Vom Kaffeekochen und anderen Freundlichkeiten

Nun hält auch bei uns endlich wieder der Alltag Einzug in unser Leben. Urlaub ist ja schon was tolles, aber irgendwie auch immer ganz schön anstrengend. Nichts ist wie sonst und selbst bei Standartroutinen die man sonst immer alleine macht wie zB. morgens vor dem sprechen den ersten Kaffee für sich zu kochen steht plötzlich im Urlaub immer jemand um einen herum, will mit anfassen, helfen oder einen wenigstens mit Gesprächen aufmuntern. Mich stört das ganz enorm, wenn jemand in meine ureigenen Handlungsabläufe pfuscht und dann stehe ich plötzlich wie mit einem Brett vor dem Kopf da und kriege selbst das anschließende Frühstückstisch decken nicht vernünftig hin. Komisch, daß mir das alles früher nie aufgefallen ist. Ich habe immer nur gemerkt daß ich manchmal enorm komische Laune habe, gereizt reagiere und komische Dinge tue, vieles vergesse zu tun und habe überhaupt nicht gemerkt warum. Seit ich allerdings auf einige Dinge achte und hinsehe, sehe ich all diese warums und manchmal fühlt es sich an als werde ich immer schlimmer und sensibler mit der Zeit. Aber ich glaube ich war schon immer so und es fühlt sich nun einfach nur anders an. Früher hab ich generell von mir gedacht, ich wäre charakterlich eh immer etwas verpeilt und es war mir peinlich daß es ganz besonders schlimm bei Gästen war. Das hatte auch viel Schampotential. Heute weiß ich, daß sie einfach alles durcheinander bringen wie zB. das Kaffeekochen als Geste der Freundlichkeit am Morgen zu übernehmen  und damit meine Reihenfolge in der ich Dinge tue durcheinanderbringen. Diese muß ich dann gedanklich wieder sehr aufwändig neu sortieren und dafür fehlt mir oft morgens noch die Energie. Außerdem geht das auch so irre schwer, weil ich nicht einfach denke „erst der Kaffee, dann fix Eier kochen, dann irgendwie Marmelade, Butter und so weiter auf den Tisch gestellt…fertig“

Nein, ich denke:

Zuallererstmal muß ich den Wasserkocher befüllen und anwerfen. Zeitgleich müssen nämlich die Eier ins Wasser damit hinterher alles gleichzeitig fertig ist. Nebenbei bemerke ich den Stand, wann ich wieder Kaffee und Eier brauche und berechne auch gerne mal wann die Eier und der Kaffee wohl wieder alle sein könnten, ob ich an dem Tag überhaupt Zeit hätte zum einkaufen, was könnte ich denn gleich noch mit einkaufen um mir Wege zu sparen, was macht eigentlich das Geld auf dem Konto, ach ja ich wollte ja noch was überweisen usw. usw…..ZACK, da bin ich schon wieder abgeschweift. Zum Glück klickt dann der Kocher und holt mich zurück ins hier und jetzt. Das ist nun der perfekte Zeitpunkt die Brötchen in den Ofen zu schieben. Mache ich es früher oder später, sind die noch nicht fertig oder schon schwarz. Dann gieße ich den Kaffee auf und lasse ihn ziehen. In der Zwischenzeit überlege ich, wer welche Tasse bekommt. Ich habe nämlich Tassen aus denen ich gerne trinke und Tassen die ich nicht mag weil sie so einen komischen Randabschluß haben und sich beim trinken am Mund komisch anfühlen. Letztere versuche ich immer gerne dem Mann unterzuschieben weil wir von meinen Lieblingstassen einfach zu wenige haben. Doof nur, wenn die Guten alle im Spüler sind oder das Kind eine veränderte Sitzordnung am Tisch beschließt, weil es ja uuuunbedingt heute mal neben Papa sitzen will oder so. Also schnell eine Lieblingstasse an meinen Platz gestellt in der Hoffnung daß es mein Platz und somit auch meine Tasse sein wird. In Gedanken mache ich mir aber schon mal den Notfallplan B was wäre wenn. Kann ja nicht gehen daß ich ohne meine Tasse und so…Dann muß ich bedenken wer von den anderen beiden auf was besteht. Das Kind ißt nur von einer ganz speziellen Löffelsorte, der Mann muß sein Ei immer falschrum im Becher haben um sich gut zu fühlen usw….Der Kaffee ist dann langsam durchgezogen und kann auf den Tisch gestellt werden. Oh, die Brötchen…

UND ICH HABE BIS DAHIN NUR KAFFEE GEKOCHT UND NOCH NICHTMAL EINE MARMELADE AUFGEDECKT!!!!

stellt euch mal vor das würde jemand einfach machen…

Ich wüßte nicht ob wir bald neuen Kaffee bräuchten, an welchem Tag der Woche ich eigentlich einkaufen gehen wollte, ich würde keine längst fälligen Überweisungen tätigen, die Brötchen wären noch nicht im Ofen und somit nie und nimmer pünktlich zum Essen fertig und wären dann auch zu heiß zum essen, ich würde vom vielen Denken kaum reflexartig zurückkehren, ich hätte das Tassenproblem noch nicht gelöst und ich würde durch die reine Anwesenheit der anderen Person davon abgehalten werden die restlichen Tätigkeiten die nötig sind entsprechend umzuorganisieren und würde dastehen wie der erste Mensch der noch nie einen Frühstückstisch gedeckt hat. Vielleicht bekäme ich dabei sogar eine Marmelade auf den Tisch oder einen Teller, aber alles andere würde mir nichtmal einfallen und so starre ich danach oft auf den fast leeren Frühstückstisch wohl wissend daß irgendetwas doch noch fehlen muß, aber ich einfach nicht drauf komme was. Nebenbei dreht das Kind völlig durch weil es vielleicht den falschen Löffel hingelegt bekommen hat, was zur Folge hat daß mein Mann aufgrund der schlechten Stimmung im Raum ebenso durchdreht und mürrisch vor sich hinrauscht was bei mir alles Doofe in mir nur noch 1000fach verstärkt und der ganze Tag ist schon beim Kaffee im Arsch.

Nee Leute, laßt mich einfach meinen Kaffee selber kochen. Danke!

BTW: und ich Trottel dachte immer, mein Mann wäre der Autist und irgendwie seltsam. Ich kann das irgendwie auch sehr gut…*duck und weg*

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