet für mich entdeckt, konnte mich dort mit Menschen austauschen die das selbe interessierte wie mich, ich habe Dinge gelernt die ich schon immer mal können wollte, habe meinen Spezialinteressen gefröhnt, traf auf diesem Weg Menschen die sich für ebensolche Dinge interessierten und ich bekam Stück für Stück das Gefühl daß ich ja doch was kann, war stolz auf Erreichtes und je mehr ich aufhörte eine Rolle zu spielen, die ich eh mehr schlecht als recht aufrechterhalten konnte, desto mehr „sahen“ mich die Menschen plötzlich. Also natürlich nicht alle, aber die wichtigsten. Irgendwie hat sich dann etwas in mir entwickelt daß sich gut anfühlt, weil ich mich manchmal wirklich echt gut finde und rotzestolz auf mich bin.
Außerdem hab ich mit meinem Tochterkind nun immer jemanden an meiner Seite der mich bedingungslos liebt, egal was ich tue oder was ich bin. Das ist das größte überhaupt.
Alles ist natürlich immer noch nicht gut und ich bin immer noch sehr leicht anfällig mich bei kleinen schier unbedeutsamen Gesten, Sprüchen, Kritik etc. klein und ungeliebt zu fühlen aber ich kenne nun meine Schwächen und kann nun weiter was dagegen tun. Vor allem dieses superschlechte innere Gefühl bei Kritik wäre ich gerne mal los. Keine Ahnung wie man das macht. Vielleicht auch erstmal durch beobachten was es eigentlich wirklich in mir auslöst und warum. Das mache ich ja inzwischen bei allen doofen Gefühlen.

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