Diese Obdachlosenzeitungsverkäufer

Ihr Obdachlosenzeitungsverkäufer macht mich fertig.

Ich bin ein wahnsinnig sozialer Mensch, ich bin selber sehr engagiert, ich bin quasi ein geistiger Freund der Obdachlosen und schätze diese Zeitungen und die Arbeit die dahinter steckt sehr. Aber bitte laßt mich doch beim einkaufen in Ruhe! Ich tue mich eh schon schwer damit, mich überhaupt zum einkaufen aufzuraffen und dann steht ihr da einfach am Eingang mit großen erwartungsvollen Augen. Ich weiß nie wie ich mich verhalten soll. Hingucken, weggucken, kaufen, nicht kaufen, ich komme mir wahnsinnig bescheuert vorweil ich mir meinen Einkauf leisten kann, noch bescheuerter komme ich mit vor wenn ich meinen Wageneuro wieder einstecke und an dir vorbeilaufe, ich habe mir vor lauter Not früher oft welche gekauft und mag eure Zeitung nicht lesen weil sie mich nicht interessiert, ich würde dir lieber das Geld so geben, aber ich mag dich nicht ansprechen, ich mag nicht diese Gefühle die du in mir auslöst, ich mag nicht an dir vorbeigehen denn du wärest mir dann zu dicht wenn ich an dir vorbeilaufe und sehr oft bin ich noch nichtmal aus dem Auto ausgestiegen sondern wieder losgefahren einfach nur weil ich an dem Tag nicht an dir vorbeikonnte.

Aber ich muß doch irgendwann mal einkaufen. Ich habe es heute in 5 Läden probiert und sitze nun hungrig auf dem Sofa.

Bitte laß mir einfach deine Kontonummer, falls vorhanden da und ich spende dir ein paar Euro. Oder besser noch, magst du mir für ein paar Taler meinen Einkauf nicht für mich einkaufen und vor die Türe stellen? Das wäre toll und würde sicher uns beiden helfen.

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Ein Kommentar zu “Diese Obdachlosenzeitungsverkäufer

  1. Forscher sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Wenn ich sehr gut aufgelegt bin, schaffe ich es, zu einem Verkäufer hinzugehen, besonders, wenn es jemand ist, dem ich schonmal was abgekauft habe, und gebe ihm das Geld für die Zeitung, oft auch noch etwas dazu. Aber in den meisten Fällen bin ich beim Einkaufen gestresst, und möchte nicht angesprochen werden, und Nachfragen setzen mich dann erst Recht unter Druck, wurde da auch schonmal ungehalten und sagte etwas lauter „Nein, verdammt!!“ woraufhin der Verkäufer etwas Abfälliges äußerte, aber da wollte ich mich der Situation nur möglichst rasch entziehen, weil ich einen Overload hatte, und weg von der lauten, hektischen Straße wollte. Bin auch schon an Geschäften vorbeigegangen, weil dort wieder jemand stand, und ich es nicht ertragen konnte, die unausgesprochene Bitte. Mir tut das ja auch weh, weil meine Spende ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Viele Obdachlosenverkäufer sind Flüchtlinge, die keine rechtmäßige Arbeitserlaubnis bekommen und den ganzen Tag in der Kälte herumstehen müssen. Ich schäme mich dann auch ein wenig, weil meine Abweisung nicht anders wirkt, als die der *asozialen* Menschen, aber die 1:1 verbale Kontaktaufnahme ist halt definitiv nicht meine Stärke bei fremden Menschen.

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