Wahrheiten

Jetzt erzähle ich euch mal was, was ich lange für mich behalten habe. Ich hab ja jahrelang gedacht normal zu sein. Genauer gesagt 34 Jahre lang. Ich hatte eine sehr lange aber auch sehr schwierige Beziehung zu meinem heutigen Mann und irgendwann nach 10 Jahren Beziehung stellten wir fest daß er ein Asperger ist.
Da stand ich nun mit meinem Schulwissen und einem plötzlich total bekloppten Mann. Ich hatte zwar nun viele Erklärungen für sein Verhalten, aber ich hatte nun auch die Gewißheit daß sich manche Dinge niemals ändern werden können weil es einfach nicht geht. Ich habe lange darüber nachdenken müssen, ob ich damit mein restliches Leben lang klarkommen will. Ob ich auf ewig damit klarkommen kann, Dinge nicht zu bekommen die ich so sehr brauche. Ich habe mich zum Glück für ihn entschieden. Aber damals war mein Horizont noch nicht der, der er heute ist. Für mich war klar daß mein Mann mich nicht wahrnehmen kann, emotional neutral ist wenn für mich grade die Welt untergeht und mit mir so umgeht daß es in meiner Welt heißt daß alles was er tut und sagt irgendwie gegen mich ist und voller Desineteresse an meiner Person. Das war die Zeit in der wir eigentlich unser 2. Kind haben wollten. Ein Arzt sagte mir damals daß ich mich mal drauf einstellen kann, daß das mit dem gesunden ersten Kind eigentlich ein Glückstreffer war und das 2. definitiv behindert und irgendwie autistisch werden würde. Wie autistisch konnte er nicht sagen. Das war damals der totale Horror für mich. Dieser Autismus. Dieses komische Ding, wo man im TV nur immer mal so schaukelnde dämlich anmutende Menschen sieht.
Niemals wollte ich so ein Kind haben. Ich schäme mich heute dafür.
Ich wußte damals nicht, daß ich bereits so ein Kind hatte. So ein Kind, so einen Mann und auch noch selber „SO“ bin.
Heute wünschte ich mir nichts mehr, als noch ein paar von dieser Sorte auf dieser meiner kleinen Welt um mich herum. Einzig die Angst vor meiner eigenen Überforderung im Alltag hält mich derzeit noch davon ab.

Es ist so irre wichtig, daß mehr Menschen wissen wie „wir“ so sind. Deshalb finde ich es so toll, daß einige sich so sehr engagieren. Ich habe mir auch überlegt ob ich mehr nach außen gehen soll. Es sollen nicht alle so blind und doof bleiben wie ich es mal war. Vielleicht oute ich mich auch noch offiziell und führe virtuelle Frau Anders und die reale Person meiner selbst zusammen. Mal gucken…

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